Buchecker zähmt Paradiesvogel

Das designierte Bonner Prinzenpaar im Porträt

Bonn. Thomas Zimmermann und Anne-Christin Mittrich sind Karneval ein Paar: Bonns Prinz hat Respekt vor dem Amt und lernt von seiner Bonna die Narrenetikette.

Thomas Zimmermann ist Tanzlehrer, selbst ernannte Rampensau und auf vielen Bühnen zu Hause. Die Rolle des Bonner Prinzen ist ihm also auf den Leib geschnitten. Einspruch: Den rheinischen Karneval kennt der gebürtige Karlsruher bislang nur aus der Rolle des Beobachters. Auf diesem Parkett kennt er noch nicht die richtige Schrittfolge. Was benötigt er? Richtig: Eine Bonna, die ihn sicher durch den bönnschen Fastelovend führt – und zwar Schritt für Schritt.

Anne-Christin Mittrich erfüllt dieses Anforderungsprofil bestens. Ihr Gen-Pool ist genährt vom ältestem Endenicher Karnevalsadel: Mutter Marion Leyer war vor genau 20 Jahren an der Seite von Chef-Springmaus Andreas Etienne selbst Bonna. Großmutter Leni Thelen ist ein Urgestein des Endenicher Karnevals. Selbstverständlich, dass das Generationen-Trio beim Damenkomitee Lustige Bucheckern zum unverzichtbaren Stammpersonal zählt.

Ein Prinzenpaar, das sich somit bestens ergänzt. Beide haben unterschiedliche Stärken, mögliche Schwächen können vom Partner überspielt werden. Einer erfolgreichen Regentschaft steht also nichts im Wege? Ganz so einfach machen es sich die beiden dann doch nicht. Sie wissen um die Bedeutung ihrer Rollen, um die Strahlkraft der weißen Ornate und den gesellschaftlichen Stellenwert des Bonner Karnevals.

„Ich kann mich auf jedem Parkett bewegen, wenn dazu Musik ertönt. Aber dem Bonner Karneval stehe ich mit Respekt gegenüber. Als Paradiesvogel bin ich darauf angewiesen, dass meine karnevalserprobte Bonna mich an die Hand nimmt und mich notfalls zügelt“, sagte Thomas Zimmermann im Gespräch mit dem GA. Tanzen und Karneval haben nach Ansicht des designierten Prinzen viele Parallelen: Es sind Orte der Freude, beides erzeugt Nähe, Kostüme sind erwünscht.

Lange und anstrengende Session

Thomas Zimmermann war überrascht und erfreut zugleich, dass der Festausschuss Bonner Karneval überhaupt kein Problem mit seiner Homosexualität hat: „Ich bin immer offen damit umgegangen, aber jetzt erfährt es die ganze Bonner Stadtgesellschaft.“

Anne-Christin ist es wichtig, ein Prinzenpaar für alle Schichten und Altersgruppen zu sein: „Unser Motto 'Mir all sin Bönnsche' eignet sich besonders dafür, Karneval in allen Winkeln unserer schönen Stadt zu feiern. Und dazu wollen wir beitragen.“In den vergangenen Wochen haben die beiden viel miteinander gesprochen, sich näher kennengelernt. „Als Prinzenpaar passen wir gut zusammen. Wir ergänzen uns, haben unterschiedliche Stärken“, sagt die 32-Jährige.

Die Session ist lang und anstrengend. Erst am 6. März ist Aschermittwoch. Was sagen die Partner? „Ich habe meinem Mann angekündigt, dass er mich acht Wochen lang kaum sehen wird. Er war einverstanden, weil er weiß, dass für mich ein Traum in Erfüllung geht“, betonte Anne-Christin. Beim Prinzen war es ähnlich: Sein Lebenspartner zeigte Verständnis, und in der Tanzschule packen alle Kollegen mit an, um den Chef zu ersetzen. Und wie erlebt Oma Leni den Wirbel um die Enkelin? „Sie ist wahrscheinlich aufgeregter als ich selbst.“ Für ihren öffentlichen Auftritt am Sonntag, 11. November, auf dem Marktplatz hat sich das designierte Prinzenpaar eine Überraschung für die Gäste einfallen lassen. „Wir werden aber noch nichts verraten und rufen alle Bonner Karnevalsfreunde auf, am Sonntag dabei zu sein“, sagte Thomas Zimmermann.

Programm: Start ist an diesen Sonntag um 10.30 Uhr auf dem Marktplatz. Ab 11.11 Uhr werden die Tollitäten aus Bonn, Bad Godesberg, Beuel und Liküra vorgestellt. Danach spielen Köbesse (12 Uhr), Kuhl un de Gäng (1 2.40 Uhr), Jot Drop (13.15 Uhr) und Sechs Kölsch (13.45 Uhr)