Stephan Hilbrandt ist bester Biersommelier der Welt

Das hat sich für den Bier-Weltmeister aus Bonn verändert

Bier-Somelier Stephan Hilbrandt vor einer Wand mit Bier-Blechschildern über seinem Küchentisch.

Bier-Somelier Stephan Hilbrandt vor einer Wand mit Bier-Blechschildern über seinem Küchentisch.

Bonn. Im September wurde der Bonner Stephan Hilbrandt in München zum Weltmeister der Biersommeliers gekürt. Die Unterscheidung von Bierstilen und Aromen sowie deren Beschreibung war Kernaufgabe bei der Weltmeisterschaft.

Über dem Küchentisch seiner Bonner Wohnung finden sich klare Hinweise darauf, was die Leidenschaft von Stephan Hilbrandt gilt. Dutzende Blechschilder, die dort aufgehängt sind, sind mit Weisheiten, Werbesprüchen und Logos zu einem Thema versehen: Bier. Aus dem Kühlschrank nimmt er zwei Flaschen einer niederländischen Marke. „Habe ich selbst noch nicht probiert“, sagt er, schenkt in zwei oben breit geöffnete Kelchgläser ein, schwenkt das Glas leicht, riecht, und genehmigt sich einen Schluck.

Viel kann er zum Geschmack jedoch nicht sagen – „das Bier ist für eine Bewertung etwas zu kalt“, erklärt er. Dabei ist er weltweit einer der größten Experten auf diesem Gebiet. Im September wurde Hilbrandt in München zum Weltmeister der Biersommeliers gekürt. Für ihn selbst vollkommen überraschend.

Näher am Champagner als am Bier

Um das Jahr 2011 herum sei er zum ersten Mal auf „speziellere Biere“ gestoßen, erinnert sich der heute 32-Jährige. Es war die Zeit, in der auch die Craft-Beer-Bewegung entstand, die individuelle, handgebraute Biere gegenüber industriellen, von Großkonzernen gebraute Marken vorzieht. Auch Hilbrandt begann im Keller seines Elternhauses im Sauerland, selbst eigenes Bier zu brauen. „Ich begann zu recherchieren und wollte dann auch lernen, das Bier sensorisch zu bewerten.“ 2015 absolvierte er daher für rund 3000 Euro eine zweiwöchige Ausbildung zum Biersommelier – eine Tätigkeit, die in dieser Form noch nicht lange existiert und sonst eher mit Wein verbunden wird.

Doch auch Bier ist nicht gleich Bier, erklärt Hilbrandt. Viele verschiedene Bierstile, unzählige verschiedene Variationen existierten. „Das kann von sauer, über rauchig, bis malzig-fruchtig gehen.“ Eines der ausgefallensten Biere, das er kenne, „ein sogenanntes Spontanvergorenes“ aus Belgien, schmecke gar „näher dran am Champagner, als am typischen deutschen Bier“.

Verkostungen und Heimbrau-Kurse

Die Unterscheidung von Bierstilen und Aromen sowie deren Beschreibung war daher auch Kernaufgabe bei der Weltmeisterschaft. Hinzu kam ein Wissenstest und im Halbfinale und Finale jeweils die Präsentation eines Bieres. „Das war wie eine Klausursituation“, beschreibt er die Szenerie. Mit seinem Bruder, der ebenfalls teilnahm, und weiteren Mitstreitern aus dem Rheinland (20 von 70 Teilnehmern der WM kamen aus Deutschland) hatte er im Vorfeld genau diese schon mehrfach trainiert. Ein wenig „Nerd“ müsse man also auch dafür sein, so der IT-Diplominformatiker schmunzelnd.

Das, was Inhalt der Wettkämpfe war, tut der Bonner nebenberuflich auch auf Bier-Tastings bei privaten Feiern, Firmenfeiern oder in Kneipen. Dort sucht er die verschiedenen Biere, möglichst passend zum Essen, aus und stellt sie den Gästen vor. Zudem gibt er Heimbrau-Kurse.

Seit der Weltmeisterschaft haben aber nicht nur diese Termine deutlich zugenommen. Auch die Anfragen von der Presse, als Jurymitglied bei Wettbewerben oder von Firmen bezüglich Messeauftritten sind bis heute nicht abgerissen, berichtet er. Fünf bis sechs Stunden pro Woche dauere es alleine, die Anrufe und E-Mails zu bearbeiten. Im kürzlich ins Leben gerufenen Bonner Heimbrauerverein arbeiten er und seine Mitstreiter aktuell daran, eine gemeinsame Struktur für Veranstaltungen und das Brauen zu schaffen. Eine hauptberufliche Tätigkeit steht aber nicht zur Debatte. „Wenn man ein Hobby zum Beruf macht, hat man kein Hobby mehr“, findet Hilbrandt.

Kölsch im Sommer

Davon abschalten kann er dagegen im Freundeskreis, denn „unter Freunden ist man ja nicht der Sommelier“, so der 32-Jährige. Zwar werde er immer wieder mal gefragt, wie er das gerade auf dem Tisch stehende Bier denn so finde. Doch allzu lästige Fragen gebe es dann nicht. „Die Auswahl in den Kneipen ist ja leider meistens begrenzt“, sagt Hilbrandt. „Meist geht es da ja nur um Kölsch oder Pils.“

Ein Lieblingsbier hat Hilbrandt nicht – denn genau darum gehe es ja bei seinem Hobby. „Im Sommer trinke ich gerne mal ein Kölsch, im Winter auch mal schwerere Sachen, wie zum Beispiel Stout“, verrät er. Letztlich gehe es aber darum, immer wieder unterschiedliche Biere zu genießen. Diesen Ansatz möchte er gerne auch anderen vermitteln. „Man sollte Bier stärker als Genussmittel wahrnehmen und sich an verschiedene Geschmacksrichtungen herantrauen.“