Mit der Wasserschutzpolizei unterwegs

Die Streife vom Rhein

BEUEL. Die Bonner Wasserschutzpolizei kontrolliert riesige Binnenschiffe und winzige Sportboote. Aber auch an Land verteilt sie das eine oder andere Knöllchen. Der GA war mit an Bord.

Dienstantritt auf dem Rhein: Kaum hat die WSP 5 der Wasserschutzpolizei NRW von ihrem Stammplatz an der Beueler Seite der Kennedybrücke abgelegt, steuern die Beamten ein Frachtschiff an. Auf der „Alexandra“ müssen Siegfried Wegner, Karl Poth und Thorsten Klüver „Post“ abliefern: So nennen sie intern Anliegen wie das Knöllchen wegen eines Fahrfehlers, den sich die Besatzung des Frachtschiffs geleistet hat.

„Die Alexandra ist ein wiederkehrender Gast“, erklärt Polizeihauptkommissar Wegner. Die Crew der WSP 5 kennt das moderne Schiff schon von diversen Kontrollen. Entsprechen Größe und Qualifikationen der Mannschaft den Anforderungen? Sind Schiffstechnik und Sicherheitsmaßnahmen auf dem aktuellen Stand? Werden die Vorschriften für Gefahrguttransport eingehalten? Das ist Routine für das Team, das im Notfall auch Menschen aus dem Rhein rettet und die Lizenz von Anglern am Rheinufer kontrolliert.

Die meisten Arbeitstage sind entspannt. Aufregendes wie den großen Fischkutter, der bei Wesseling mit Motorschaden „zu Tal“ trieb, erlebe man selten, so Wegner. Der 60-Tonner musste abgeschleppt werden, und die WSP 5 hatte trotz Vollgas Mühe, nicht von dem Schiff ans Ufer gezogen zu werden. Und dann war da die Frau, die am Mondorfer Fähranleger mehrmals säckeweise altes Brot in den Rhein schüttete – für die Schwäne und Enten. Weil sie damit Ratten hätte anlocken können, bekam sie ein Knöllchen von der Wasserschutzpolizei, und seitdem steht dort das „Füttern verboten“-Schild. Eher haben die Beamten mit Sportbooten zu tun. Sie halten die „Mi piaci“ aus Vinningen an. Bootsführer Günther Wollstädter legt seine Papiere in eine Art Käscher, den Klüver ihm hinhält. Kurze Überprüfung, alles in Ordnung. Wollstädter ist gut gelaunt. „Ich bin seit zwölf Jahren mit dem Boot unterwegs, und das war meine erste Kontrolle.“

Laut Vorschrift muss die Crew immer mindestens aus drei Personen bestehen. Oberkommissar Poth steuert die WSP 5 längsseits zum Frachter „Maria Valentine“, Klüver öffnet die Tür und spitzt die Ohren: „Er überprüft, ob der Frachter die großen Lüfter laufen hat“, erklärt Wegner. Damit bläst man die leeren Tankräume trocken. „Wenn das Produkt raus ist, bilden sich viele Gase im Tank.“ Die setzen sich in Poren im Tank ab und könnten giftig sein. Gerade bei Gefahrguttransporten wie diesem – die Maria Valentine hatte einen entzündbaren flüssigen Stoff geladen – sei das Entlüften in Ortschaften nicht erlaubt.

Das Gehör für solche Dinge gewöhne man sich irgendwann in den drei Jahren an, in denen man bei erfahrenen Kollegen mitfahren muss, so Wegner. So lange dauert die Weiterbildung vom „normalen“ Polizeibeamten zum Wasserschutzpolizisten. Ob das künftig in Bonn möglich ist, werde sich wohl erst nach der Landtagswahl zeigen, sagt er. Wie berichtet, gibt es Bestreben, die Bonner Wache zwecks Einsparung aufzulösen. „Grundsätzlich finden das alle schlecht“, meint Wegner.

Wenn der Bereich, für den die Bonner zuständig sind – der Rheinabschnitt zwischen Sürth und Bad Honnef – von Köln aus bedient werde, dauere es bis zu anderthalb Stunden, bis die Wasserschutzpolizei von der Anlegestelle auf Domhöhe aus die Kennedybrücke erreicht. Von schnellem Eingreifen kann dann keine Rede mehr sein.

Wegner rechnet aber nicht vor 2018 mit einer Entscheidung. Er empfiehlt den Entscheidungsträgern in der Politik einen Blick nach Niedersachsen: Dort wurde eine Wasserschutzpolizeiwache aufgelöst, dann stellte man jedoch fest, dass sie dringend benötigt wird. Sie soll jetzt reaktiviert werden, aber man findet kaum Personal dafür.