Abriss an der Berliner Freiheit

Der Stahlbetonklotz ist fast weg

Bonn. Der Rückbau des alten Bürokomplexes an der Ecke Berliner Freiheit/Sandkaule geht fix voran. In den kommenden zwei Wochen soll das Haus dann komplett abgetragen sein.

Uwe Hornemann setzt seinen gut 50 Tonnen schweren Bagger in Bewegung, und schon bebt der Boden. Langsam graben sich die Metallketten in den Untergrund aus Bauschutt, und das stählerne Monstrum kriecht immer näher auf den schon reichlich zerstörten 70er-Jahre-Bau an der Berliner Freiheit zu. Zielsicher steuert Maschinenführer Hornemann eine der Wände des Stahlbeton-Skeletts im vierten Stock an und reißt sie mit dem langen Baggerarm nieder. Unter ohrenbetäubendem Lärm brechen große Stücke aus dem einstigen Bürogebäude und fallen in einer Staubwolke auf den Boden. „Das macht Spaß“, freut sich Hornemann. „Abriss – das ist nicht nur ein Job, sondern eine Berufung!“

„Jetzt reißen wir die vier übrig gebliebenen Geschosse ab“, sagt Abbruchleiter Thilo Weigele von der Firma Wahl. Seine Kollegen arbeiten sich dabei von der Gebäudeseite an der Berliner Freiheit bis zur Sandkaule vor. „Dort ist das ehemalige Treppenhaus, das als letztes abgerissen wird“, erklärt Weigele. „Es ist der stabilste Punkt des Komplexes.“

Damit sich die Betonscheren der Bagger durch den Beton beißen können, muss aber zunächst die Wandverkleidung aus Waschbetonplatten entfernt werden. Die nur leicht befestigten Zier-Platten könnten nämlich einfach auf die Straße fallen. „Um die Bürger zu schützen, hängen wir daher mit einem Kran einen sieben Tonnen schweren Vorhang aus alten Gummiförderbändern auf die Gebäudeseite an der Berliner Freiheit“, berichtet Abbruch-Experte Weigele. „Der Verkehr wird dabei aber nicht beeinträchtigt, der Kran steht auf dem Baugelände.“

Schon bald soll an der Stelle ein Hotel mit 8600 Quadratmetern Grundfläche und 215 Zimmern entstehen. Im Gespräch ist die Kette Motel One. Genaueres will die Projektentwicklungsfirma Hirmer jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen. „Es laufen noch Antragsverfahren zu dem Projekt“, so Mike Böhme von Hirmer. Das Bauordnungsamt hatte Ende Juli die grundlegende Genehmigung für einen Neubau erteilt.

Die Bonner betrachten den Abriss mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Das Gebäude wird mir schon irgendwie fehlen“, sagt Ludger Hillenkötter. „Ich wohne seit 40 Jahren in Bonn, das Haus unweit der Kennedybrücke gehörte einfach dazu.“ Christiane Mußhoff vom Möbelladen Magazin direkt neben der Baustelle sieht das anders: „Wir freuen uns, dass die Ecke bald wieder schön aussieht. Zurzeit ist der Lärm aber kaum auszuhalten, unsere Kunden trauen sich nicht so richtig zu uns in den Laden. Zum Glück sind die Arbeiten vorbei, wenn unser Weihnachtsgeschäft beginnt.“