Bonner Kunst!Rasen

Deep Purple bei der Classic Rocknacht

Alte Meister: Deep Purple gestern Abend auf dem Bonner Kunst!Rasen.

15.07.2013 BONN. Dass auch ältere Herren noch große Bühnen rocken können, stellen die Rolling Stones, Neil Young oder Bruce Springsteen derzeit Woche für Woche unter Beweis.

Die Liste ließe sich ergänzen. Etwa um Deep Purple, die Sonntagabend als Hauptband der Classic Rocknacht auf dem mit 4000 Zuschauern gut besuchten Kunst!Rasen eines verdeutlicht haben: Rock'n'Roll kennt kein Alter, Rock'n'Roll kennt nur schlecht oder gut. Und für Deep Purple gilt auch 45 Jahre nach Gründung der Band letzteres.

Klar, Gitarren-Pate Ritchie Blackmore ist lange nicht mehr dabei, der inzwischen verstorbene Hammond-Orgel-Virtuose Jon Lord vor mehr als zehn Jahren ausgestiegen - die Band hat in ihrer turbulenten Geschichte manche Umbesetzung hinter sich. Doch mit Gründungsmitglied Ian Paice am Schlagzeug und Sänger Ian Gillan sind noch zwei Rock-Senioren an Bord, die die Geschichte von Deep Purple mitgeprägt haben. Bassspieler Roger Glover gehört normalerweise auch dazu, wurde aber aus bisher ungeklärten Gründen durch einen jüngeren Musiker vertreten.

[kein Linktext vorhanden]In Bonn stellt Deep Purple dennoch unter Beweis, dass sie es noch drauf haben. Sänger Ian Gillan treibt sich stimmlich zwar nicht mehr in allerhöchste Höhen, doch seine metallene Stimme meistert jeden Song souverän. Deep Purple entfaltet Wucht und instrumentale Größe - nicht zuletzt durch das sehr präsente und virtuose Spiel von dem kongenialen Lord-Nachfolger Don Airey.

Deep Purple ist mit dem guten Album "Now What?!", das Anfang Mai auf Platz eins der deutschen Charts landete, eindrucksvoll gelungen, auch heute noch Relevanz zu beweisen. Die Songs von "So what?!" spielen im ersten Teil des Konzerts eine prägnante Rolle.

Doch trotz des zeitgemäßen, druckvollen Sounds, etwa bei der Single "Vincent Price" oder "All the time in the world" - bejubelt werden natürlich vor allem die Klassiker: "Fireball" eröffnet das Konzert, "Strange kind of woman" folgt bald - und das alte Duell Gitarre gegen Orgel ist auf ein Neues eröffnet. Zwischendurch zeigt Steve Morse in virtuosen Soli, dass ein Wort wie Gitarrengott wohl für Menschen wie ihn erfunden wurde. Der einzige Amerikaner in der britischen Band hat es geschafft, dem Stil von Deep Purple eine eigene Note zu verleihen, ohne den Charakter der Musik zu verändern - Morse hat sozusagen die Quadratur des Kreises gemeistert.

Gegen Ende des regulären Sets bereitet das ausufernde "Space Truckin?" den Weg für eines der bekanntesten Gitarren-Riffs der Rockgeschichte: das unvermeidliche "Smoke on the water". Jung- und Alt-Rocker, zu denen auf der Tribüne auch Post-Chef Frank Appel gehörte, feiern die Hymne. Der Zugabenblock hält mit "Hush" und "Black Knight" noch zwei echte Schmankerl bereit. Die vielen, vor allem auch jungen Fans sind begeistert.

Was für ein Lärm auch durch nur drei Mann entstehen kann, zeigten am Nachmittag bereits Triggerfinger aus Belgien, die die Classic Rocknacht eröffneten. Ihnen hätte manch einer eine Zugabe gegönnt. Der knochentrockene Mix aus Blues und krachendem Rock'n'Roll kam gut an. In eine andere Kerbe schlugen anschließend Crippled Black Phoenix, die Anleihen von Pink Floyd erkennen ließen. Der Stil der mit Abstand jüngsten Band auf der Bühne ist meist episch und getragen. Mit Classic Rock im eigentlichen Sinne hat das wenig gemein.

Die umjubelten knallharten Blueser von Gov't Mule, deren Sänger Warren Hynes als einer der besten Gitarristen der Welt gilt, lockten dann richtig viele Zuschauer vor die Bühne - darunter sogar jugendliche Headbanger. (Moritz Rosenkranz)