Generaldirektor Heckl appelliert an Politik

Deutsches Museum in Bonn steht vor dem Aus

Auch dieser Messwagen gehört im Deutschen Museum zu den Ausstellungsstücken. FOTO: SCHMELZEISEN

Auch dieser Messwagen gehört im Deutschen Museum zu den Ausstellungsstücken.

BONN. "Diese Entscheidung des Stadtrates bedeutet wohl das Aus für die Dependance des Deutschen Museums", sagte gestern Professor Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen Museums in München.

Der Rat hat am Donnerstagabend beschlossen, den Zuschuss zu kürzen und den Mietvertrag im Wissenschaftszentrum an der Ahrstraße zu kündigen. Damit lehnte er den Vorschlag aus dem Bürgerbeteiligungsverfahren "Bonn packt's an" ab, in dem der Erhalt des Museums gefordert wurde. Die Kürzungen werden ab 2017 wirksam, bezogen auf die Personal- und Betriebskosten ab 2019. Insgesamt rechnet die Stadt Bonn mit einer Ersparnis von 715.000 Euro.

Was mit den drei fest angestellten Museumsmitarbeitern geschieht, deren Gehälter - vertraglich so zwischen Bonn und Deutschem Museum München geregelt - von der Stadt bezahlt werden, gibt es wohl noch kein Ergebnis. "Über den Einsatz der fest angestellten Mitarbeiter über das Jahr 2017 hinaus werden die Vertragspartner noch reden müssen", hieß es gestern auf Anfrage von der Stadt Bonn. Aus Sicht des Deutschen Museums muss die Stadt weiterhin für die drei festen Personalstellen aufkommen.

"Das Herzstück des Bonner Wissenschaftsstandortes, dessen Mission die Vermittlung zeitgenössischer und zukunftsgewandter Forschung und Technik für alle ist, vor allem für Kinder und Jugendliche, wird trotz seiner großartigen Erfolge eingestampft", sagt Museumsleiterin Andrea Niehaus bedauernd. Heckl appelliert trotz des Ratsbeschlusses weiterhin an die Verantwortlichen: "Wir stehen zu unserem Standort Bonn und suchen weiterhin den Dialog mit der Stadt. Lassen Sie uns gemeinsam überlegen, wie wir das Museum über das Jahr 2017 hinaus erhalten können."

Der Zuschuss der Stadt macht rund 70 Prozent des Gesamtetats aus. 30 Prozent holt das Museum jedes Jahr selbst über Drittmittel rein. "Wenn keine anderen Geldgeber für die Grundfinanzierung gefunden werden, räumt das Museum ab 2017 seine Exponate aus den Untergeschossen des Wissenschaftszentrums aus und nimmt alles mit nach München", so Niehaus. "Auch die Objekte aus der Wissenschaftsregion Bonn, zum Beispiel der beiden Nobelpreisträger Wolfgang Paul und Reinhard Selten, würden Bonn verlassen."

Nach GA-Informationen hat es innerhalb der Jamaika-Koalition engagierte Diskussionen über den Beschluss gegeben. Letztlich konnten sich die Befürworter, für die das Deutsche Museum ein wichtiger Baustein des Wissenschaftsstandorts Bonn ist, nicht durchsetzen. "Besonders bedaure ich, dass unsere mehrfach ausgezeichnete Bildungsarbeit für Bonn und die Region wegfallen wird, gerade auch für Kinder und Jugendliche aus einem sozial schwächeren Umfeld und mit Förderbedarf", so Niehaus.