Kategorie hervorragende Buchhandlungen

Deutscher Buchhandlungspreis für zwei Bonner Läden

Wenn keine Kundschaft in der Buchhandlung am Paulusplatz ist, sortieren Amin, Hasan, Sarah und Maram (v.l.) die Auslage, auf der sie ihre Lieblingsbücher präsentieren.

Wenn keine Kundschaft in der Buchhandlung am Paulusplatz ist, sortieren Amin, Hasan, Sarah und Maram (v.l.) die Auslage, auf der sie ihre Lieblingsbücher präsentieren.

Tannenbusch. "Unsere Buchhandlung am Paulusplatz" und der "buchLaden 46" in der Kaiserstraße sind für NRW mit dem Deutschen Buchhandlungspreis 2018 ausgezeichnet worden.

Die beiden Bonner Buchhandlungen sind Preisträger in der Kategorie hervorragende Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen und wurden am Mittwochabend in Kassel für ihre herausragende Arbeit geehrt. Den Laden von Philipp Seehausen am Paulusplatz in Alt-Tannenbusch führten während seiner Abwesenheit Schulkinder und Kunden.

Eine Buchhandlung führen, das ist kinderleicht. Schon 2016 hatte das in „Unsere Buchhandlung am Paulusplatz“ in Alt-Tannenbusch gut funktioniert, als Inhaber Philipp Seehausen sie nicht schloss, um den Deutschen Buchhandlungspreis als „Hervorragende Buchhandlung“ entgegenzunehmen, sondern den Betrieb unter dem Motto „freundliche Übernahme“ Kindern und Kunden überließ. Am Mittwoch war es wieder soweit. Weil am Abend in Kassel die Preise verliehen wurden, wuppten Mädchen und Jungen aus der Elsa-Brändström-Grundschule vormittags und Kunden nachmittags den Laden.

Den Schlüssel zur Buchhandlung überreichte Seehausen am Vormittag an die Kinder aus der Klasse 4 a, die per Losverfahren ausgewählt worden waren. Er selbst wies Sarah, Amin (beide zehn Jahre), Maram und Hasan (beide neun Jahre) noch in den grundlegenden Betrieb ein: Jeden eintretenden Kunden freundlich begrüßen, weiterhelfen, wenn es Fragen gibt, und anschließend kassieren. Auf Wunsch wurden auch Quittungen ausgestellt.

Die Einnahmen schrieben sie auf einen Zettel – so hatten sie auch einen guten Überblick über die Zahl der Kunden. In der ersten Stunde kamen gleich sieben, bevor die vier von Mitschülern aus der 4 b abgelöst wurden. Nach einer weiteren Stunde kamen noch einmal vier Kinder aus der 4 c. Mittags übernahmen dann Teilnehmer des Tannenbuscher Literaturgesprächskreises.

Kinder beraten Kunden

in einer Auslage an der Kasse konnte man die Lieblingsbücher der Schulkinder einsehen und sich auf Wunsch auch beraten lassen. Maram hatte sich für „Die Olchis und die Teufelshöhle“ von Erhard Dietl entschieden. „Das hat mir gut gefallen, weil da viel passiert und es viel Action gibt, und weil ich neue Wörter gelernt habe.“ Hasan empfahl ein Buch aus der Reihe „Gregs Tagebuch“ von Jeff Kinney. „Das ist spannend und witzig.“ Und ihm gefalle, dass es auch etwas von einem Comic habe. Nicht alle Kunden wussten von der „freundlichen Übernahme“. „Das ist nett, eine gute Idee“, fand Marlies Grimmke, die dort eine Zeitung gekauft hatte. „Ich komme gerne in die Buchhandlung.“ Susanne Belarradi war überrascht, Grundschüler hinter dem Kassentisch zu sehen, fand das aber gut. „Da ich einen Sohn im gleichen Alter habe, ist es sogar besser, wenn ich mir ein Buch von Kindern empfehlen lasse.“

Für die Kinder war das eine spannende Erfahrung, und vorher waren sie auch entsprechend aufgeregt. Aber gut geschlafen habe sie trotzdem, sagte Sarah. Mit ihrer Grundschule arbeitet Seehausen schon länger eng in Sachen Leseförderung zusammen. So erhalten alle Erstklässler eine Lesetüte und die Schulen Lesekisten mit Kinderliteratur. „Das motiviert die Kinder, dass das schwierige Lesenlernen sich lohnt“, sagt Klassenlehrerin Susanne Draeger.