Auf Kartierung kommt es an

Daten über bedrohte Arten in Bonn und Region

Übergabe des BION-Endbericht: (von links) Michael Hoch, Bettina Hedden-Dunkhorst, Notburga Kunert, Hartmut Ihne, Reinhard Limbach und Maximilian Weigend.

Übergabe des BION-Endbericht: (von links) Michael Hoch, Bettina Hedden-Dunkhorst, Notburga Kunert, Hartmut Ihne, Reinhard Limbach und Maximilian Weigend.

Bonn. „Leben wir nachhaltig?“ – diese Frage stellte sich Maximilian Weigend, als er den Forschungsbericht „Natur der Region Bonn/Rhein-Sieg“ des Netzwerks Biodiversität, kurz Bion genannt, am Sonntag an regionale Entscheidungsträger übergab.

Wie lassen sich bedrohte Pflanzenarten erhalten? Wie viele Fledermausarten gibt es in der Region? Welche Leistungen erbringen die Ökosysteme? Solchen und vielen anderen vergleichbaren Fragen ist das 2011 gegründete Netzwerk Biodiversität in Bonn über mehrere Jahre nachgegangen.

Auf rund 160 Seiten fasst das Werk zusammen, welche Datenquellen zur Biodiversität und zu Ökosystemleistungen im Raum Bonn/Rhein-Sieg vorliegen. Insgesamt wurden dabei über 450.000 Einzeldatensätze ausgewertet. Immerhin konnten für die Region Nachweise für rund 2000 Pflanzenarten und über 5000 Tierarten gesammelt werden – darunter viele bundesweit bedrohte Arten.

Allerdings wird auch klar, dass in den vergangenen 100 Jahren etwa elf Prozent der heimischen Pflanzenarten ausgestorben sind und die Einrichtung von Schutzgebieten allein ihre Erhaltung nicht sichern kann. „1830 waren rund 2,3 Quadratkilometer des Bodens überbaut, 1900 elf Quadratkilometer und 2017 sind bereits 71 Quadratkilometer Boden für die Biodiversität verloren gegangen“, so Weigend.

Am 22. Mai war der Welttag der Artenvielfalt. „Wir begehen den immer klassisch am darauffolgenden Sonntag in den Botanischen Gärten“, sagte Weigend, der Direktor der Bonner Uni-Gärten und Sprecher von Bion ist.

Zeitlich passende Übergabe

Zeitlich passender hätte die Übergabe des Abschlussberichts im Hörsaal des Botanischen Instituts nicht sein können. Empfänger des Berichts war für Bonn Bürgermeister Reinhard Limbach, für den Rhein-Sieg-Kreis die erste stellvertretende Landrätin Notburga Kunert.

Universitätsrektor Michael Hoch stellte bei aller Hochachtung vor der Forschungsarbeit heraus, dass die Datenlage noch sehr lückenhaft und man von einer richtigen Kartierung ein ganzes Stück entfernt sei. Bürgermeister Limbach erhoffte sich, dass der Bericht Anleitungen gebe, was die Stadt Bonn in der Zukunft tun könne und er versprach in seinem Grußwort, dass der Bericht in die relevanten Ratsgremien weitergegeben werde. Notburga Kunert stellte die Forderung auf, dass Lösungen gefunden werden müssten, die allen Ansprüchen gerecht würden, „damit unsere liebenswerte Gegend auch für unsere Erben erhalten bleibt“.

Weigend bezeichnet das Ergebnis als „sehr durchwachsenen Befund“, weil noch viele Fragen, insbesondere die systematische Datenerhebung, offen seien. „Wenn man sich die Zahlen in Bereichen wie Emissionen und Artenschutz anschaut, dann kann man mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein.“ Und um seine eingangs zitierte Frage aufzugreifen, beantwortet er sie selber mit: „Zu zwei Prozent.“