Der rheinische Dialekt

"Die Schwaben sind Angsthasen"

Georg Cornelissen

BONN. Als Leiter der Abteilung Sprachforschung beim Institut für rheinische Landeskunde und Regionalgeschichte im Landschaftsverband Rheinland (LVR) beschäftigt sich Georg Cornelissen beruflich mit dem rheinischen Dialekt. Mit ihm sprach Sebastian Fink.

Herr Cornelissen, was sagen Sie zum Duell in Tübingen?
Georg Cornelissen (lacht): Die Schwaben sind Angsthasen. Wären Sie mutiger gewesen, hätten sie einen Rheinländer eingeladen. Bei einem Duell sollten die Gegner auf Augenhöhe sein. Die stärksten Dialekte wären dann das Mehlemer Platt oder Kölsch gewesen.

Gibt es den rheinischen Dialekt eigentlich?
Cornelissen: Das ist eher eine Abstraktion. Zwischen zwei Orten gab es immer feine Unterschiede, wir hatten gut 1000 Dialekte. Diese wurden dann zu einer Dialektgruppe rund um Köln zusammengefasst und Rheinisch oder Ripuarisch genannt.

Gibt es zwischen den rheinischen Dialekten Verständigungsprobleme?
Cornelissen: Es gibt im Rheinland keine Untersuchung darüber, wie weit ein Dialekt problemlos verstanden wird. Das Gummersbacher Platt und das Bönnsch sind beispielsweise nicht kompatibel.

Beim LVR gibt es das Rheinische Mittmachwörterbuch. Wie groß ist die Resonanz?
Cornelissen: Bei dem Wörterbuch geht es um die regionale Umgangssprache. Das läuft seit einigen Jahren und wir bekommen immer noch neue Wörter.

Würden Sie bei einem Duell gegen die Schwaben antreten?
Cornelissen: Gegen den Schwaben Hermann Bausinger würde ich liebend gerne antreten. Der sauerländische Dialekt ist zwar auch toll, aber es ist wie im Fußball: Will ich in der nächsten Pokalrunde gegen den FC Bayern München antreten oder gegen Bad Neuenahr?