Aufwertung notwendig

Die Rheinpromenade in Bonn verwahrlost

BONN. Eine komplette Aufwertung des Bonner Rheinufers wird es nicht vor dem Beethoven-Jubiläum geben. Doch diese ist dringend nötig. Ein großes Problem ist der Weg von der Innenstadt zum Rhein.

Ein Spaziergang am Bonner Rheinufer ist kein durchgängiges Vergnügen. Bisweilen gleicht der Asphalt einem Flickenteppich in wechselnden Farben. Von einer Mauer nahe der Kennedybrücke sind Steine abgebröckelt, ein Drahtzaun sichert die Stellen nun ab. Er ist mit dem Wort „funktionell“ noch euphemistisch beschrieben. Das Amt für Stadtgrün hat am Biergarten „Zum Rheinblick“ nahe dem fein restaurierten Alten Zoll und auch an anderen Stellen hübsch gepflanzt, doch vor der Oper wirkt der Rasen ungepflegt.

Das Rheinufer entlang der Innenstadt ist nicht überall schön anzusehen. Die Debatte darüber, wie es aufgewertet und in einem großen Wurf besser an die Innenstadt angeschlossen werden könnte, wird schon lange geführt. Der 2012 veröffentlichte Masterplan Innere Stadt gibt Anregungen dazu. Stadtbaurat Helmut Wiesner hat im vergangenen Jahr allerdings angekündigt, dass „ein neues Gesicht“ für das Rheinufer frühestens nach dem Beethovenfest zum 250. Geburtstag des Komponisten im Jahr 2020 angegangen würde. Schließlich wollten die Besucher nicht durch Baustellen flanieren. Kosmetische Verbesserungen seien allerdings in den kommenden beiden Jahren möglich.

Am Brassertufer steht Anneliese Koch, die aus Linz mit dem Schiff angekommen ist, verzweifelt vor einer Stadtkarte. „Ich suche die Innenstadt, kann meinen Standort aber nicht finden“, sagt sie. Tatsächlich ist die Position nicht gekennzeichnet. Die roten Schilder ein paar Meter weiter hat sie nicht wahrgenommen. Kerstin und Martin Stankowski sind Touristen und auf einem Tagestrip in Bonn. „Es ist eigentlich ganz schön hier am Rhein“, sagt die 57-Jährige, „aber an manchen Stellen wirkt die Promenade ganz schön ungepflegt.“ Ihren Mann stört es, dass so wenig Mülleimer aufgehängt sind. „Da muss man sich nicht wundern, wenn am Abend überall Müll auf dem Weg liegt.“

Michael (22) ist Student aus den USA und absolviert ein Gastsemester in Bonn. Er habe sich erst einmal verlaufen, als er von der Uni zum Rheinufer gehen wollte. Für Ästhetik hat er wenig Sinn, räumt der Amerikaner mit einem Lachen ein, deshalb stört es ihn nicht, dass manche Stellen der Uferpromenade verwahrlost wirken. „Es ist nur wirklich schade, dass man so schlecht hierher findet“, sagte er und spricht damit Michael Schlösser aus dem Herzen. Der Bonner Hotelier und Vorsitzende des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hatte jüngst in einem Interview mit dem GA berichtet, dass viele seiner Gäste ebenfalls die schlechte Zuwegung zum Rheinufer beklagten. Schlösser bemängelt außerdem: „Sie finden die ganze Promenade entlang keine öffentliche Toilette. Das ist beschämend für Bonn.“

Wildpinkler sind zum Problem geworden

Das sehen auch Claudia und Claus Hardy, Betreiber des Biergartens „Zum Rheinblick“, so: „Wildpinkler und pöbelnde junge Leute sind in den vergangenen drei Jahren zum Problem geworden“, sagen beide. Außerdem würden sie täglich von Schiffstouristen nach dem Weg in die City gefragt, weil der nicht vernünftig ausgeschildert sei. Ines Knye, Vorsitzende des Bunds Deutscher Architekten (BDA) Bonn/Rhein-Sieg, bedauert, dass trotz jahrelanger Diskussionen über die Uferpromenade bisher nichts passiert ist. „Dabei brennt uns das Thema auf den Nägeln.“

Der BDA habe vergeblich gehofft, dass durch die Regionale mit dem Thema „Stadt zum Rhein“ 2008 und dem 2012 aufgelegten Masterplan Innere Stadt Schwung in die Debatte gekommen wäre. „Die Stadt Bonn nutzt den Rhein bisher leider überhaupt nicht als Impuls, als Imageträger“, sagt die Architektin. „Wer auf dem Marktplatz steht, weiß nicht, wo der Rhein ist. Und wenn man es weiß, kommt man nicht gescheit hin.“ Die Promenade selbst ist für Knye mit den alten Betonkübeln, dem aufgeworfenen Pflaster und den geflickten Gehwegen ein „Sanierungsfall“. Kritik übt sie am geplanten Hotel der Drei-Sterne-Kategorie am Erzbergerufer. Es soll auf dem Areal errichtet werden, auf dem das neue Festspielhaus geplant war. „Wir hatten uns für einen Musik-Campus dort ausgesprochen. Und wenn schon ein Hotel, dann hätte dort auf jeden Fall ein hochklassiges Hotel hingehört.“