Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis

Das müssen Pendler und Eltern zum Streik wissen

Der Zugverkehr ruht, nur vereinzelt gehen Menschen durch den U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof.

Der Zugverkehr ruht, nur vereinzelt gehen Menschen durch den U-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof.

Bonn. Busse und Bahnen fahren nicht, Kitas bleiben geschlossen. Seit Mittwochmorgen sorgt der von Verdi aufgerufene Streik auch in Bonn und der Region. Alle Infos sowie mögliche Alternativen finden Sie hier.

Alle aktuellen Infos zu den Streiks finden Sie in unseren Liveticker.

Wegen eines Warnstreiks werden den ganzen Tag über keine Busse und Bahnen fahren. Das teilten die Stadtwerke mit. Die Gewerkschaft Verdi hat ihre Mitglieder zu einem ganztägigen Streik aufgerufen, auch die Stadtwerke Bonn sind von dem Streik betroffen.

Der Streik hat mit Betriebsbeginn am frühen Mittwochmorgen begonnen, so SWB-Sprecher Michael Henseler auf GA-Anfrage. Da der Warnstreik auch in Köln stattfinden wird, fahren die Bahnen der Linien 16 und 18 ebenfalls nicht. Die SWB betreiben diese beiden Linien zusammen mit den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB).

RSVG wird nicht bestreikt

Nicht betroffen sind Busse der Rhein-Sieg-Verkehrsgesellschaft (RSVG). Wie Geschäftsführer Michael Reinhardt auf GA-Anfrage mitteilte, "liegen bislang keine Ankündigungen von Verdi vor". "Ich gehe davon aus, dass unsere Busse fahren werden", so Reinhardt weiter. Er befürchtet jedoch, dass es dennoch zu Einschränkungen und vollen Bussen kommen kann, wenn die Fahrgäste der SWB auf Busse der RSVG ausweichen. Auch die Busse der RVK fahren nach Plan, so ein Sprecher auf GA-Anfrage.

Auch wenn die RSVG nicht bestreikt wird, kommt es auch den Linien, die zusammen mit den SWB betrieben werden, zu Ausfällen. Die Linie 640 fällt vollständig aus, auf der Linie 550 finden voraussichtlich drei Fahrten nicht statt, auf der Schnellbuslinie SB55 eine Vielzahl von Fahrten.

Eine Übersicht über die voraussichtlich ausfallenden Fahrten finden Sie für die Linie 550 in diesem Dokument und für die Schnellbuslinie SB55 in diesem Dokument.

Streikende am Donnerstagmorgen

Ebenfalls nicht betroffen sind die Bahnen und Züge der Deutschen Bahn und der Mittelrheinbahn. Regionalbahnen (RB) und Regionalexpressbahnen (RE) fahren ebenso nach Fahrplan wie die S-Bahnen.

Die Stadtwerke und die RSVG weisen darauf hin, dass es während des Streikaufrufes keinen Anspruch auf die Mobilitätsgarantie gibt. Mit Betriebsbeginn am Donnerstagmorgen soll der Streik beendet sein und der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden.

 

Demo in der Innenstadt

Zum Streik findet am Mittwochvormittag eine Demonstration in der Innenstadt statt. Zum Thema "Gerechte Bezahlung im öffentlichen Dienst" werden dazu rund 250 Teilnehmer erwartet. Die Demonstranten treffen sich ab 10 Uhr auf dem Berliner Platz und ziehen dann über die Maxstraße, die Breite Straße, die Sterntorbrücke, den Friedensplatz, die Sternstraße auf den Marktplatz. Dort geht die Demo mit einer Abschlusskundgebung um 13 Uhr zu Ende. Nach Angaben der Polizei kann es kurzfristige Verkehrsbeeinträchtigungen geben.

Kitas bleiben geschlossen

Auch Kindertagesstätten in Bonn und der Region sind von dem Streik betroffen. Die Stadt hat am Dienstagnachmittag eine Liste der Kitas veröffentlicht, deren Stand sich allerdings laufend aktualisieren kann.

Am Mittwoch bleiben die Kitas An der Umkehr in Ramersdorf, Annaberger Straße in Friesdorf, Auf dem Huckstein in Auerberg, Ellesdorfer Straße in Lannesdorf, Estermannstraße in Graurheindorf, Graurheindorfer Straße in Castell komplett geschlossen. Auch die Kitas an der Von-den-Driesch-Straße in Buschdorf, am Weidenweg in Ramersdorf und am Sommerbergweg in Bad Godesberg werden nicht öffnen. In 20 weiteren Kitas wird ebenfalls gestreikt, nähere Infos kann die Stadt nach jetzigem Stand jedoch nicht geben.

