Gleichstellung bei der Stadt

Die Zahl der Frauen in den Chefetagen in Bonn steigt

Bonn. Die städtische Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Rubarth zieht Bilanz des Förderplans. Von den 5572 Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Stadt Bonn sind inzwischen die Frauen mit 59,1 Prozent in deutlicher Überzahl.

„Ich habe erst dann fertig“, erinnert sich Gleichstellungsbeauftragte Brigitte Rubarth (65) amüsiert an ihre Sätze in den ersten Tagen ihres Amtsantritts bei der Stadt Bonn, „wenn ich mich überflüssig gemacht habe.“ Nach rund 35 Jahren im Dienst blickt sie mit einer gewissen Zufriedenheit auf die Ergebnisse ihrer Gleichstellungsbestrebungen zurück. „Der ‚Hälfte des Himmels‘“, seien die Frauen Ende 2018 mit einem Anteil von 49,1 Prozent an den Positionen im höheren Dienst deutlich nähergekommen, so Rubarth bei der Vorstellung von Ergebnissen aus dem Ende 2018 ausgelaufenen Frauenförderplan.

Von den 5572 Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Stadt Bonn sind inzwischen die Frauen mit 59,1 Prozent in deutlicher Überzahl (3293 Frauen und 2279 Männer). Im höheren Dienst sind 49,1 Prozent Frauen zu finden (2015: 45,9 Prozent), 61,7 Prozent im gehobenen (2015: 59,1 Prozent) und 58,5 Prozent im mittleren Dienst (2015: 57,3 Prozent).

Viele Frauen ziehen die freie Wirtschaft vor

45 Prozent der Positionen mit Führungsverantwortung im höheren und gehobenen Dienst sind mit Frauen besetzt (Leitungsfunktionen in Kindertagesstätten sind dabei nicht eingerechnet). Bei den Beamtenanwärtern stellen Frauen 66 Prozent, bei den Ausbildungsberufen sind es 41 Prozent. Es habe sich in der Praxis allerdings gezeigt, so Rubarth, dass bei insgesamt sehr gutem Abschneiden einige Vorgaben dennoch nicht erfüllt werden konnten.

Ein Grund dafür sei, dass der Fachkräftemangel auch in der Verwaltung angekommen ist. Es gingen schlichtweg kaum noch Bewerbungen ein. Zudem orientierten sich Frauen bei der Wahl der Arbeitgeber verstärkt in der freien Wirtschaft. Erschwerend käme hinzu, dass Frauen in der Verwaltung immer noch durch die Mindestwartezeiten im Laufbahnrecht ausgebremst würden. Auch laste die Familienarbeit immer noch überwiegend auf den Frauen. So nahmen im Berichtszeitraum 2016 bis 2018 insgesamt 281 Frauen und 61 Männer Elternzeit in Anspruch. Der überwiegende Teil der Männer für die Mindestlaufzeit von zwei Monaten.

Teilzeittätigkeit ist immer noch Frauensache

„Hier wird auch deutlich, dass die Einkommensverteilung in den Familien noch immer meist sehr ungleich ist“, so Rubarth. Ein Fakt, der sich auch bei der Inanspruchnahme der Teilzeit bei Frauen und Männern zeigt: 1373 Frauen standen am Stichtag lediglich 173 Männer gegenüber. „Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sollen daher auch künftig Teilzeittätigkeiten und Telearbeit gefördert werden“, lautet eine der Forderungen der Gleichstellungsbeauftragten für die Zukunft.

Der neue Gleichstellungsplan beinhalte im Großen und Ganzen die bewährten Inhalte des bisherigen Frauenförderplans. Hinzugekommen sei die Verpflichtung, sich amtlicherseits einer geschlechtergerechten Sprache zu bedienen und diese auch von den Stellen einzufordern, mit denen kommuniziert wird.

Schlussendlich stellt Rubarth nach bald 35 Jahren im Dienst der Stadt Bonn ein gutes Zeugnis aus. Vieles habe sich positiv entwickelt. Trotzdem gebe es noch einiges zu tun. „Viele Frauen neigen immer noch dazu, ihre eigenen Qualifikationen und Fähigkeiten zu unterschätzen – und viele Männer dazu, Familienarbeit als karrierehinderlich zu empfinden. Es wird also auch weiterhin Bewusstseinsarbeit nötig sein“, ist Brigitte Rubarth überzeugt.