Kommentar zur Bonner Oper

Die Sicherheit hat Vorrang

Diese Fluchtwegtür im Treppenhaus der Oper hat keine Abdichtung gegen giftigen Qualm.

Diese Fluchtwegtür im Treppenhaus der Oper hat keine Abdichtung gegen giftigen Qualm.

Bonn. Die Oper ist sicher, sagt die Stadt – trotz aller Brandschutzmängel, die den Behörden seit Jahren bekannt sind und scheibchenweise auch ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Es gibt keinen Grund, der Verwaltung nicht zu glauben. Sie hat die Fachleute in ihrer Bauaufsicht sitzen und nutzt das Wissen der Bonner Feuerwehr, die an Begehungen teilnimmt. Die Stadt ist sich ihrer Verantwortung ohne Zweifel bewusst.

Trotzdem irritieren die Details. Spätestens seit dem Frühjahr ist aktenkundig, dass zum Beispiel Sprinkler und Brandmeldeanlagen der Oper als „nicht betriebssicher“ gelten. Eine sofortige Reaktion – also schnelle Reparatur oder schlimmstenfalls die vorübergehende Schließung des Hauses – hält die Bauaufsicht aber nicht für notwendig. Offenbar sind die Mängel dann doch nicht so gravierend, aber das wüsste man schon gern genauer. Doch die Antwort der Stadt auf die GA-Anfrage fällt eher pauschal aus.

Anderes Beispiel: Feuerschutztüren in den Treppenhäusern, über die bei voll besetztem Haus rund 1000 Menschen ins Freie flüchten müssten. Erst im Herbst 2016 soll den Mitarbeitern des Theaters aufgefallen sein, dass diese Türen nicht rauchdicht sind. Warum haben das die Prüfer bei früheren Brandschutzbegehungen im 52 Jahre alten Gebäude nicht bemerkt? Und warum sind die Türen fast ein Jahr später immer noch nicht ausgetauscht? Wäre es in dieser Zeit zu einer Feuerkatastrophe gekommen, wären allein diese Türprobleme zweifellos ein Fall für die Staatsanwaltschaft gewesen.

Oder die roten Teppiche in der Oper: Sie wurden 2009 verlegt, und bis heute weiß die Stadt nicht genau, ob dabei die Brandschutzvorschriften beachtet wurden. Wie kann das sein?

Natürlich ist nachvollziehbar, dass größere bauliche Eingriffe für den Brandschutz bis zum Beginn der jetzt geplanten Instandsetzung von Oper und Kammerspielen aufgeschoben worden sind. Aber was immer schon vorher zur Erhöhung der Sicherheit getan werden kann, muss doch wohl so schnell wie möglich geschehen. Schon jetzt deutet sich an, dass der Sanierungsstart sich verzögern könnte, weil die Kommunalpolitiker kritische Nachfragen zum Konzept haben. Das darf jedoch zu keinerlei weiterem Verzug beim Brandschutz führen. Deshalb ist es vielleicht ganz gut, dass die Sozialliberalen die Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde alarmiert haben. Das dürfte bei allen Beteiligten die Sensibilität für dieses wichtige Thema noch einmal erhöhen.