Halle im Hauptbahnhof nachts zu

Deutsche Bahn sperrt Fahrgäste in Bonn aus

Das Bahnhofsfoyer ist ab 22.30 Uhr geschlossen.

Das Bahnhofsfoyer ist ab 22.30 Uhr geschlossen.

Bonn. Ab 22.30 Uhr ist die Halle am Bonner Hauptbahnhof abgeschlossen. Die Deutsche Bahn rät ihren wartenden Passagieren, Schutz in der Unterführung zu suchen.

Hauptbahnhof Bonn am Samstagabend: Während auf dem Weihnachtsmarkt erst die letzten Buden schließen, hat die Deutsche Bahn (DB) das längst getan. Um 22.30 Uhr wird die Bahnhofshalle freundlich, aber bestimmt geräumt und abgeschlossen. Wer dann noch auf einen Zug wartet, muss im Freien stehen. Offiziell kommuniziert wurde das nicht.

Dabei herrscht auf dem Hauptbahnhof zu dieser Zeit durchaus noch reger Zugverkehr. Mindestens 21 Züge, darunter etliche Fernverbindungen, halten laut Fahrplan werktags zwischen 22.30 und 5 Uhr früh in Bonn. Mindestens 25 sind es am Wochenende. Hunderte Partygäste, Theaterbesucher, Fußballfans oder Weihnachtsmarktbummler pendeln gerade freitags und samstags zwischen Bonn und Köln.

In der Pressestelle der DB wundert man sich dennoch über die Anfrage nach den Öffnungszeiten: „Wir haben diese Regelung schon vor einem Jahr eingeführt“, sagt eine Unternehmenssprecherin aus Düsseldorf, die nicht namentlich genannt werden soll. Im Zuge der andauernden Bauarbeiten an Gleis 1 würden die meisten Reisenden ja ohnehin auf dem Bahnsteig für Gleis 2 und 3 auf ihre Züge warten. Da sei die Kundenfrequenz in der Wartehalle gering – und die Geschäfte bis auf die Filiale eines Schnellrestaurants ebenfalls geschlossen. Die macht um 23 Uhr zu, ist aber von Gleis 1 erreichbar.

Andere Verkehrsträger wie Fernbusbetreiber böten ihren Kunden schließlich auch keine Warteräume, erklärt die DB-Sprecherin. Und wem kalt sei, der könne sich schließlich in die Unterführung unter den Gleisen stellen.

In den Abend- und Nachtstunden ist der Hauptbahnhof, der nach Bahn-Schätzung im Schnitt von mehr als 50.000 Reisenden am Tag aufgesucht wird, ein ungastlicher Ort. Das Reisezentrum bietet Heizung und Sitzgelegenheiten werktags nur von 6 bis 21 Uhr, am Wochenende von 7 bis 20 Uhr. Die Information in der Halle ist von 6 bis 22.30 Uhr geöffnet. Auch das kostenpflichtige Bahnhofs-WC wird in den Abendstunden abgesperrt. Außerhalb dieser Zeiten gibt es für Reisende keinen Ansprechpartner.

Das ist aktuell umso unerfreulicher, als die Bundespolizei derzeit auch nur sporadisch mit mobilen Streifen aus Siegburg in Bonn präsent ist. Wann ihr neues Domizil bezugsfertig ist, steht noch nicht fest. Der Bonner Hans-Werner Ignatowitz ist Vorsitzender im Regionalverband Rheinland des Fahrgastverbandes Pro Bahn. „Dieser Zustand ist für eine Stadt wie Bonn nicht angemessen“, sagt er im Gespräch mit dem GA. Um 22.30 Uhr sei die Stadt noch voller Menschen. Außerdem müssten Reisende bisweilen durchaus länger auf verspätete Züge warten. „Da kann man schon erwarten, dass man sich zu üblichen Zeiten irgendwo wettersicher aufhalten darf.“

Das sieht auch Stadtbaurat Helmut Wiesner so, der sich diesbezüglich mit der DB in Verbindung setzen will: „Die Stadt kann eine solche Schließung weder nachvollziehen noch in irgendeiner Weise akzeptieren. Vor allem nicht, wenn eine nächtliche Schließung eines Hauptbahnhofes nicht aus baustellenbedingten betriebstechnischen Gründen erfolgt, sondern offenbar ein reines Kostensparmodell der DB zu sein scheint.“

Bahn-Vorstandschef Richard Lutz hat erst kürzlich eine Serviceoffensive angekündigt. Dass die Bahn in Bonn ihre restriktiven Öffnungszeiten nach Abschluss der Bauarbeiten an Gleis 1 voraussichtlich im Sommer 2019 wieder ausweitet, ist offenbar nicht zu erwarten. Derzeit gebe es dazu jedenfalls keine Überlegungen, heißt es aus Düsseldorf.