Kommentar zur Bonner Beethovenhalle

Die Tabus müssen fallen

Der Projektsteuerer Drees & Sommer führte im Mai eine Journalistengruppe über die Baustelle.

Der Projektsteuerer Drees & Sommer führte im Mai eine Journalistengruppe über die Baustelle.

Bonn. Bei der Beethovenhalle ist ein Handeln gefordert - seitens des Städtischen Gebäudemanagements und auch der Politik. Das meint GA-Redakteur Andreas Baumann.

Das ganze Ausmaß, welches das Chaos bei der Sanierung der Beethovenhalle angenommen hat, kennen wohl nur diejenigen, die sich täglich auf der Baustelle bewegen. An die Öffentlichkeit dringen Schlaglichter – so wie jetzt im zuständigen Projektbeirat, als es um die Ausführungspläne für die Baugewerke ging.

Das Schlimmste ist dabei nicht, dass ein Teil dieser Detailpläne Fehler aufweist. Schlimm ist, wenn erst die Baufirmen darauf hinweisen müssen, dass sie mit den für viel Geld erstellten Unterlagen nicht arbeiten können. Zentrale Kontrolle: Fehlanzeige.

Wenn Architekten und Planer sauber arbeiten, mag eine systematische Prüfung verzichtbar sein. Aber bei der Beethovenhalle berichtet die Stadtverwaltung doch schon seit zwei Jahren, wie mangelhaft die Arbeit ihres Hauptauftragnehmers sei. Doch weder für das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) noch für den externen Projektsteuerer Drees & Sommer waren die Probleme Anlass genug, für eine Kontrolle der Ausführungspläne zu sorgen.

Ohnehin hält sich die Zufriedenheit mit den Projektsteuerern sowohl in der Stadtverwaltung auch als bei den Ratsfraktionen in Grenzen. Dass Drees & Sommer die schwierige Situation ausnutzt, um doppeltes Honorar zu verlangen, ist deshalb mehr als fragwürdig. Zumal das Fachbüro Karl-Heinz Schütz, das die Stadt jetzt als Problemlöser anheuert, genau die Aufgaben übernimmt, die der gesunde Menschenverstand im Pflichtenheft der Projektsteuerer vermutet hätte. Ob die neuen Auftragnehmer Ordnung ins Chaos bringen können? Es gilt – leider nur – das Prinzip Hoffnung.

Christiane Overmans hat im Projektbeirat kluge Sätze an die Adresse der Stadt formuliert. Noch so viele externe Berater könnten nicht das eigene Engagement ersetzen, mahnte die CDU-Stadträtin. „Wenn man merkt, dass es nicht läuft, dann muss man handeln.“ Damit hat sie völlig recht. Das SGB hat bislang bei der Beethovenhalle demonstriert, dass es mit der Steuerung so komplexer Projekte heillos überfordert ist.

Der neue SGB-Chef, der am Donnerstag im Rat bestätigt werden soll, muss das dringend ändern. Handeln müssen aber auch die Fraktionen selbst, indem sie sich Alternativen öffnen: Ob Auftragsvergabe an einen Generalunternehmer oder Projekte als öffentlich-private Partnerschaft – nach diesem Desaster darf keine Lösung mehr tabu sein.