Bonner Traditionsrestaurant

Die „Lese“ ist geschlossen

Das Restaurant „Zur Lese“ im Haus der Evangelischen Kirche hat Ende September seinen Betrieb eingestellt und ist geschlossen.

Das Restaurant „Zur Lese“ im Haus der Evangelischen Kirche hat Ende September seinen Betrieb eingestellt und ist geschlossen.

Bonn. Der Restaurantpächter der "Lese" musste Insolvenz anmelden. Die Eigentümerin, die Lese- und Erholungsgesellschaft, berät im November über Zukunft des Traditionslokals.

Wieder hat ein Traditionshaus in Bonn seine Türen geschlossen: Das Restaurant „Zur Lese“ an der Adenauerallee hat Ende September den Betrieb eingestellt. Eigentümerin des Restaurants ist die Lese- und Erholungsgesellschaft.

Sie wurde 1787 gegründet und gehört zu den ältesten Bürgergesellschaften der Stadt Bonn. Vor mehr als 40 Jahren errichtete die Gesellschaft gemeinsam mit dem damaligen evangelischen Gemeindeverband das „Haus der Kirche“, in dem neben verschiedenen Einrichtungen der evangelischen Kirche seither auch das Restaurant beheimatet ist.

Der Lese- und Erholungsgesellschaft gehören in dem markanten Terrassenhaus am Rheinufer ihrem Vorsitzenden Erhard Jauck zufolge 13 Prozent des Gebäudes – eben die Restaurantetage samt Clubzimmer der Gesellschaft. „Das nutzen wir zurzeit auch weiterhin für unsere Mitgliedertreffen“, sagte Jauck am Dienstag dem GA auf Nachfrage. Er bedauere sehr, dass der Pächter jetzt Insolvenz anmelden und deshalb schließen musste.

Viel Konkurrenz im Umfeld der "Lese"

Erst vor drei Jahren hatte der Gastronom das Restaurant gepachtet, nachdem sein Vorgänger nach 20 Jahren in den Ruhestand gegangen war. „Anfangs lief das Lokal auch noch sehr gut“, erinnert sich Jauck.

Doch dann wuchsen die Schwierigkeiten: „Früher gab es hier im Umfeld lediglich zwei Lokale“, sagte Jauck, „jetzt sind es sehr viele mehr.“ Das aus seiner Sicht bestehende Überangebot an gastronomischen Betrieben in der nahen Nachbarschaft sei sicherlich auch ein Grund dafür, dass der Betrieb in die Schieflage geraten sei. Zudem habe sich im Laufe der Zeit der Geschmack der Restaurantbesucher geändert, so Jauck.

Die Lese- und Erholungsgesellschaft habe gemeinsam mit dem Pächter lange dafür gekämpft, das Lokal zu erhalten. „Leider waren alle Bemühungen vergeblich, es ging rapide abwärts“, sagte er.

Ort der intellektuellen Diskussion

Und wie geht es jetzt mit der Lokalität weiter? „Wir werden auf unserer nächsten Mitgliederhauptversammlung im November über die Konsequenzen der Schließung nachdenken“, kündigte Jauck an. Eine Option könne sein, die Etage zu verkaufen. Eine andere sei, erneut nach einem Pächter zu suchen. „Wie gesagt, wir werden in alle Richtungen überlegen müssen“, sagte Jauck.

Die Lese- und Erholungsgesellschaft zählt aktuell 120 Mitglieder. Die einstigen Gründungsmitglieder hatten es sich zum Ziel gesetzt, aktuelle Lektüren und wichtige Zeitschriften einem interessierten Kreis aufgeschlossener Menschen zugänglich zu machen.

Die „Lese“ wurde zu einem Ort, an dem gelesen wurde und politische, geistige, literarische und sonstige kulturelle Strömungen der Zeit diskutiert wurden. Diesen Grundgedanken will die Gesellschaft weiterhin bewahren und pflegen.