Forschungszentrum Caesar in der Gronau

Die Entdeckung der Ionenkanäle

Nobelpreisträger Erwin Neher (rechts) wird von Caesar-Gründungsdirektor Benjamin Kaub willkommen geheißen.

Nobelpreisträger Erwin Neher (rechts) wird von Caesar-Gründungsdirektor Benjamin Kaub willkommen geheißen.

Bonn. Nobelpreisträger Erwin Neher besucht das Forschungszentrum Caesar in Bonn. Dort erzählt er, wie er Ionenkanäle sichtbar gemacht hat.

Gründungsdirektor Benjamin Kaub konnte am Donnerstagabend im Rahmen seiner Reihe „Caesarium“ mit dem Biophysiker und Nobelpreisträger Erwin Neher einen besonderen Gast im Hörsaal des Forschungszentrums Caesar begrüßen. Er hob dabei die besondere Verbindung Nehers hervor, die den Nobelpreisträger der Kategorie „Medizin oder Physiologie“ (1991) mit Bonn verbindet.

Nur wenige Minuten von dem Forschungszentrum entfernt, sei im Deutschen Museum an der Ahrstraße der Patch-Clamp-Messplatz zu bewundern, mit dem es Neher zusammen mit seinem Forschungspartner Bert Sakmann gelang, die bahnbrechende Erforschung der Ionenkanäle durchzuführen. „Ich ermuntere sie, sich das Gerät anzusehen und sozusagen Informationen aus erster Hand zu bekommen“, so Kaub. Darüber hinaus, habe Neher in schwierigen Zeiten des Bonner Forschungszentrums die Interimsleitung des Caesar übernommen und sei maßgeblich daran beteiligt gewesen, das Institut in die Max Planck Gesellschaft zu integrieren.

250 Zuhörer im Hörsaal des Forschungszentrums Caesar

Im überfüllten Hörsaal I des Caesar sprach Neher vor rund 250 Zuhörern über die Entdeckung und die Rolle der so genannten Ionenkanäle – porenartige Membranproteine – in Pharmakologie und Medizin. Nach einem kurzen historischen Abriss kam der Nobelpreisträger zu der Beschreibung wie es ihm und Bert Sakmann gelang, an dem Patch-Clamp-Messplatz zum ersten Mal die Größe und die Dauer eines Ionenstroms durch einzelne Kanäle in einer Zellmembran zu messen. Mit dieser am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen entwickelten Messung ließ sich nachweisen, dass lebende Zellen über Ionenkanäle miteinander kommunizieren. Fast jede körperliche Reaktion wird über Ionenströme in Ionenkanälen gesteuert.

Inzwischen sind eine Reihe von Krankheiten erforscht, die auf fehlerhaft arbeitenden Ionenkanälen beruhen. So ist zum Beispiel ein falsch aufgebauter oder gesteuerter Chloridkanal die Ursache für Mukoviszidose, einer derzeit noch unheilbaren Stoffwechselerkrankung der Bronchien. Weltweite Forschungsarbeiten haben inzwischen gezeigt, dass Ionenkanäle nicht nur in so genanntem erregbarem Gewebe (Nerv und Muskel) aktiv sind. Vielmehr vermitteln verschiedenste Arten von Ionenkanälen vielfältige physiologische Funktionen. Vom Flüssigkeitstransport in der Niere bis zur Umsetzung von Licht, Schall und Temperatur in elektrische Signale in unseren Sinneszellen. Es hat sich gezeigt, dass Ionenkanäle bevorzugte Angriffspunkte von Medikamenten sind und dass eine Vielzahl von Erbkrankheiten auf Mutationen in Ionenkanälen zurückzuführen sind.

Im Gespräch mit dem GA verriet Neher, dass er wieder ein erneutes Interesse an den Ionenkanälen entwickelt habe. Im Rahmen einer ihm angebotenen Gastprofessur im chinesischen Macao wird er dort neben seinem Emeritus-Labor in Göttingen ein Patch-Clamp-Labor aufbauen, um Komponenten aus der Traditionellen Chinesischen Medizin auf ihre Wirkungsweisen hin zu erforschen.