Varieté in Bonn Das bietet die neue GOP-Show "Appartement"

David Louch jongliert mit Pümpeln zu klassischer Musik.

Bonn. Die neue GOP-Show „Appartement“ zeigt den turbulenten Alltag einer Wohngemeinschaft. Neun Artisten garnieren ihn mit viel Slapstick und pointierten Reprisen.

Ob es im theatereigenen Boarding-Haus des GOP wohl so zugeht? Ob sich da die Mitbewohner gegenseitig die Bälle respektive Jonglier-Keulen zuwerfen, gemeinsame Handstände machen, in die Vorhänge gewickelt durchs Wohnzimmer pendeln, mit Pömpeln aus dem Badezimmer jonglieren und zwischendurch schmatzende Plopp-Geräusche im Viervierteltakt der Musik machen, sich bisweilen gegenseitig die Kellertreppe hinabstürzen und wenig später gemeinsam ausgelassen auf dem blauen Sofa zum Selfie posieren?

Nein, so wird es wohl nicht sein. Aber die Vorstellung ist zweifellos charmant. Deshalb hat die erfahrene Regisseurin Sabine Rieck daraus eine turbulente Show formatiert, die am Donnerstag im Bonner Ableger des GOP ihre heftig bejubelte Premiere feierte.

Was die neun Artisten in „Appartement“ auf die Beine stellen, strapaziert mit viel Slapstick und pointierten Reprisen immer wieder die Lachnerven. Gesprochen wird nur wenig verhunztes Französisch. Ansonsten sorgen übertriebene Mimik und Gesten bei der an Stummfilme angelehnten musikalischen Untermalung für die Verständigung.

Unter anderem zwei ungleiche Zwillinge in bunten Hemden, das verträumte Mädchen vom Dachboden und der Sprayer-Freak in Unterhose und Bademantel aus dem Keller bevölkern die ehemals glanzvolle Residenz zweier verarmter Aristokraten in Paris. Fehlt noch der rothaarige Vamp, der nach einem hinreißenden Entrée das letzte freie Zimmer belegt und das unsichtbare Kräftegleichgewicht in der WG gehörig in Unordnung bringt. Man wundert sich, das zum Ende des zweistündigen Programms nicht viel mehr von der verstaubten Einrichtung im Hause du Fèvre zu Bruch gegangen ist.

Immer wieder läuft man sich über den Weg. Immer wieder gibt es Anlass, Alltagsgegenstände artistisch einzusetzen. Da wird gemeinsam jongliert, da fliegen bei einer urkomischen Parodie auf die klassische Messerwerfer-Nummer nicht die Fetzen, sondern Dart-Pfeile in Richtung der schreckhaften Hausherrin und ihrer Luftballons. Schließlich wagt sich die ganze Truppe im Licht von Taschenlampen in den Keller, wo Thibault Theyssens als wunderliches Kellerkind im Cyr-Rad seine verqueren Runden dreht.

Ein artistischer Höhepunkt, den man Zuhause nicht nachmachen sollte, ist die Leiterbalance des Australiers James Holt auf dem Russischen Barren. Jason Fergusson und Coen Clarke vollführen zusammen imponierende Handstände. Anne-Marie Poirier sorgt für unzählige Verwicklungen am Vertikaltuch und wagt mit ihrem Partner Fergusson einen schwindelerregenden Pas des deux am Seil.

Vita Radionova verbiegt sich im Glitzerkostüm. Und alle zusammen zeigen in einer herrlich albernen Gruppennummer, wie man sich mit einer Art Bauchtanz auch ohne Hände die Hose hochziehen kann – als Partyspiel nach der Einnahme anregender Getränke oder für Vieltelefonierer ohne Headset durchaus zum Ausprobieren empfohlen.

Wer im Frühjahr an der poetischen Show „La Luna“ seine Freude hatte, der wird auch bei „Appartement“ mit Sicherheit auf seine Kosten kommen.

Zu sehen ist das Programm bis 4. November jeweils von Mittwochs bis Sonntag. Karten gibt es unter 0228/4224141 oder unter www.varite.de.

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