Fördervereine berichten

Die Folgen des Finanzskandals am Bonner Münster

Bonn. Die Vorgänge am Bonner Münster sind auch an den Fördervereinen nicht spurlos vorbeigegangen. Dennoch hat der kommissarische Stadtdechant Bernd Kemmerling keine offen negative Stimmung im Kreise der Gemeindemitglieder durch den Finanzskandal ausgemacht.

Stück für Stück wächst derzeit an der Ostapsis des Bonner Münsters das Baugerüst in die Höhe. Mit dem Arbeitsschritt ist der wichtigste und umfangreichste Abschnitt der Generalsanierung der Basilika eingeläutet. Wenige Meter weiter bringt ein großes Schild am Bauzaun die Situation auf den Punkt, die auch auf den Finanzskandal bezogen werden kann, von dem die Pfarrei erschüttert wurde: „Das Münster ist geschlossen“, heißt es da und: „Wir sind weiter für sie da.“

Letzteres gilt etwa in Person des kommissarischen Stadtdechanten Bernd Kemmerling und des Pfarrverwesers Alfons Adelkamp, der die Geschäfte der Münster-Kirchengemeinde bis zur Einführung des neuen Stadtdechanten Wolfgang Picken betreut. Die Wahl des neuen Kirchenvorstands soll laut Kemmerling nach der Einführung Pickens stattfinden, der dazu einen Termin mit dem Erzbistum abstimmen werde. Zu den Aufgaben des Kirchenvorstands zählt es, gemeinsam mit dem Pfarrer das Vermögen und die Gebäude zu verwalten.

Aufgrund der Doppelfunktion mit dem Stadtdekanat wurden viele pastorale Aufgaben an Nachbargemeinden abgegeben. So intensiv, wie man es für eine Gemeinde mit 3700 Gläubigen erwarten könnte, sei das Gemeindeleben aus diesem Grund nicht gewesen, ist an der Basis zu hören. Auch in den Münster-nahen Fördervereinen sorgte der Finanzskandal naturgemäß für Unruhe.

Wolfgang Bretschneider, Vorsitzender der Freunde und Förderer der Musik am Bonner Münster, musste zuletzt feststellen, dass eine zweckgebundene Spende für die Orgel, nach GA-Informationen ein fünfstelliger Betrag, nicht nur buchhalterisch in den allgemeinen Haushalt der Pfarrei geführt, sondern dort tatsächlich verbraucht wurde. Bis dahin war der Organist davon ausgegangen, dass das Geld zwar falsch verbucht, aber dort separiert und folglich noch vorhanden sei – irrtümlicherweise, wie er nun sagt. Inzwischen hat das Erzbistum das Geld aus seiner Kasse ersetzt. Und auch die Spenden, die der Förderverein selbst verwaltet, blieben unangetastet. 30.000 Euro stehen laut Bretschneider zur Verfügung, womit die Orgelerweiterung um das lang ersehnte 70. Register nur noch einen kleinen Schritt entfernt sei.

Gab es einen Fehler im System?

Zuversichtlich zeigt sich auch der Münsterbauverein. Man habe keinen Rückgang an Spenden aufgrund der Finanzaffäre festgestellt, sagt Karl-Wilhelm Starcke. Das Vorstandsmitglied des Vereins erklärt weiter, man habe lediglich nach Bekanntwerden der Affäre im Mai eine „Kampagnenpause“ eingelegt, was natürlich mit einer Stagnation des Spendenaufkommens verbunden gewesen sei. „Wir haben damals erst einmal Luft holen müssen. Wir wollten abwarten, wie es weitergeht.“

Seit Oktober sei der Verein aber wieder aktiv und habe verschieden Kampagnen gestartet. In Kürze wolle man der Münstergemeinde wieder 275.000 Euro für die Generalsanierung überweisen. Starcke betont, über die Spenden für die Sanierung der Basilika verfüge allein der Münsterbauverein. Kirchliche Gremien hätten keinen Zugriff. Bisher habe der Verein gut 1,2 Millionen Euro an Spenden für die Sanierung beisteuern können. „Unser Ziel ist es, zwei Millionen Euro zu erreichen.“

Unterdessen fordert der Bund Katholischer Unternehmer (BKU), die Finanzverwaltung der Kirchengemeinden generell zu überprüfen und beklagt unzureichende Aufsichtsgremien und einsame Entscheidungen in Finanzfragen der Kirche. Anlass ist nicht das Bonner Münster, sondern ein Finanzskandal im Bistum Eichstätt mit einem mutmaßlichen Verlust in Höhe von 47 Millionen Euro.

Dass ein Fehler im System die Finanzmisere am Münster begünstigt haben könnte, glaubt man im Erzbistum indes nicht. Die Kirchenführung in Köln hat sich für die Vorgänge auf die Formulierung festgelegt, sie stellten einen „in Ausmaß und Höhe singulären Fall“ dar. Denn, so erklärt ein Bistumssprecher: Auch andere Gemeinden im Erzbistum verwalteten hohe Summen und teils große Wirtschaftsbetriebe – doch lediglich am Bonner Münster sei es, unter personeller und funktionaler Verantwortung von Stadtdechant Schumacher, zu den bekannten Problemen gekommen. Zu einem „Generalverdacht gegen alle“ oder gar einer Revision des gesamten Systems aufgrund eines einzelnen Falles sehe man keinen Anlass.

Keinen Anlass zu Ermittlungen sehen derweil auch die Strafverfolgungsbehörden. So lange es keine Hinweise auf persönliche Bereicherung oder Strafanzeigen gebe, genieße das „verfassungsrechtliche Befassungsverbot“ Vorrang. Der Ursprung dieses Privilegs liegt in den historischen Tiefen des Staatskirchenrechts und bedeutet ganz im Gegensatz zu Vorgängen in der freien Wirtschaft: In die Bereiche, in denen die Kirche sich selbst beaufsichtigt, greift der Staat nicht ein.