Vertragskündigung der Stadt Bonn

Deutsches Museum arbeitet gegen die Zeit

Mitarbeiter des Deutsches Museums Bonn demonstrierten 2015 im Stadthaus für den Erhalt.

Mitarbeiter des Deutsches Museums Bonn demonstrierten 2015 im Stadthaus für den Erhalt.

BONN. Der Druck steigt, aber Andrea Niehaus, Leiterin des Deutschen Museums, gibt die Hoffnung nicht auf. Wie berichtet, hat die Stadt Bonn den Betreibervertrag mit dem Museum zum 31. Januar 2018 gekündigt. Hinter dem Erhalt der Wissenschaftseinrichtung an der Ahrstraße über dieses Datum hinaus steht ein großes Fragezeichen.

Der Stadtrat war im vergangenen Jahr einer Empfehlung der Verwaltung gefolgt, die Zuschüsse für das Museum von jährlich 830.000 Euro zu streichen, um den Haushalt zu entlasten. „Wir wussten ja, dass die Kündigung irgendwann folgen würde, aber der Vollzug ist natürlich noch einmal etwas anderes“, sagte Niehaus gestern auf GA-Anfrage.

Dieser Schritt erfolge zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Schließlich habe der Förderverein, der auf Initiative regionaler Unternehmen ins Leben gerufen wurde, erst im Dezember die Gemeinnützigkeit anerkannt bekommen und könne gerade erst mit der richtigen Arbeit loslegen, also mit Gesprächen potenzieller Geldgeber und Sponsoren.

Nun läuft also die Zeit ab. Die Museumsleiterin geht davon aus, dass bis zum Sommer dieses Jahres ein handfestes Konzept erarbeitet werden muss, wie man die Bonner Dependance des in München sitzenden Deutschen Museums erhalten kann. Ansonsten müsste der Rückbau organisiert und ab kommendem Jahr in Angriff genommen werden.

In der Bringschuld für ein solches Konzept sieht sie die Stadt, deren Vertreter einst stolz verkündet hätten, einen Ausleger des berühmten Münchner Hauses nach Bonn geholt zu haben. Zurzeit könne sie allerdings „keine richtige Strategie feststellen“. Immerhin habe sie den Eindruck, dass Oberbürgermeister Ashok Sridharan der Erhalt am Herzen liege. Das habe er bei einem Treffen mit Museumsvertretern Ende Januar noch einmal betont. Das und positive Signale aus der Bürgerschaft geben ihr Hoffnung. Klar sei, so Niehaus: Der Förderverein mit derzeit 64 Mitgliedern könne zwar Geld für Projekte an Land ziehen, aber niemals einen Zuschuss in genannter Höhe aufbringen.

Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe teilte mit: „Die Verwaltung sieht sich gemeinsam mit dem Deutschen Museum München und Bonn sowie dem Förderverein in der Rolle des Entwicklers eines neuen Konzeptes.“ Sie strebe die gemeinsame Entwicklung von Möglichkeiten zur Weiterführung der Museumsarbeit an. Die Stadt wolle „die beeindruckende Arbeit des Fördervereins mit den vielen dort aktiven Unternehmen und Einrichtungen intensiv unterstützen“. Es soll einen runden Tisch geben, um „gemeinsam mit weiteren Partnern eine veränderte institutionelle Förderung zu erarbeiten und vertraglich dann neu zu regeln“.

Am Aschermittwoch, 10. Februar, stellt der Förderverein Deutsches Museum sein Zukunftskonzept für den Erhalt des Hauses im Wissenschaftsausschuss vor, der ab 18 Uhr im Bonner Stadthaus tagt.