Vorbild Bremer Sportgarten

Der Reuterpark soll schöner werden

BONN. Was für ein riesiges Gelände, mitten in der Stadt: Der Platz vor dem Haus der Jugend an der Ecke Reuter- und Hausdorffstraße bietet einen Aschenfußballplatz, eine Torwand, Basketballkörbe einen Spielplatz und eine Mauer für Sprayer.

Es fehlt nicht an Grün, die Bäume und Büsche stehen aber nur an der äußeren Umrandung, auf der gerade ein Jogger seine Runden läuft.

Im Sommer kann es auf dem Feld richtig heiß werden. Die Besucher im städtischen Haus der Jugend zum Beispiel nutzen den Platz noch häufiger. Doch man könnte mehr daraus machen: Das findet zumindest eine Initiative aus verschiedenen Organisationen. Ihre Vision: Der Reuterpark wir ein Platz für alle - egal wie alt, ob mit oder ohne Handicap. Am Sonntag, 7. Juni, sollen nun die Bürger ihre Ideen einbringen.

Vorbild für die Umgestaltung ist der Bremer Sportgarten

Vorbild für die Umgestaltung des Platzes ist der Bremer Sportgarten, den Martin Hermann vom Verein Lucky Luke vor einiger Zeit kennengelernt hatte. Dort können sich Kinder Bälle ausleihen oder sich im Kletterwald messen, währen die Erwachsenen im Café sitzen. "Es entstand die Idee: So was soll es auch in Bonn geben", sagt Hermann. Momentan sei Inklusion gerade als Thema an die Oberfläche gekommen, "und alles vermischte sich", sagt Susanne Seichter (der Paritätische Bonn).

"Der Platz hat es verdient, dass man seine Potenziale nutzt." Zurzeit sehe er etwas traurig aus. Dabei hat das Areal nach Angaben von Gabriel Kunze (Kinder- und Jugendring Bonn) seine Vorzüge und werde deshalb auch von einigen Gruppen genutzt: Er liegt günstig und ist barrierefrei zu erreichen. Die Straßenbahn hält direkt davor, und auch die Gesamtschulkinder von Bonns Fünfter haben es nicht weit.

So hatten die Initiatoren, zu denen auch die Lebenshilfe Bonn, der Stadtsportbund, der Förderverein Psychomotorik und der Verein für Behindertensport gehören, bereits zwei Workshops angeboten, damit alle Beteiligten - darunter auch Politiker - ihre Ideen und Wünsche zusammentragen. Es soll ein gemeinsamer Ort mit Spiel, Sport und Ecken für Ruhe und Entspannung entstehen. Es sind sogar schon Modelle, gefertigt aus Pappe, entstanden. Die Agentur Kreativ Konzept hat ein Logo entworfen, und die Landschaftsarchitekten RMP stellen ihr Fachwissen zur Verfügung. Bislang hat die Aktion Mensch die Finanzierung übernommen.

Sinnesgarten, Boulebahn und Fitnessgeräte

Schnell stellte sich heraus, was realistisch ist. Eine Wasserlandschaft und ein Springbrunnen etwa sind utopisch, schon allein wegen der Kosten, Hygiene und Pflege. Doch einiges geht: Fußball und Basketball soll man auch künftig im Reuterpark spielen können. Es soll mehr Bänke und Bäume, die Schatten spenden, geben. Gedacht wird an Fitnessgeräte, eine größere Sprayerwand, die auch Lärmschutz zur Reuterstraße sein könnte, einen Sinnesgarten mit Brettspielen, Rundwege, ein Kletter-Ei, Boule und einen Skaterpool (eine in den Boden eingelassene Betonwanne, auf der Skater fahren können). Selbst Blindenfußball wäre laut Hermann möglich. "Voraussetzung dabei ist, dass der Platz eingezäunt oder mit Banden versehen ist." Auf der Wunschliste stehen auch behindertengerechte Toiletten und ein Kiosk.

Die Stadt hat schon signalisiert, dass für die Umgestaltung des Platzes kein Geld vorhanden ist. So hoffen die Initiatoren, dass sich Stiftungen und Sponsoren engagieren. Sie alle sind froh, dass dank einer Bürgerbewegung Anfang der 2000er Jahre der Park nicht bebaut wurde. Nun kommt der Bürgerworkshop, bei dem die Initiatoren gern die Anwohner dabei haben möchten. Laut Marion Frohn von der Lebenshilfe wird dann alles ausgewertet. "Der nächste Schritt ist ein Bürgerantrag."

Historie zum Platz an der Reuterstraße

  • Seit 1889: Durch den Bonner Eisclub e.V. als Eislauf- und Eishockey-Fläche im Winter, als Tennisanlage mit 22 Plätzen und Anlage zum Radfahren im Sommer genutzt.
  • 1905: Gründung des Bonner Lawn-Tennis-Vereins, der den Platz zum Tennisspielen nutzte; kurz vor dem 1. Weltkrieg Schenkung des Platzes vom Bonner Eisclub an die Stadt Bonn.
  • Nach dem 1. Weltkrieg: Besatzungstruppen belegten den Platz. Nachdem diese abgezogen waren, verlangte die Stadt hohe Mieten von den nutzenden Vereinen, darunter der Bonner Fußballverein, der ebenfalls Tennis und Hockey spielte.
  • Nach dem 2. Weltkrieg: Amerikanische Raupenschlepper zerstörten die Tennisplätze. Neuaufbau der Anlage ab 1945.
  • 1949: Entstehung des HTC Schwarz-Weiß. Das Erbauungsdatum des heutigen Hauses der Jugend ist unbekannt. Es beherbergte unten Umkleide und Duschen, im ersten Stock ein Restaurant.
  • 1955: Anfang der 70er Jahre gab es Versuche, eine Tragluft-Tennishalle auf dem Reuterplatz zu bespielen. Umzug der Tennisvereine in das neu entstandene Wasserland, später Nutzung des Platzes durch freie Gruppen.

(Quelle: "Der Bonner Tennis- und Hockey-Verein -seine Geschichte 1903-1999, Eberhard Nöller; www.bthv.de)

Der Workshop zum "Reuterpark" findet am Sonntag, 7. Juni, von 14 bis 16 Uhr am Haus der Jugend, Reuterstraße 100, statt.