Bonner Bundesbüdchen

Die Rückkehr rückt näher

Bonn. Der Bund hat angekündigt, zum Wiederaufbau des historischen Pressekiosks im ehemaligen Regierungsviertel, in Bonner besser als "Bundesbüdchen" bekannt, 135.000 Euro beizusteuern.

Auf dem Gelände der Firma Baumann Schwertransporte in Hersel rostet ein Stück Geschichte der Bonner Republik vor sich hin – der Pressekiosk der Familie Rausch, bekannt als „Bundesbüdchen“. Wo sich heute der Platz der Vereinten Nationen befindet, erfreute sich der kleine frei stehende Laden vor dem Umzug der Bundesregierung großer Beliebtheit unter Politikern und Journalisten, nicht zuletzt dank seiner günstigen Lage zwischen dem ehemaligen Bundeskanzleramt und den beiden Parlamentsgebäuden. Seit der Kiosk 2006 dem WCCB weichen musste, hat sich die ursprünglich geplante Wiederaufstellung immer wieder verzögert.

Kulturförderung

Der 2015 gegründete Förderverein durfte sich am Donnerstag über gute Nachrichten freuen: 135.000 Euro sollen aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Bundesregierung zur Verfügung gestellt werden. „Den Antrag auf Förderung aus dem Bundeshaushalt hatten wir vor ein paar Monaten über den Bonner Abgeordneten Ulrich Kelber gestellt, der war sofort bereit, unser Vorhaben zu unterstützen“, sagte Vorsitzender Peter Storsberg im Gespräch mit dem General-Anzeiger. „Bei öffentlichen Mitteln der Kulturförderung übernimmt der Staat üblicherweise nur die Hälfte der Kosten, insgesamt werden mindestens 270.000 Euro nötig sein“, gab er zu bedenken.

Neben einer Förderzusage der Deutschen Stiftung Denkmalschutz über 60.000 Euro habe auch die Sparkasse Köln-Bonn finanzielle Unterstützung in Aussicht gestellt: „Wir hoffen auf bis zu 30.000 Euro“, so Storsberg. Die Ende Oktober ausgelaufene Spendenkampagne habe den restlichen Finanzierungsbedarf nicht decken können, bedauerte er: „Es haben sich noch einige Privatleute und mittelständische Unternehmer gemeldet, insgesamt ist auf diese Art aber leider nicht so viel zusammengekommen, wie wir uns gewünscht hatten.“

Die Standortfrage bleibt noch offen

Es fehle noch Geld in der Größenordnung von etwa 50.000 Euro: „Wir hoffen, dass wir die NRW-Stiftung noch überzeugen können. Dafür müssen wir als Nächstes unser Bauvorhaben überarbeiten.“ Ein ursprünglich geplantes Kellergeschoss mit Ausstellungsräumen habe sich inzwischen als nicht realisierbar herausgestellt: „Für einen begehbaren Unterbau, der das Gewicht des Kiosks zuverlässig abstützt, müsste man inklusive Fundamenten fünf Meter in die Tiefe. Das würde die Kosten auf eine halbe Million Euro hochtreiben.“Offen ist auch noch die Standortfrage – der letzte Stadtratsbeschluss sieht für die Wiedererrichtung die Stelle neben dem WCCB-Parkhaus vor, wo Jürgen Rausch aktuell seinen Betrieb in einem provisorischen Holzbau führt.

Betreiber und Förderverein wünschen sich einen repräsentativeren Standort, der näher an der Heussallee liegt. „Derzeit sehe ich wenig Bereitschaft der Stadt, uns dabei entgegenzukommen,“ so Storsberg. Der Förderverein hofft, dass das Projekt nächstes Jahr ins Rollen kommt. „Der Zustand des Kiosks wird nicht besser“, sagte Storsberg besorgt. Für Jürgen Rausch würde damit ein Traum in Erfüllung gehen: „Wenn das Büdchen endlich einer gemeinnützigen Aufgabe dienen kann, so wie es in der Satzung des Fördervereins steht, das würde mich glücklich machen“, sagte er. Um dieses Ziel zu erreichen, wolle man jetzt noch einmal alle Kräfte aufbieten, kündigte Storsberg an: „Die Architektin wird etwas Neues vorbereiten. Die derzeitige Finanzierung bietet uns eine solide Grundlage.“