Wie die Stadt Bonn bereits am Montag mitteilte, liegen der Stadtverwaltung seitens der Gewerkschaften keine verbindlichen Angaben über das Ausmaß des Streiks vor. Sie habe aber zwischenzeitlich für den Bereich der städtischen Kindergärten eine Hotline unter der Nummer (0228) - 77 55 44 eingerichtet.

Eltern können ab sofort - auf der Grundlage der der Verwaltung bisher vorliegenden Informationen - montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr Auskünfte zu den bestreikten Kindergärten erhalten. Die Kindergärten haben zugesagt, dass sie "ihre" Eltern so früh wie möglich über ihre Teilnahme an dem Arbeitskampf informieren, damit Eltern sich auf die Situation einstellen können. Die Kindertageseinrichtungen werden auch darüber Auskunft geben, ob es Notbetreuungen gibt.

Schwimmbäder haben geöffnet

Die Schwimmbäder in Bonn sind geöffnet, wie die Stadt am Mittwoch mitteilte. Auch im Dienstleistungszentrum laufe alles normal, heißt es.

In Troisdorf und Hennef sind laut Gewerkschaft ebenfalls Kindertagesstätten betroffen. In Hennef würden drei Kitas bestreikt, sagte Stadtsprecher Dominique Müller-Grote auf Anfrage. Die Kita Deichkinder in Hennef und die Kita Kunterbunt in Stoßdorf seien geschlossen, bei den Bröler Waldmäusen werde eine Notgruppe eingerichtet. „Sonst streiken nur einzelne Mitarbeiter“, sagte Müller-Grote. „Der Betrieb läuft ansonsten normal.“

Von den 24 städtischen Kindertagesstätten in Troisdorf bieten acht Einrichtungen am Mittwoch regulären Betrieb an, zwölf Kitas richten eingeschränkte Notdienste für die jeweiligen Kinder an. Das teilte die Stadt Troisdorf am Dienstagvormittag mit. Die drei Kitas Schneewittchenweg in Troisdorf-West, Markusstraße in Troisdorf-Bergheim und Lambertusstraße in Troisdorf-Müllekoven bleiben wegen des Streiks komplett geschlossen. Die Stadt rechnet damit, dass im Offenen Ganztag voraussichtlich nur die Trogata an der Sternenschule in Spich geschlossen bleibt. Auf ihrer Facebook-Seite hat die Stadt eine Übersicht mit allen 25 Einrichtungen veröffentlicht.

Streik an der LVR-Klinik

Die Mitarbeiter der LVR-Klinik sind ebenfalls dazu aufgerufen, sich an dem Warnstreik zu beteiligen. Die Grundversorgung der Patienten sei trotzdem gewährleistet. „Wir haben eine entsprechende Notdienstvereinbarung getroffen“, erklärte Katharina Landorff, Pressereferentin des Landschaftsverbands Rheinland. An dem Streik nimmt nur das Pflegepersonal teil, die Ärzte streiken nicht. Wie viele Pflegekräfte an dem Warnstreik teilnehmen werden, sei derzeit nicht abzusehen.

Müllabfuhr fast reibungslos

Die Müllabfuhr im Rhein-Sieg-Kreis kann trotz des Warnstreiks im Öffentlichen Dienst nahezu reibungslos durchgeführt werden. Das teilte die RSAG am Mittwoch mit. Demnach werden lediglich in kleinen Teilen von Wachtberg, Meckenheim, Bornheim und Rheinbach die Abfalltonnen in einigen wenigen Straßen nicht geleert. Bei wem die Tonne nicht geleert wird, der kann den Müll in Säcken oder kleinen Kartons bei der nächsten regulären Abfuhr neben die Tonne stellen. Dieser wird dann mitgenommen.

Unklar ist, wie viele Mitarbeiter des Siegburger Helios Klinikums sich am Streik beteiligen werden. Laut Klinik wird jedoch eine Notfallversorgung im Haus für den Tag sichergestellt. „Hierzu wurde eine entsprechende Notdienstvereinbarung mit der Gewerkschaft getroffen. Wir bitten unsere Patienten um Verständnis, sollte es abseits der Notfallversorgung zu Einschränkungen kommen“, sagte Julia Colligs, Referentin der Unternehmenskommunikation.

Ausgelöst werden die Streiks durch ein nicht vorhandenes Ergebnis in der zweiten Verhandlungsrunde in der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst. „Sowohl in der Höhe als auch bezogen auf die Struktur des Tarifabschlusses gibt es keine Annäherung. Im Gegenteil: die Arbeitgeberseite hat wiederum kein Angebot vorgelegt und provoziert damit Warnstreiks“, sagte der Bezirksgeschäftsführer des Verdi Bezirks Köln-Bonn-Leverkusen, Daniel Kolle. Verdi fordert für die Tarifbeschäftigten bei Bund und Kommunen unter anderem eine Gehaltserhöhung von 6,0 Prozent, mindestens aber 200 Euro.