Trittin fordert mehr als die Energiewende

Der Spitzenkandidat der Grünen spricht auf dem Friedensplatz

45 Minuten dauert die Rede von Jürgen Trittin auf dem Friedensplatz. Er hält viele Felder der Politik für erneuerbar

BONN. "Ich bekomme gesagt, es sei ein langweiliger Wahlkampf ohne Themen", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Trittin, der bei seiner Wahlkampf-Tour gestern Nachmittag auf dem Friedensplatz auftrat.

Worüber spricht der Spitzenkandidat einer Partei, die ihren vormals wichtigsten Inhalten, Atomausstieg und Energiewende, beraubt wurde? Darüber, dass sie recht hatten und andere falsch lagen? "Ich reise mit einem 340-seitigen Programm durch Deutschland und bekomme gesagt, es sei ein langweiliger Wahlkampf ohne Themen", sagte Grünen-Fraktionsvorsitzender Jürgen Trittin, der bei seiner Wahlkampf-Tour gestern Nachmittag auf dem Friedensplatz auftrat. Unterstützt wurde er von der Bonner Direktkandidatin Katja Dörner.

Zunächst begann Trittin mit den fremdenfeindlichen Protesten gegen das Asylbewerberheim in Berlin-Hellersdorf. Ein überraschender Auftakt. "Was macht die Regierung? Sie stellt die Menschen unter Verdacht, Verfassungsfeinde zu sein, die sich dem rechten Mob entgegenstellen." Stattdessen wäre deren Unterstützung die richtige Konsequenz aus den Erfahrungen mit dem rechten Terror. Eine Wende, so der Tenor von Trittins Auftritt, müsse eben nicht nur bei der Energieversorgung, sondern auch in nahezu allen anderen Themen der Politik her, die der Spitzenkandidat eines nach dem anderen in Staccato-Sätzen abarbeitet.

"Deutschland ist erneuerbar" lautet der Titel der Kampagne, mit der die beiden Spitzenkandidaten Trittin und Katrin Göring-Eckhard bis zur Bundestagswahl am 22. September durch die Republik touren. In 45 Minuten machte Trittin klar: "Erneuerbar" ist für ihn auch die Familien- und Bildungspolitik, das Gesundheitssystem sowie die Sozial- und Finanzpolitik. Am Ende ging es dann doch um Energie. "Diejenigen, die wir gezwungen haben, diesen historischen Fehler endlich einzusehen, die behaupten heute, auch für die Energiewende zu sein - das ist nicht wahr."