Am Hauptbahnhof

Deutsche Bahn soll altes Gleis in Bonn reaktivieren

Da Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof gesperrt ist, ballen sich die Fahrgäste auf Gleis 2 und 3. Das wird mindestens bis Anfang nächsten Jahres so bleiben.

Da Gleis 1 im Bonner Hauptbahnhof gesperrt ist, ballen sich die Fahrgäste auf Gleis 2 und 3. Das wird mindestens bis Anfang nächsten Jahres so bleiben.

BONN. Die Deutsche Bahn soll die Reaktivierung des Stumpfgleises 409 prüfen, um eine Entlastung des Bonner Hauptbahnhofes zu erreichen. Bahnsteig 1 soll ab Anfang 2019 wieder in Betrieb gehen.

Die Initiative hatte der Landtagsabgeordnete für den Rhein-Sieg-Kreis, Oliver Krauß (CDU), ins Rollen gebracht. Krauß sieht darin die „einzige Reserve“, um die fünf bestehenden Bahnsteige zu entlasten, von denen Gleis 1 wegen einer umfassenden Sanierung derzeit nicht zur Verfügung steht. „Deren Gesamtkapazität reicht jetzt schon nicht mehr aus, den regelmäßigen Bahnverkehr aufzunehmen. Zukunftsszenarien – wie die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie für eine linksrheinische S-Bahn zwischen Köln und Bonn – belegen zusätzlichen Bedarf“, erklärte Krauß. Das Stumpfgleis führte vor Jahrzehnten stadtseitig neben Gleis 1 entlang und endete aus heutiger Sicht vor dem Schnellimbiss Mc Donald's südlich des Bahnhofsgebäudes. Der Ausstieg würde über Bahnsteig 1 erfolgen.

Der Bonner Planungspolitiker Rolf Beu (Grüne) begrüßt den Vorstoß. Die Idee dahinter: Die Ahrtalbahn RB 30, die ab Hauptbahnhof wieder zurückfährt, könnte über das Stumpfgleis abgewickelt werden. Dadurch entstünden mehr Kapazitäten auf den Gleisen 2 und 4, die die Ahrtalbahn bisher nutzt. Beu fordert mit Blick auf diese Idee, das ein Neubau für die Bundespolizei oder ein etwaiges Haus der Sicherheit in keinem Fall auf diesem Geländeteil gebaut wird.

Fachleute aus ganz Deutschland bei der Restaurierung

Zum Stand der laufenden Modernisierung des Hauptbahnhofs teilte die DB auf Anfrage mit, dass Gleis 1 voraussichtlich im ersten Quartal des kommenden Jahres wieder für den Zugverkehr freigegeben werde. „Die Arbeiten befinden sich in vollem Gange“, sagte ein Bahnsprecher aus Düsseldorf. Einige Leser, die wenig Bewegung auf der Großbaustelle wahrnahmen, hatten an den GA geschrieben. Dazu teilte die DB mit: „Zurzeit wird das denkmalgeschützte Hallendach aufwendig saniert. Diese Grundinstandsetzung beinhaltet die Demontage der Dachhaut sowie der Trägerelemente und Stützen in insgesamt sieben Abschnitten.“

Dieses Vorgehen sei der Grund dafür, dass nicht immer Bauarbeiter vor Ort seien. Das Dach werde Abschnitt für Abschnitt abgetragen und zu einer Fachfirma ins Ruhrgebiet gefahren. „Die meiste Arbeit fällt derzeit dort an und nicht am Hauptbahnhof“, erklärte der Bahnsprecher. Nach der Restaurierung durch Fachleute aus ganz Deutschland folge der Wiedereinbau und die denkmalgeschützte Sanierung des nächsten Dachabschnitts. Insgesamt müssen auf diese Weise 5500 Quadratmeter Dach neu eingedeckt und 44 Dachstützen aufbereitet werden.

DB, Bund und NVR investieren am Bahnhof insgesamt rund 13 Millionen Euro. Nach den Plänen der DB bekommt das Dach mehr Glaselemente und wird so mehr Tageslicht in die Halle lassen. Eine neue Beleuchtung und Lautsprecher werden ebenfalls installiert. Die rund 67 000 Fahrgäste täglich steigen seit Beginn der Bauarbeiten im November 2016 hauptsächlich an den Gleisen 2 und 3 um. Zu den Hauptverkehrszeiten stehen die Pendler dicht gedrängt, was einige von ihnen bei der Einfahrt von Zügen als gefährlich bezeichneten. Gleis 1 ist während der Sanierung passierbar, aber nicht für Bahnen anfahrbar.