Bekannt als Jan Loh

Der Alle-mal-malen-Mann starb vor einem Jahr

Bonn. An diesem Freitag jährt sich der Tod des Bonner Originals Jan Loh zum ersten Mal. Immer wieder ist der Alle-mal-malen-Mann noch Gesprächsthema in den Bonner Kneipen.

Ein Jahr lang hat man ihn nun nicht mehr in der Bonner Innenstadt gesehen, ein Jahr lang nicht mehr das Scheppern seines Drahtesels gehört, wenn er auf seinem kleinen, alten Zweirad über das Kopfsteinpflaster rollte. Ein Jahr lang den Spruch nicht mehr gehört: "Alle mal malen hier?".

Jan Loh starb am 8. März 2018 an den Folgen eines Sturzes. Dabei gab es Jan Loh eigentlich gar nicht. Es war ein Künstlername, unter dem der Alle-mal-malen-Mann in Bonn bekannt war. Ferdinand Johannes Gödde hieß er eigentlich, diesen Namen und viele weitere Informationen über den eigentlichen Menschen hinter dem Alle-mal-malen-Mann hielt das 86 Jahre alt gewordene Bonner Original aber stets für sich.

Es war der späte Donnerstagabend vor einem Jahr, als die Redaktion des General-Anzeigers die Information erhielt, dass Loh gestorben sein soll. Mehr als ein Gerücht war dies aber nicht. Und es war nicht das erste Mal, dass es ein solches Gerücht gab. Tagelang konnte unsere Redaktion keine Bestätigung der Information bekommen - oder gar das Gerücht aus der Welt räumen.

Anrufe auf Lohs Mobilfunknummer blieben unbeantwortet, bei den Recherchen in den Kneipen kam stets dieselbe Antwort: "Wir haben von dem Gerücht auch schon gehört. Wir dachten, ihr wüsstet da mehr?!" Wussten wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Erst am darauffolgenden Montag erhielten wir aus einer sicheren Quelle die Bestätigung, dass Loh gestorben war.

Im James Joyce erinnert eine Fotostrecke an Jan Loh

Noch immer ist der Künstler in Bonn ein Thema. Zu seiner Beerdigung kamen 60 Menschen nach Kessenich, zu seinem ersten Todestag gibt es eine Ausstellung in der Fabrik 45 am Hochstadenring mit seinen Zeichnungen. Eine "Alle-mal-malen-Mann-Straße" hat sich mittlerweile erledigt, auch wenn es kurz nach seinem Tod schon erste Schriftzüge an Straßenschildern gab.

In seinem Stammlokal „James Joyce“ im Mauspfad erinnert heute eine Fotoecke an den Stadtmaler. Es ist ein Versprechen, das Kneipenwirt Stefan Bernhard nach Lohs Tod vor einem Jahr gegeben hatte: „Die Erinnerung an ihn bleibt so lange, wie diese Kneipe existiert.“ Für die Fotostrecke hatte das Lokal einen Aufruf auf Facebook gestartet, mit der Bitte Kopien von Bildern zu schicken. „Wir haben aus ganz Deutschland Post bekommen, sogar aus Hamburg“, berichtet der Wirt ein Jahr nach dem Tod Jan Lohs. Die Bilder würden auch heute noch für Gespräche sorgen, so Bernhard: „Wem Jan Loh nichts sagt, dem wird von kundigen Gästen die Geschichte erzählt.“

Begegnungen, die unvergessen bleiben

Man darf beim Blick zurück Jan Loh aber nicht glorifizieren. Oft genug lief er mürrisch und schlecht gelaunt durch die Stadt, war mitunter lästig, wenn er an den Tisch kam und partout nicht einsehen wollte, dass man gerade nicht von ihm gemalt werden wollte. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn nicht jeder Kneipier nach seinem Tod Worte der Trauer fand.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Jan Loh war eigentlich immer da. Wenn man mit Freunden in Bonn feiern war, wenn man im Sommer noch etwas draußen vor den Kneipen oder Bars trank oder einfach mal wieder einen schönen Abend in Bonn verbrachte. An Loh kam man nicht vorbei – eine Begegnung mit dem knurrigen Mann auf seinem klapprigen Fahrrad gehörte irgendwie dazu. Und einige Begegnungen bleiben den Menschen in Erinnerung. Wie etwa die von Thomas Rosa.

2015 traf er Loh im Salvator. Seine Frau Katja lag im Krankenhaus, die Zwillinge der beiden waren in der 18. Schwangerschaftwoche und eine riskante Operation stand an. Rosa konnte den Abend nicht im Krankenhaus an der Seite seiner Frau verbringen und so kam es im Salvator zu der Begegnung. Eigentlich wollte Rosa nicht gemalt werden. Doch kurz bevor Loh das Salvator verließ, rief Rosa den Alle-mal-malen-Mann zu sich und bat ihn, seine Zwillinge nach dem Ultraschallbild zu malen.

Loh tat dies. Er ließ sich dabei auch filmen, um so der im Krankenhaus liegenden Ehefrau eine Freude und eine Ablenkung zu bescheren. Noch heute steht das gerahmte Bild von Loh im Kinderzimmer der beiden gesunden Zwillinge.

Es ist eine von vielen Geschichten, die die Redaktion in den Tagen nach der Todesmeldung erreichten. Der Alle-mal-malen-Mann war halt immer irgendwie dabei. Seit einem Jahr ist er es nun nicht mehr.