Der seltsame Umgang der Stadt Bonn mit der Wahrheit

Wie Gebäudemanager Naujoks den Ratsausschuss falsch informierte und zu Unrecht Presseschelte übte - Abriss eines Teils der Donatusschule war bereits beantragt

Bonn. In Sachen Donatusschule zeigt sich ein seltsamer Umgang des Städtischen Gebäudemanagements (SGB) und der Stadt mit der Wahrheit. Im Zentrum des Schmierentheaters steht Friedhelm Naujoks, Chef des SGB, der in der jüngsten Sitzung des SGB-Ausschusses Presseschelte übte. Zu Unrecht.

Akt 1:Mitte Juli berichtet der GA, dass ein Gebäudetrakt der Donatusschule abgerissen werden soll, weil dieser zu nahe an einem Nachbargrundstück liegt. Naujoks damals: "Das mag den Anwohnern nicht gefallen, aber ich bin an Recht und Gesetz gebunden und muss sehen, dass ich die Belange der Schule und der Nachbarn zusammenbringe." Folglich, so der SGB-Chef, müsse abgerissen werden. In einem Kommentar fordert der GA dazu auf, auf den kostspieligen Abriss in sechsstelliger Höhe zu verzichten. Ein Dementi bleibt aus.

Akt 2: Am 14. August berichtet der GA, Naujoks habe es sich anders überlegt, der Gebäudetrakt müsse nicht abgerissen werden. Per Kommentar begrüßt der GA den Sinneswandel - und erntet massive Kritik auch seitens des Presseamtes. Naujoks, so heißt es, habe damals, Mitte Juli, keineswegs den Abriss angekündigt, sondern nur die ganze Palette der Möglichkeiten aufgezählt. Die Option Abriss sei "von unüberhörbar triefender Ironie geprägt" gewesen, zumal es um ganze fünf Zentimeter - "eine Streichholzlänge" - gehe.

Akt 3: Am 31. August legt das SGB dem Ausschuss eine Stellungnahme auf eine Anfrage der Grünen vor. Darin heißt es: "Es besteht keine Absicht seitens der Verwaltung, das von der Nachbarschaftsbeschwerde betroffene Bauteil 3 abzureißen und ein neues Gebäudeteil zu errichten." Auf die Frage des GA, ob denn früher die Absicht bestand, verlautet: "Ja, ein Teilabriss wurde bei der Planung aller Optionen theoretisch in Erwägung gezogen."

Die Fakten sehen in Wirklichkeit anders aus:

  • Bereits im April war ein Anwohner angeschrieben worden: "Es ist beabsichtigt, diesen Teil zurückzubauen und seitlich neu zu errichten. Mit dem Bauordnungsamt ist abgesprochen, dass Sie nach Eingang eines entsprechenden Bauantrages von dort benachrichtigt werden. Naujoks"
  • Mit Datum vom 22. Mai 2006 reicht das Architekturbüro Koenigs + Schumacher, Bauherr ist das Städtische Gebäudemanagement, einen Bauantrag ein. Darin wird der besagte Trakt der Donatusschule rot und mit Sternchen markiert. Die Sternchen, weist die Legende aus, stehen für Abriss.
  • Mit Schreiben vom 19. Juni 2006 teilt das Bauordnungsamt einem Anwohner mit: "Mit der Baumaßnahme ist daher unter anderem beabsichtigt, einen legalen rechtlichen Zustand herzustellen und in bestimmtem Umfange Teile des Bauteils 3 niederzulegen. In den beigefügten Kopien habe ich dies in rot dargestellt."

Naujoks will von all dem nichts wissen und übt im Ausschuss Presseschelte. Auf die Frage des GA, wo er sich im Juli falsch wiedergegeben fühlt, zitiert das Presseamt den Manager am Montag: "Ich habe von den Möglichkeiten zur Lösung der Bestandsproblematik hinsichtlich der Anwohnerbeschwerde gesprochen und hierbei die Spanne Nichtstun bis Abriss erläutert. Zitiert wurde allerdings nur die angedachte Lösung des Teilabrisses."

Die zu geringe Abstandsfläche, anfänglich auf eine "Streichholzlänge" von fünf Zentimetern taxiert, räumte das Presseamt jetzt ein, ist mittlerweile auf 1,50 Meter gewachsen.