Villa Spiritus übergeben

Die Britischen Streitkräfte verlassen Bonn

GRONAU. 66 Jahre nach Kriegsende geben die letzten in Bonn verbliebenen Alliierten Streitkräfte ihren Standort auf. Die Briten übergeben die Villa Spiritus, die in direkter Nachbarschaft zur Villa Hammerschmidt liegt, an seinen Besitzer, die Bundesrepublik Deutschland zurück.

Pipe-Sergeant David Moir hat seine Position eingenommen. Der Teilzeitsoldat bei den britischen Streitkräften in Mönchengladbach trägt seine schottische Uniform und bläst auf dem Dudelsack, während zwei Kameraden feierlich die britische Fahne einholen. Auf der Treppe vor der Villa Spiritus nehmen die Offiziellen Haltung an.

Es ist ein historischer Moment: 66 Jahre nach Kriegsende geben die letzten in Bonn verbliebenen Alliierten Streitkräfte ihren Standort auf. Die Briten übergeben die Villa, die in direkter Nachbarschaft zur Villa Hammerschmidt liegt, an seinen Besitzer, die Bundesrepublik Deutschland zurück. Major General Nick Caplin nimmt die gefaltete britische Fahne an sich, David Moir marschiert symbolisch durchs Tor, die Melodie wird leiser.

Caplin überreicht Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch die Fahne, André Gregarek, Vorstandsmitglied der Bundesanstalt für Immobilien (BIMA), den symbolischen Schlüssel. "Jetzt haben wir alle Verantwortung übergeben", sagt der Befehlshaber der Britischen Streitkräfte in Deutschland.

Es klingt ein wenig Wehmut, aber auch Erleichterung in seiner Stimme. Bis 1999 haben noch etwa 60 Angehörige der britischen Streitkräfte in der schönen Villa am Rhein gearbeitet. 1955 wurde sie zum Verbindungsstab, praktisch eine Koordinierungsstelle der britischen Streitkräfte in Deutschland und Verbindungsbüro zu den deutschen Behörden.

Nach dem Umzug der Regierung nach Berlin wurde es von 25 Mitarbeitern eher als Konferenzzentrum geführt. "Das war in der Unterhaltung einfach zu teuer", wie Presseoffizier Philip Jones bemerkte.

Der Rückzug der Briten aus Bonn gehört aber auch zu deren Gesamtplanung: Bis 2020 soll der letzte britische Soldat deutschen Boden verlassen haben.

Für einige der 25 in Bonn eingesetzten Mitarbeiter kommt nun die Lebensphase des Ruhestands, so Colonel Richard Collins. Die Jüngeren werden an andere Standorte versetzt, einige zum HQ UKSC, zum Hauptquartier des britischen Unterstützungskommandos in Mönchengladbach.

Unter den Ehrengästen ist auch Achim Spiritus, Ururenkel des früheren Bonner Oberbürgermeisters, der die Villa Ende des 19. Jahrhunderts bauen ließ. Sein erster Besuch an dieser historischen Stätte war es nicht. Sein Großvater Herbert Spiritus durfte vor Jahren seinen 85. Geburtstag in der Villa feiern, da sei er bereits einmal in dem an die Gotik angelehnten Haus gewesen. Starke emotionale Bindungen hat der in Leverkusen geborene 32-Jährige aber kaum noch. "Natürlich hat man Ehrfurcht vor dem Urahn, der ja für Bonn gelebt hat", so der Düsseldorfer Arzt.

Die Villa, die sich im Eigentum des Bundes befindet, soll nun "an den Markt gebracht werden", sagte Gregarek auf Anfrage. Zunächst werde geprüft, ob es Bedarf bei den Bundesbehörden und -einrichtungen gebe. Wenn nicht, werde die repräsentative Villa entweder vermietet oder verkauft.

Als sich die Gesellschaft zum Umtrunk in die Villa zurückzieht, sitzt der Pipe-Sergeant längst wieder in seinem Auto Richtung Mönchengladbach.

Wilhelm Spiritus:
Gebaut wurde die Villa als Einfamilienhaus von Wilhelm Spiritus, der von 1891 bis 1919 Oberbürgermeister Bonns war. Sie war eine der ersten Villen an der damals noch im Bau befindlichen Kaiser-Friedrich-Straße. Die Kölner Architekten Müller und Grah entwarfen das Gebäude, dessen Planungen 1895 begannen.

Im April 1897 folgte die Endabnahme des ab 1896 erstellten Gesamtneubaus. Wegen seines besonderen Einsatzes für Bonn während des Ersten Weltkriegs wählten die Bonner Stadtverordneten Wilhelm Spiritus zum Oberbürgermeister auf Lebenszeit, was einmalig in der Geschichte Bonns geblieben ist. Trotzdem legte Spiritus 1919 sein Amt nieder. 1931 starb Wilhelm Spiritus in Bonn und wurde auf dem Südfriedhof beigesetzt. Die Britten beschlagnahmten am 16. Juni 1945 die Villa Spiritus, die 1956 von der Bundesrepublik Deutschland gekauft wurde.