Personenschifffahrt auf dem Rhein

Die "Beethoven" verlässt Bonns Flotte

Im kommenden Jahr fährt die "MS Beethoven" nicht mehr unter der Flagge der Bonner Personenschifffahrt.

Im kommenden Jahr fährt die "MS Beethoven" nicht mehr unter der Flagge der Bonner Personenschifffahrt.

Bonn. Das Bild am Alten Zoll wird sich wohl auch im kommenden Jahr kaum verändern. Doch hinter den Kulissen bei der Bonner Personenschifffahrt (BPS) rumort es. Erstmals seit vielen Jahren verlässt mit Alexander Dahm zum Jahresende ein Mitglied die 1929 gegründete Genossenschaft.

Damit fährt auch sein Schiff, die „MS Beethoven“, im kommenden Jahr nicht mehr unter BPS-Flagge. Nur noch zu ausgewählten Terminen – etwa bei Rhein in Flammen oder den Kölner Lichtern – werde das Schiff im Charterauftrag der Genossenschaft unterwegs sein, bestätigten beide Seiten dem GA.

Schon länger hatte es innerhalb der Genossenschaft unterschiedliche Ansichten über die Zukunft der Personenschifffahrt auf dem Rhein gegeben. „Der Linienverkehr ist für mich nicht kostendeckend“, erklärt Dahm, der die „Beethoven“ vor fünf Jahren erworben hatte und seither mit seiner Adabo GmbH und acht festen Mitarbeitern vornehmlich als „Clubschiff“ vermarktet.

Künftig will er sich noch stärker dem Charter- und Event-Geschäft widmen. „Im Linienverkehr haben wir nicht ausreichend Zeit, das Schiff zum Beispiel für Firmenfeiern oder Hochzeiten zu schmücken und vorzubereiten.“

Jüngere Zielgruppe im Visier

Mit eigenen Angeboten möchte der Eigentümer, der aus dem Partygeschäft kommt, künftig vor allem eine jüngere Zielgruppe umwerben. „Viele waren noch nie auf einem Schiff, weil sie das für uncool halten“, hat er bei seinen Veranstaltungen oft gehört.

Mit hochwertigem Essen aus der selbst betriebenen Küche, zielgruppengerechter Unterhaltung und wechselnden Angeboten will er neue Gäste finden. Erstmals werde die „Beethoven“ 2017 zu den Mainzer Lichtern fahren und von der eigenen Brücke am Alten Zoll aus auch kürzere Rundfahrten anbieten. Vor allem sei man ganzjährig fahrbereit, aber nur bei entsprechender Auslastung.

Dass der Linienverkehr das Sorgenkind der BPS geworden ist, bestreiten auch die Vorstandsmitglieder Clemens Schmitz („Filia Rheni“) und Angelika Schmitz („Moby Dick“) nicht.

An manchen Tagen kaum belegte Schiffe

Insgesamt rechne man für 2016 mit einer knapp sechsstelligen Gästezahl. Die guten Sommermonate und der warme September hätten den unterkühlten Saisonstart im Mai und Juni mehr als wettgemacht. Dennoch seien die fünf BPS-Schiffe auf der Linie nach Linz an manchen Tagen kaum belegt. Schon 2016 wurde die Zahl der Abfahrten verringert, um die Auslastung zu erhöhen.

„Das ist auch eine Frage des Generationenwechsels, den wir in den meisten Familien gerade hinter uns haben“, erklärt Angelika Schmitz. Strebten die früheren Kapitäne vor allem nach möglichst vielen Abfahrten, stehe heute die Auslastung zusammen mit dem Themen- und Chartergeschäft stärker im Fokus.

Auch im kommenden Jahr werden Schiffe im Zwei-Stunden-Takt von 10 bis 16 Uhr rheinaufwärts aufbrechen, an Wochenenden auch um 13 Uhr. Dass jetzt nur noch vier Schiffe für die Genossenschaft fahren, sehen die verbleibenden Genossen als Chance für eine Neuausrichtung.

Als erfolgreich hat sich nach Schmitz' Angaben der neue Anleger vor dem Kameha-Hotel entwickelt. Auch die Flottenparade zum Saisonabschluss hat sich etabliert. In diesem Jahr wird sie am 23. Oktober bereits mit elf Schiffen gefahren – und einem entsprechend attraktiven Feuerwerk. Im kommenden Jahr soll zudem eine neue Homepage Fahrgästen besseren Überblick bringen.

Anleger am Alten Zoll bereiten Sorgen

Sorgen bereiten dagegen nach wie vor die Anleger am Alten Zoll. Hier fehlt eine Anbindung an Bus und Bahn ebenso wie öffentliche Toiletten. Und abends sei das Rheinufer, besonders die beiden Pavillons, regelmäßig von aufdringlichen jungen Leuten bevölkert. „Die Pavillons müssten abends geschlossen werden“, fordert Clemens Schmitz.

Eine Absage erteilen die BPS-Vorstände allen Ideen für ein Wassertaxi auf dem Rhein. Dieses sei nur mit mehreren kleinen, schnellen Schiffen umsetzbar, die regelmäßig verkehrten. Dafür brauche es jeweils zwei bis drei Kapitäne und Matrosen. „So etwas rechnet sich nur mit hohen Subventionen. Die wollen weder die SWB noch die Hoteliers am Rhein übernehmen“, sagt Clemens Schmitz.