GA-Serie "Bonn baut"

Das neue Luxusquartier am Rüngsdorfer Rheinufer

Rüngsdorf. In„Beckers Garten“ entstehen neun Villen mit Mietwohnungen, die deutschlandweit Maßstäbe setzen sollen. Für schmutzige Hunde gibt es Waschplätze, für Spritztouren einen Bentley-Service.

„Beckers Garten“ war schon immer etwas Besonderes. Eine wilde Fläche mitten im historischen Ortskern von Rüngsdorf, freigehalten für eine Botschaft oder Residenz der Bundeshauptstadt, die nie gebaut wurde. Künftig residieren hier die Mieter der Rheinblick Residences, die Ende des Jahres einziehen können.

Vorher musste noch die Rüngsdorfer Ortsgeschichte umgeschrieben werden. Archäologen haben bei ihren Grabungen vor Beginn der Bauarbeiten Spuren einer fränkischen Siedlung aus dem frühen Mittelalter gefunden. Rüngsdorf, im Jahr 804 erstmals urkundlich erwähnt, war also schon rund 200 Jahre vorher besiedelt.

Vor sieben Jahren hat der Bonner Unternehmer Marc Asbeck das Areal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gekauft. Für ihn ein Herzensprojekt, für Anwohner und Politik jahrelang ein Aufreger. Einige hätten „Beckers Garten“, eines der teuersten Grundstücke am Rhein, lieber als Obstwiese gesehen. Seit die Bauarbeiten fortschreiten ist es ruhig geworden.

Das Volumen wurde von ursprünglich 77 Wohnungen auf 39 reduziert. Der Anspruch ist dafür umso größer: Die Rheinblick-Residences sollen neue Maßstäbe bei Mietwohnungen setzen. Asbeck ist eigentlich auf Büroimmobilien spezialisiert. Neben Bund, Universität Bonn und Huawei mietet im ehemaligen Bonner Regierungsviertel vor allem die Deutsche Post DHL bei ihm. Die selben Architekten, die die modernen Bürokomplexe geplant haben, zitieren in „Beckers Garten“ nun klassizistische Villen und belgische Landhäuser.

Ensemble aus neun Gebäuden mit drei Haustypen

Der Bauherr und seine Frau Alexandra Asbeck haben viele Ideen eingebracht. Die Rheinblick-Residences sind ein sehr persönliches Projekt, vergleichbar mit der denkmalgerechten Sanierung des ehemaligen SWR-Rundfunkbüros an der Heinrich-Brüning-Straße, wo das Büro des Familienunternehmens seinen Sitz hat. Oder mit dem Sternerestaurant Remise: Hier trifft technische Spielerei in Form eines im Boden versenkbaren Aquariums auf opulenten Landhausstil und augenzwinkernde Kunst von Panikrocker Udo Lindenberg. Eine ähnliche Mischung gibt es in den Rheinblick-Residences: eine Quartiers-App, die die Haustechnik steuert, und edle Antiquitäten, Klingeln mit Fingerprint und einen eigenen Wein von Winzer Werner Mayer-Näckel.

Hinter den Luxusangeboten steckt durchaus Praktisches. Die extrabreite Zufahrt zur Tiefgarage und die Ladestationen für Elektroautos zum Beispiel, oder die Hundewaschplätze für schmutzige vier Pfoten. Den 200 Quadratmeter großen Fitnessbereich nutzen die Mieter gemeinsam, ebenso den Bentley Flying Spur, den jeder Bewohner vier Mal im Monat kostenfrei für Fahrten reservieren kann. „Unser Klientel möchte den Fünf-Sterne-Luxus eines Hotels auf Abruf und ein sicheres Wohnumfeld“, sagt Asbeck.

Die Rheinblick-Residences sind ein Ensemble aus neun Gebäuden mit drei Haustypen. Den Übergang zur Rheinstraße markiert das Dorfhaus, das an einen französischen Landsitz erinnern soll. Belgische Häuser mit Fassaden aus geschlämmtem Feldbrandstein waren Vorbild für die Parkvillen: vier Doppelhäuser, die auch für Familien geeignet sind. „Ich finde es wichtig, dass hier Leben ist“, sagt Asbeck. Durch den Park geht es zu den Rheinvillen, deren repräsentative Architektur die Hamburger Elbchaussee und die historischen Villen am Rhein zum Vorbild hat. Wer ein Penthouse mietet, kann vom Whirlpool auf der Terrasse auf das Siebengebirge schauen.

Wohnflächen zwischen 173 und 280 Quadratmetern

Die 39 Wohnungen auf dem Gelände haben Wohnflächen zwischen 173 und 280 Quadratmetern. Erste Mieter gibt es bereits. „Wenn die Leute einmal hier waren, entscheiden sie sich schnell“, sagt Asbecks Mitarbeiterin Miriam Karge. Viele Interessenten hätten eigene Immobilien, wollten sich aber verkleinern und um nichts mehr kümmern müssen.

Die Wohnungen in den Rheinvillen sind barrierefrei. Alle Gebäude haben ein Raumluft-Filtersystem und sind allergikergeeignet. Um Elektrosmog zu reduzieren, wurden strahlungsarme Leitungen verlegt. Mit Geothermie, Solarthermie, Solaranlagen und Pufferspeichern zur Weitergabe des selbst erzeugten Stroms an die Mieter orientiert sich das ökologische Konzept am Green Building Programm der EU. Eine konventionelle Heizung gibt es nicht mehr.

Der alte Begriff „Beckers Garten“, der auf die „Fremdenpension zur Obstfarm“ von Auguste Becker und Sohn Ernst im Haus Rheinstraße 35 zurückgeht, wird nicht verschwinden. Er bleibt als Straßennahme für die neue Wohnanlage erhalten.