Anlaufstelle am Hauptbahnhof

Die Bonner Bahnhofsmission: Schnelle Hilfe an Gleis 1

Mit blauer Weste und Humor: Die Helfer der Bahnhofsmission mit Leiter Gregor Bünnagel (rechts) an der Spitze nehmen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof auf die Schippe.

Mit blauer Weste und Humor: Die Helfer der Bahnhofsmission mit Leiter Gregor Bünnagel (rechts) an der Spitze nehmen die Bauarbeiten am Hauptbahnhof auf die Schippe.

BONN. Am Hauptbahnhof liegt am Ende von Gleis 1 die Bahnhofsmission, ein kleiner Aufenthaltsraum mit einem Tisch und ein paar Stühlen. Hier wird tagtäglich allen Menschen eine Anlaufstelle geboten.

„Gegen kleines Geld, 30 Cent, bekommt bei uns jeder einen Kaffee und, wer will, ein Gespräch. Geld geben wir aber keines, auch wenn wir beim Fahrkartenkauf helfen“, unterstreicht Renate Shirazi. Während ihres Dienstes kam einmal jemand in die Mission und wollte Geld, der sei dann aber nach einem Kaffee bald zufrieden wieder gegangen, berichtet die gelernte Krankengymnastin, die auch nach ihrem Berufsleben weiter für Menschen dasein will. „

Die Mission ist für viele ein wichtiger Ort. Ich habe hier Menschen, ihre Geschichten und Schicksale kennengelernt, mit denen ich sonst nie Kontakt hätte“, findet Angelika Woelker. Sie ist nach ein paar Probestunden nun schon viele Jahre dabei. „Ich habe mich dabei an meine Tante erinnert, die bei Bahnfahrten immer beim Umsteigen die Hilfe der Bahnhofsmission in Anspruch nahm.“

Die Unterstützung der Bahnhofsmissionen reicht von Ein-, Aus- und Umsteigehilfen für mobilitätseingeschränkte Reisende, dem Fahrkartenkauf bis zur Bestellung von Taxis. In der Bonner Mission steht Reisenden mit Behinderungen eine ebenerdige Toilette zur Verfügung. Außerdem sind die Helfer der Mission Ansprechpartner bei Fragen, Sorgen und Nöten. Viele der Besucher, die täglich kommen, sind aus der näheren Umgebung und von Armut bedroht, haben häufig keine Arbeit und keine Wohnung.

„Für die Ehrenamtlichen sind natürlich die Menschen präsenter, die täglich zum Gespräch vorbeikommen. Aber wir sind vor allem in akuten Notsituationen auf Reisen da. Davon haben wir so 200 bis 300 Fälle jedes Jahr, wo wir bei der Weiterreise oder Orientierung helfen“, erklärt Gregor Bünnagel, der seit fünf Jahren die Mission in Bonn hauptberuflich leitet. „Eigentlich ist es ja gut, wenn keiner kommt“, meint der Diplom-Theologe.

Unter den Notfällen sind dann aber auch Geschichten dabei wie die einer jungen Frau, deren Handy gestohlen wurde und die keine Telefonnummer im Kopf hat – für den Notfall. „Da haben wir dann im Telefonbuch für sie geschaut.“ Auch vergessene Handtaschen oder Notebooks wurden schon aus Zügen abgeholt. Das sei dann aber natürlich ein Glücksfall, wenn vergessene Sachen noch da sind.

Die Mitarbeiter in Bonn sind nur an „Rhein in Flammen“ auch nachts in der Einrichtung. Auf größeren Bahnhöfen sind die Missionen aber oft durchgehend auf. „Wir können dies gar nicht stemmen, 24 Schichten haben wir jede Woche zu besetzen, und das ist auch mit einem Team aus 35 Ehrenamtlichen nicht zu leisten“, sagt Bünnagel. Er schätzt an seiner Tätigkeit die Vielfalt und das Zusammenkommen mit den unterschiedlichsten Menschen und selbstverständlich die Arbeit mit den Ehrenamtlichen.

Die Bonner Bahnhofsmission ist in gemeinsamer Trägerschaft von Diakonischem Werk und Caritasverband. Am 21. April hat sie sich an der bundesweiten Aktion unter dem Motto „Menschen bewegen. Bahnhofsmission“ beteiligt. Bei einer Tasse Kaffee haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter In der Einrichtung sowie auf Gleis 2/3 ihre Arbeit vorgestellt.

Wer sich angesprochen fühlt mitzumachen und mindestens 18 Jahre alt ist, kann gerne während der Öffnungszeiten vorbeischauen. Helfer werden immer gebraucht. Auch mit Spenden kann die Arbeit unterstützt werden.