Schlechte Besucherzahlen

Deutsches Museum in Bonn kämpft ums Überleben

Bonn. Wegen zu geringer Besucherzahlen droht erneut die Schließung des Deutschen Museums Bonn. Das Münchner Mutterhaus besteht darauf, dass der Bonner Ableger nicht ins Minus rutschen darf.

Das Deutsche Museum Bonn steht womöglich kurzfristig vor der Schließung. Dies bestätigte Museumsleiterin Andrea Niehaus gegenüber dem General-Anzeiger. „Ich kämpfe hier jeden Tag ums Überleben“, sagte Niehaus wörtlich. Grund seien die schlechten Besucherzahlen in den vergangenen Sommerwochen.

Eigentlich ist die Finanzierung des Technik-Museums im Wissenschaftszentrum bis Ende 2020 geregelt. Die Hälfte der Betriebskosten von 1,2 Millionen Euro tragen Sponsoren und die öffentliche Hand. Darunter sind die Stadt Bonn mit einem jährlichen Zuschuss von 400.000 Euro, der Rhein-Sieg-Kreis mit 75.000, der Kreis Ahrweiler mit 10.000 Euro und die Hans-Riegel-Stiftung mit 100.000 Euro. Die andere Hälfte soll das Museum selbst erwirtschaften.

In guten Jahren wäre das kein Problem. 2016 etwa zählten Niehaus und ihre Mitarbeiter 120.000 zahlende Gäste. Von Januar bis Mai 2019 waren es laut Niehaus aber nur knapp 40.000 – und damit mindestens 10.000 zu wenig. Im heißen trockenen Juni dürfte es kaum besser geworden sein. Selbst die Playmobil-Ausstellung brachte offenbar bislang keine Trendwende.

Deutsches Museum darf nicht ins Minus geraten

Für die Museumsleiterin eine schwierige Lage, denn das Münchner Mutterhaus besteht darauf, dass der Bonner Ableger nicht ins Minus geraten darf. Spätestens zum Jahresende wäre in einem solchen Fall Schluss. Niehaus will nicht ausschließen, dass sie das Museum kurzfristig schließen muss. „Derzeit läuft eine Halbjahresprüfung in München. Ich weiß noch nicht, was dabei herauskommt“, sagte sie. Sie habe Personal gekündigt und an allen Kostenschrauben gedreht.

Dabei gibt es einen Hoffnungsschimmer am Horizont für eine solidere Finanzierung. Im Forderungskatalog für die Gespräche der Region mit dem Bund über eine Fortschreibung des Berlin/Bonn-Gesetzes wird eine Beteiligung des Bundes an den Museumskosten als mögliche Kompensation angeregt. Das Deutsche Museum werde sich in diesem Fall gerne wissenschaftlich mit einer Neukonzeption der digitalen Transformation auseinandersetzen, heißt es.

Niehaus bestätigte den Ansatz. „Wir möchten diesen wichtigen Prozess gern begleiten – nicht als technischer Showroom, sondern differenziert und diskursiv.“ Einige Exponate gebe es schon. Etwa den Roboter Rhino der Uni Bonn, der für die Entwicklung des autonomen Fahrens entwickelt wurde. Was eine Neuausrichtung mit einer veränderten Dauerausstellung kosten würde, ist unklar. Eine Millionensumme wäre es gewiss.

Niehaus will keine Standortdebatte

Eine Standortdebatte möchte Niehaus hingegen ungern führen. Im Wissenschaftszentrum fühle man sich gut aufgehoben und der Standort sei den Bonnern mittlerweile gut bekannt. Zuletzt war hinter den Kulissen ein Umzug des Museums ins Viktoriabad diskutiert worden. „Uns sind schon alle Bonner Bäder vorgeschlagen worden“, sagte Niehaus, „wohl, weil wir hier schon in einem Bäderbau sitzen.“ Das Wissenschaftszentrum war in den 1970er Jahren ursprünglich als modernes Fitnesscenter mit Hallenbad geplant, aber nie betrieben worden.

Für die Stadt Bonn könnte sich die Entwicklung als Bumerang erweisen. Schon 2015 hatte der Stadtrat erhebliche Kürzungen bei der Finanzierung beschlossen. Aus 830.000 Euro im Jahr wurden 400.000, das Deutsche Museum stand vor dem Aus. Nur der Einsatz der HansRiegel-Stiftung sicherte schließlich den Erhalt. Doch wenn es jetzt doch nicht reichen sollte mit den Einnahmen, die bis 2017 nur ein Drittel der Kosten decken mussten, steht Bonn ohne sein Technik-Museum da und hat trotzdem weiter laufende Kosten. Weiterhin gilt nämlich die Vereinbarung mit der Stiftung Deutsches Museum in München, dass die Stadt die Kosten für drei Mitarbeiter finanziert – mit Museumsbetrieb oder ohne.

Vielleicht nutzen aber doch noch mehr Bonner und Besucher die anstehenden Sommerferien für einen Museumsbesuch. Gerade bei unerträglicher Hitze eine gute Idee, findet Niehaus: „Bei uns im Keller des Wissenschaftszentrums ist es angenehm klimatisiert."