Denis Cuspert alias Deso Dogg

Deutscher Dschihadist dementiert Nachricht über seinen Tod

Salafisten beteten am 5. Mai 2012 in Lannesdorf auf der Straße, unter ihnen der frühere Rapper Deso Dogg alias Abu Maleeq aus Berlin (2.v.l.). Im Verlauf des Tages kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen.

DAMASKUS. Im Verwirrspiel um den Tod des wohl bekanntesten deutschen Dschihadisten in Syrien hat sich Denis Cuspert jetzt selbst zu Wort gemeldet. Über Twitter dementiert er die Nachricht, er sei im Kampf gefallen.

Am Dienstag hieß es in Internetforen, der 38 Jahre alte ehemalige Berliner Rapper Deso Dogg alias Denis Cuspert sei ums Leben gekommen - getötet von Dschihadisten der Al-Nusra-Front. Am späten Abend dann tauchte eine Nachricht, mutmaßlich von Cuspert selbst via Twitter verbreitet, auf, in der er davon sprach, nicht er, sondern ein "Bruder" sei als Märtyrer gestorben.

In der Tat kursierten Gerüchte, ein Dschihadist namens Abu Talha al-Almani sei bei einem Angriff der Al-Nusra-Front auf eine Gruppe von Kämpfern der Gruppe "Islamischer Staat im Irak und Großsyrien" (Isis) getötet worden. Cuspert selbst trägt diesen Namen, wohl aber auch ein anderer Dschihadist, der aus Marokko stammen soll.

Die Al-Nusra-Front liefert sich nicht nur Gefechte mit den Truppen des Diktators Baschar al-Assad und den Rebellen der Freien Syrischen Armee, sondern auch mit Kämpfern der islamistischen Gruppe "Islamischer Staat im Irak und Großsyrien" (Isis), der sich auch Denis Cuspert angeschlossen hatte. Das belegt ein im Internet hochgeladenes Video.

Sowohl Isis als auch Al-Nusra sind Ableger von Al-Kaida. Beide kämpfen um die Vorherrschaft im Norden Syriens, weil sie dort einen Gottesstaat errichten wollen. Isis gilt als die gewalttätigste Gruppierung in Syrien, die Angst und Schrecken verbreitet.

Sie hat in den von ihr besetzten Gebieten die Scharia eingeführt. Bilder  im Internet belegen, dass sie dabei auch vor Auspeitschen und Handabhacken nicht zurückschrecken. Selbst Al-Kaida-Chef Aiman al-Sawahiri ist auf Distanz zu Isis gegangen. Die Al-Nusra-Front, die al-Sawahiri den Eid geschworen hat, verzichtet nach eigenen Angaben auf die Vollstreckung drakonischer Strafen nach der Scharia, solange es noch keinen eigenen Gottesstaat in Syrien gebe.

Die meisten der mehr als 300 ausgewanderten deutschen Dschihadisten haben versucht, sich Isis anzuschließen, auch deshalb, weil deren Propaganda in deutschsprachigen Internetforen auf Hochtouren läuft. Cuspert hatte sich verhältnismäßig schnell radikalisiert. Schon vor seiner Zeit als Kopf der 2012 verbotenen Gruppe Millatu Ibrahim hatte er enge Kontakte zur Köln-Bonner Salafisten-Gruppe "Die wahre Religion". Bei einem ihrer Seminare rief Cuspert 2011 zum Dschihad auf.

Cuspert war am 5. Mai 2012 einer der Hauptprotagonisten der Salafisten-Krawalle in Lannesdorf, bei dem Polizisten zum Teil schwer verletzt worden waren. Einige Zeit später hatte sich Cuspert über Ägypten in den Nahen Osten abgesetzt. Nicht zum ersten Mal kursieren Gerüchte, Cuspert sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Im September vorigen Jahres war er bei einem Luftangriff schwer verletzt worden.