40 Jahre Verein Bonner Sternwarte

Das Universum fasziniert

BONN. Der Blick zu den Sternen hat von jeher den Menschen in seinen Bann gezogen. Für das geheimnisvolle Funkeln im nächtlichen Himmel interessieren sich auch eine Menge Bonner. Rund 140 Mitglieder zählt der Verein Volkssternenwarte Bonn, der den alten Kuppelsaal im hinteren Teil der alten Sternwarte an der Poppelsdorfer Allee als Vereinsgebäude nutzt. Am Sonntag, 28. Oktober, feiert der Verein sein 40-jähriges Bestehen und lädt zum Tag der offenen Tür in den kleinen Kuppelsaal, das Refraktorium, nach Poppelsdorf ein.

"Das Universum ist unglaublich künstlerisch gestaltet und spannend", erzählt Vorstandsmitglied Jürgen Wirth begeistert. "Es gleicht kein Körper dem anderen, die Vielfalt ist unermesslich."Als die alte Sternwarte mit ihren vier Beobachtungstürmen im Jahr 1843 und 50 Jahre später der Kuppelsaal gebaut wurden, gab es in Poppelsdorf nur freies Feld und vereinzelt ein paar Gaslaternen. "Die Sicht in den Himmel war so klar, wie man sie heute nur noch in Hawaii oder auf Teneriffa hat", schildert Wirth.

Für professionelle Sternwarten sei mittlerweile in ganz Deutschland die Licht- und Luftverschmutzung viel zu hoch. Schon nach dem Ersten Weltkrieg sei die Beobachtung deutlich schwieriger geworden, seit den 1960-er Jahren praktisch unmöglich. Heute ist die alte Sternwarte nur noch historisches Erbe.

Dass Bonn früher einmal eine große Bedeutung in der Astronomie spielte, wissen heute nur noch die wenigsten. Die vom Bonner Astronom Friedrich Argelander in Poppelsdorf erstellte "Bonner Durchmusterung" werde heute noch für Messungen der Sternbewegungen herangezogen werden, weiß Hobbyastronom Wilfried Bongartz.

"Damit das Bild bei den Beobachtungen durch die Teleskope nicht verwackelte, wurde die komplette Straßenbahnlinie der Sternwarte angepasst," erzählt er, und meint damit den Schlenker der Linie vom Bonner Talweg in die Königstraße.

Mittlerweile lassen sich die Dachluken in den zylindrischen Türmen und dem gewölbten Holzdach des Kuppelsaals nicht mehr öffnen. Heute schauen die Bonner Hobbyastronomen vom Vorplatz in die Sterne. "Wenn wir Beobachtungsabende für Laien anbieten, sind die Neulinge beim ersten Blick durch das Teleskop oft etwas ernüchtert", erzählt Bongartz.

"Zwar sind die Objekte trotz Vergrößerung immer noch sehr klein, die Faszination ist aber zu wissen, was dort gerade passiert. Sternenexplosionen, Sonnenflecken oder Planeten mit bloßem Auge zu sehen, ist ein großartiges Gefühl."

Die Mitglieder des Vereins stehen am Tag der offenen Tür Laien beim Blick in den Himmel beratend zur Seite. "Wer überlegt, sich ein Hobbyteleskop zu kaufen, sollte sich unbedingt vorher von Astronomen beraten lassen", weiß Bongartz.

Die Enttäuschung könnte später bei einem preiswerten Teleskop groß sein. Denn für einen schönen Blick ins Universum braucht es gute Linsen und vor allem eine stabile Montierung. Auch in der alten Sternwarte ist der Teleskopsockel vom restlichen Gebäude statisch entkoppelt, damit das Bild nicht verwackelt.

"Wir arbeiten daran, die alte Sternwarte für die Bevölkerung wieder ans Laufen zu bringen. Wo früher Argelander den Himmel vermessen hat, sollen bald Bürger den Himmel über Bonn bewundern können." Dann würde die Volkssternwarte auch wieder dem Wortsinn seiner Bedeutung gerecht.

Beim Tag der offenen Tür an diesem Sonntag werden verschiedene Kurzvorträge und Aktionen in der alten Sternwarte in Poppelsdorf, Poppelsdorfer Allee 47, angeboten.

  • 11.30 Uhr: Sonne, Mond und Sterne (Astronomieworkshop für Kinder ab sechs Jahren)
  • 13.30 Uhr: Informationen über Amateurastronomie
  • 14.30 Uhr: Sternwelten am Herbsthimmel
  • 15.30 Uhr: Planeten 2012
  • 16.30 Uhr: Radioastronomie
  • 17.30 Uhr: Satellitenbeobachtung

Weitere Informationen gibt es auf www.volkssternwarte-bonn.de