Botanische Gärten in Bonn

Der Kustos weckte Dornröschen

Kustos Wolfram Lobin mit seiner Nachfolgerin Cornelia Löhne am Poppelsdorfer Schloss.

Kustos Wolfram Lobin mit seiner Nachfolgerin Cornelia Löhne am Poppelsdorfer Schloss.

Poppelsdorf. Der „Bonner Advent“ hat im Mai Saison, „Rheinlands Ruhm“ gebührt einer Tomate und die „Kleine Rheinländerin“ ist eine knackige Erbse. Dass das in Bonn nicht nur ausgewiesene Botanikexperten wissen, ist Wolfram Lobin zu verdanken.

Der Kustos der Botanischen Gärten der Universität hat bei vielen Veranstaltungen nicht nur den Maiwirsing und andere regionale Nutzpflanzen bekannt gemacht, sondern auch die Titanenwurz und die Riesenseerose. Ende des Monats nimmt er Abschied und geht in den Ruhestand. „Ich bin froh, dass ich erst mal keine Termine habe“, sagt Lobin. Auch von den Gärten will er zunächst ein wenig Abstand halten, weiß er sie bei Nachfolgerin Cornelia Löhne in guten Händen.

Den Botanischen Garten gab es schon mehr als 150 Jahre, als Lobin am 1. Dezember 1987 seinen Dienst antrat. Die wissenschaftliche Sammlung wirkte allerdings verschlafen. Das hat er als Kustos gemeinsam mit Professor Wilhelm Barthlott als Direktor geändert.

Die Botanischen Gärten sind ein Publikumsmagnet mit vielen saisonalen Veranstaltungen, Nachtöffnungszeiten und Superlativen bei der regelmäßigen Titanenwurzblüte. „Wir haben den Botanischen Garten aus seinem Dornröschenschlaf geholt und das erste gedruckte Faltblatt seit 1818 veröffentlicht“, blickt der 65-Jährige zurück.

Ausführliche Informationen gibt es heute auf Tafeln, Infoblättern und im Internet. „Ich habe hier auch den ersten Computer in Betrieb genommen“, erinnert sich Lobin, der immer ein gefragter Ansprechpartner war für alles, was grünt und blüht. Sein Wissen über Pflanzen gibt er gerne weiter.

150.000 Besucher im Jahr

Ein „Meilenstein“, der den Botanischen Garten und seine Gewächshäuser am Poppelsdorfer Schloss in den Blick der Öffentlichkeit rückte, sei die Titanenwurz gewesen. Mit inzwischen 150.000 Besuchern im Jahr ist der Garten eine der am stärksten besuchten Einrichtungen in der Stadt. Der Freundeskreis hat mehr als 1000 Mitglieder. Gemessen an ihrer Größe spielt die Sammlung auch international eine große Rolle.

Während Lobins Amtszeit wurde nahezu das gesamte Gelände saniert, inklusive Gewächshäuser und Melbweiher. Dass der Nutzpflanzengarten wieder voll funktionsfähig wird, dafür muss seine Nachfolgerin sorgen. Sie hat bereits vor zehn Jahren in Bonn zur Evolution der Seerosen geforscht und zwischenzeitlich im Botanischen Garten in Berlin gearbeitet.

Ihre Doktorarbeit hat Löhne über die Bildungsarbeit in Botanischen Gärten und Zoos geschrieben. „Dabei habe ich festgestellt, dass mir der Kontakt zu Besuchern mehr Spaß macht als die Arbeit im Labor“, sagt die 40-Jährige.