Bonner Friedhöfe

Die Flächen ohne Gräber nehmen zu

Wie hier auf dem Poppelsdorfer Friedhof klaffen auch auf vielen anderen Bonner Friedhöfen inzwischen große Lücken zwischen den einzelnen Gräbern.

BONN. Wer regelmäßig seine verstorbenen Angehörigen auf den Bonner Friedhöfen besucht, hat es längst bemerkt: Zwischen den einzelnen Gräbern klaffen immer größere Lücken. Das bestätigt die städtische Friedhofsverwaltung.

Grund: Viele Bürger verlängern nach Ablauf der Ruhefrist die Nutzungsrechte nicht mehr. Zudem nimmt die Zahl der für unsere Gegend bisher typischen Form der Erdbestattungen kontinuierlich ab und die der Urnenbestattungen dagegen zu. Sie machen mittlerweile mehr als 60 Prozent aus (38 Prozent Erdbestattungen).

Vor allem auf dem Nordfriedhof sind zahlreiche Gräber abgeräumt. Und auch auf den kleineren Ortsfriedhöfen wie in Endenich bleiben immer mehr Grabstellen frei. Für Jürgen Dunkelberg liegt der Grund dafür auf der Hand: Sterben wird in Bonn immer teurer.

"Deswegen entscheiden sich immer mehr Angehörige für die preiswertere Urnenbestattung, auch wenn sie das eigentlich nicht wollen", ist das Vorstandsmitglied der Bonner Steinmetz-Innung Bonn überzeugt. Recht gibt ihm der Bund der Steuerzahler (BdSt). Bonn verlangt die höchsten Friedhofsgebühren in NRW, hat der BdSt bei einem Vergleich mit 23 anderen kreisfreien NRW-Städten festgestellt. So betrage die Gesamtgebühr für eine Sargbestattung im Wahlgrab in Bonn mehr als 4300 Euro. Rund 3000 Euro weniger berechne die günstigste Stadt Solingen.

Erst im vorigen Sommer hatte der Rat eine neue Satzung beschlossen, die eine weitere Erhöhung beinhaltete. "Allein die Gebühren für ein Wahlgrab sind danach um 40 Prozent gestiegen", kritisierte Dunkelberg. Er sieht die Existenz einiger Steinmetzbetriebe gefährdet, wenn sich die Gebührenschraube weiter drehe.

Das Problem: Die Stadt legt die Kosten für die Friedhöfe anders als manch andere Kommunen zu 100 Prozent auf die Nutzer um. Etwa 8,6 Millionen Euro benötigt sie, um die Kosten für alle 40 Friedhöfe decken zu können. Das gelingt nicht zuletzt auch wegen des Trends zu preiswerteren Bestattungsformen längst nicht mehr, deshalb die Gebührensteigerungen, erklärt Peter Kießling vom Amt für Stadtgrün.

Um diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, hat der Rat im vorigen Jahr in einem interfraktionellen Antrag die Verwaltung beauftragt, darzulegen, wie sie künftig effizienter arbeiten will und wo sie zusätzliche Sparpotenziale sieht. Die Ergebnisse sollen demnächst mit dem Entwurf einer neuen Gebührenordnung auf den Tisch kommen, erfuhr der GA.

Wohl vom Tisch sind ursprünglich angedachte Schließungen von kleineren Friedhöfen. Kießling zufolge käme dafür höchstens noch der Friedhof in Dottendorf in Betracht. Dort gebe es nur noch drei Nutzungsrechte, die die Verwaltung nicht mehr verlängern werde.

40 Bonner Friedhöfe:
Bonn hat mit rund 40 Friedhöfen so viele wie kaum eine andere Kommune in NRW. Insgesamt gibt es 109 000 Ruhestätten. Der größte Friedhof ist der Nordfriedhof, auf dem mehr als 600 Beerdigungen pro Jahr stattfinden. Schlusslichter bilden der Alte Friedhof in Kessenich, auf dem im vorigen Jahr ein Verstorbener seine letzte Ruhe fand, und der Dottendorfer, auf dem es seit 2008 keine Beerdigung mehr gab.

Pro Jahr verzeichnet die Stadt insgesamt mehr als 2600 Beerdigungen. Auf einigen Friedhöfen besteht die Möglichkeit zu anonymen Urnenbestattungen. Zudem gibt es auf dem Nord- und dem Zentralfriedhof in Bad Godesberg sogenannte Aschefelder. Auf dem Friedhain Heiderhof können Urnen unter Bäumen beigesetzt werden.