Im General-Anzeiger wiedererkannt

Das sind die Jungen vom Puppenkönig-Foto

Bonn. Zwei Männer haben sich auf einer alten Aufnahme wiedererkannt, die die bekannte Modelleisenbahn des Spielwarengeschäftes Puppenkönig zeigt. Diese weckt Erinnerungen an ein Traditionsgeschäft.

Puppenkönig schließt! Diese Nachricht hat nicht nur in Bonn und der Region die Gemüter bewegt. Jetzt hat sich der gebürtige Bonner Chris Schäfer beim GA gemeldet. Der heute 74-Jährige lebt seit Jahrzehnten in Freiburg und hat sich und seinen acht Jahre älteren Bruder im Internet auf einem historischen Foto wiedererkannt, das der GA im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die zum Ende des Jahres geplante Schließung des traditionsreichen Spielzeuggeschäfts an der Gangolfstraße auf der Titelseite gezeigt und den Artikel auch online veröffentlicht hatte. Auch der Heimerzheimer Rainer Schmitz hat sich auf dem Foto wiedererkannt. Er sei darauf etwa zwei oder drei Jahre alt, berichtete er dem GA.

Demnach müsse das Foto Anfang der 1950er Jahre aufgenommen worden sein, meint auch Schäfer. Wie viele andere bewunderte er damals die Modelleisenbahn, die Puppenkönig seit Jahrzehnten immer in der Vorweihnachtszeit aufgebaut hat – stets mit wechselnden Kulissen. „Da mussten wir einfach jedes Jahr hin“, erinnert sich Schäfer.

Er kann sich noch gut an das erste Spielzeug erinnern, das ein Onkel ihm bei Puppenkönig kaufte. „Das war ein Schuco-Auto aus Blech.“ Später habe sein inzwischen verstorbener Bruder ihm eine Trix-Eisenbahn geschenkt. „Meine Mutter hat viel bei Puppenkönig für uns eingekauft.“

Immer wieder, wenn er auf Verwandtenbesuch nach Bonn gekommen sei, sei er auch bei Puppenkönig vorbeigegangen, erzählt der zweifache Vater und Großvater. So traurig er sei, dass nun sein Lieblingsladen aus Kindertagen bald Geschichte sei: „Ich kann es irgendwie auch verstehen. Die Zeiten ändern sich halt.“ Das sei in Freiburg nicht anders, wo er aus beruflichen Gründen 1975 hingezogen ist und seither mit seiner Familie dort lebt. „Ich war 15 Jahre Berufssoldat und anschließend in der Flugsicherung tätig. Da bin ich natürlich viel herumgekommen.“ In Freiburg fühle er sich mittlerweile sehr heimisch.

Nicht ganz so weit weg von seiner Heimatstadt Bonn lebt Rainer Schmitz. „Wir wohnen jetzt seit 40 Jahren in Heimerzheim“, erzählt der ehemalige dortige Ortsausschussvorsitzende dem GA. Aufgewachsen ist Schmitz, der drei Kinder und fünf Enkel hat, nahe der Bonner Innenstadt: Zunächst lebte er mit seiner Mutter in einem Haus an der Dechenstraße, später zog er um an die Poppelsdorfer Allee. Der frühere medizintechnische Leiter der Kinderklinik in Sankt Augustin steckte seine Nase oft in den Spielzeugladen und auf seinem Weg zur Münsterschule bewunderte er täglich die Schaufensterauslagen. „Ich bin bestimmt auf allen Fotos mit Kunden von Puppenkönig drauf“, sagt er schmunzelnd. Schmitz, der an diesem Sonntag seinen 70. Geburtstag feiert, weiß ebenfalls noch genau, was sein erstes Geschenk war, das seine Mutter für ihn bei Puppenkönig gekauft hatte: „Das war natürlich eine Eisenbahn.“

Wie berichtet, schließt Puppenkönig voraussichtlich Ende des Jahres. Inhaber ist Alfred Westenhöfer (64). Er hatte den Laden 1985 von seinem Vater übernommen, der zunächst als Buchhalter und später als Geschäftsinhaber die Geschicke der 1883 in Köln gegründeten Spielwarenhandlung bis dahin geführt hatte. Das Bonner Geschäft besteht nunmehr sei 106 Jahren. Ursprünglich wollte eine der beiden Töchter von Alfred Westenhöfer das Traditionshaus übernehmen. Doch sie habe sich dann doch anders entschieden, hatte Westenhöfer dem GA erklärt. Nicht zuletzt gab er auch die in der Spielzeugbranche wachsende Konkurrenz durch den Internethandel als einen Grund für die Schließung von Puppenkönig an. Ob er das markante Gebäude an der Gangolfstraße verkaufen oder vermieten will, ließ Westenhöfer auf Nachfrage offen.