Kommentar zum Busunfall in Bonn

Das gibt zu denken

Im Krankenhaus: Anna Jung mit ihrem Sohn Walter.

Im Krankenhaus: Anna Jung mit ihrem Sohn Walter.

Bonn. In Bonn besteigen jedes Jahr 92 Millionen Mal Menschen einen Bus oder eine Bahn, sagen die Stadtwerk. Gerade am frühen Morgen oder späten Nachmittag ist das oft kein Vergnügen – auch nicht für das Personal.

Genervte Fahrgäste, Zeitdruck und Platzmangel sorgen für reichlich Ärger auch auf dem Fahrersitz. Viele Fahrgäste nehmen die Türen nicht als Sicherheitsrisiko wahr. Sie stehen in den Schließbereichen, stellen sich in die Lichtschranken, um die Tür für andere offen zu halten, und nehmen damit bewusst Verspätungen in Kauf. Und wenn die Türen nicht irgendwann schließen, geht die Fahrt gar nicht weiter.

Der großen Nachfrage sind die überwiegend in die Jahre gekommenen Fahrzeuge der Stadtwerke in Stoßzeiten kaum noch gewachsen. Es fehlt an technischer Ausstattung zur Warnung bei fehlerhaft geschlossenen Türen. Ohne deutlichen Hinweis eine Tür einfach zu schließen, obgleich der Ausstieg noch nicht frei ist, ist zumindest unverantwortlich.

Insofern tut das Unternehmen nicht gut daran, die Schuld an den Unfällen, die durch schließende Türen verursacht werden, ausschließlich dem Personal anzulasten. Und die Aussage der Stadtwerke, man kümmere sich nicht um verletzte Fahrgäste, gibt zu denken. Ein Wort des Bedauerns verbunden mit Genesungswünschen wäre das Mindeste, was das Beförderungsunternehmen und der jeweils zuständige Fahrer den Unfallopfern schuldig wären.