Neuer Hype aus den USA

Das Trendspielzeug Fidget Spinner dreht sich in Bonn

Bonn. Fidget Spinner sind das neue Trendspielzeug aus den USA und langsam auch in Deutschland heiß begehrt. In Bonn sind die Kreisel allerdings noch schwer zu kriegen.

Zauberwürfel, Tamagotchi, Loom Bands, Jo-Jo, Slime, Powerballs und zuletzt Pokémon Go: Es vergeht kaum ein Jahr, ohne dass irgendein Trendspielzeug den Kindern und Jugendlichen den Kopf verdreht. Manchem Erwachsenen auch. Jetzt schwappen die Fidget Spinner zu uns – wie so oft von den USA aus über den großen Teich. So gewaltig, dass die Händler gar nicht mehr hinterherkommen. Auch in Bonn.

Das Ding an sich ist recht unscheinbar, vollkommen analog und taschengeldkompatibel. Im Prinzip auch nutzlos. Trotzdem wollen viele die kleinen Handwindmühlen haben. Die bestehen aus drei mit Gewichten besetzten Flügeln an einem Kugellager in der Mitte. Einmal angeschubst, drehen sich die besten Exemplare mehrere Minuten lang. Zeit, um sie vom einen auf den nächsten Finger zu legen, zu drehen oder einfach nur fasziniert zuzusehen. Das soll beruhigen.

In den USA haben einige Schulen die Spinner bereits verboten oder verlangen zumindest, dass sie im Ranzen bleiben. Es gebe aber auch Lehrer, die die Kreisel bewusst den Kindern gäben, damit sie sich nach getaner Arbeit beschäftigten, versichert ein junger Mitarbeiter bei Puppenkönig in Bonn.

Stress- und Nervositätsabbau

Der 17-Jährige verweist auf Stress- und Nervositätsabbau. Doch ob die Fidget Spinner tatsächlich einen Zappelphilipp handzahm machen oder sogar bei ADHS helfen, wie es die Werbung verspricht, ist bislang nicht erwiesen. Allerdings stecken „Herumhampeln“ und „Unruhe“ schon im englischen Namen – genau das bedeutet „Fidget“.

Es dürfte also der Spaß im Vordergrund stehen, was unzählige Youtube-Videos beweisen. Da treiben Freaks die an Ninja-Wurfsterne erinnernden Scheiben mit Pressluft an und testen, ob sie in extremer Drehbewegung Teekannen aus Porzellan zerschlagen können. Sie stellen fest, dass sie auf die Nase fliegen, wenn sie ein Skateboardrad durch einen Spinner mit seinem Kugellager ersetzen und dass man sogar ein Partyfeuerwerk daran befestigen kann. Nachmachen? Besser nicht.

 

Dabei wären die Bonner erst mal froh, überhaupt an die Spinner ranzukommen. Bei Kaufhof rechnet man nicht vor Ende Mai mit einer Lieferung. „Das ist praktisch eine Geisterstadt für das Zeug“, sagt der junge Mann bei Puppenkönig, der gerade mal Ware da hat. An einem Tag gingen allein 50 Kreisel über den Ladentisch – also in doppelter Klassenstärke.

So hatte der 15-jährige Sohn von Bettina Kraus solch ein Gerät erstmals bei einem Freund gesehen und sich ein Exemplar im Internet bestellt. „Das war Müll, und es gab ewige Lieferzeiten“, sagt sie. Jetzt braucht die Bad Godesbergerin ein Exemplar als Geschenk für Samstag. Sie findet die Dinger gar nicht so schlecht, „denn sie sind ein bisschen Old School“. Bei ihren drei Jungs hat sie beobachtet: „Die geben die Spinner eine Woche lang nicht mehr aus der Hand. Dann lässt die Attraktivität nach.“

Scheibe in den 90er-Jahren erfunden

Wahrscheinlich hat die Ingenieurin Catherine Hettinger aus Orlando die Wirbelscheiben Anfang der 90er Jahre erfunden. Zumindest funktionierte ihr Spielzeug nach einem ähnlichen Prinzip. Für ihr Patent zahlte sie dann nicht mehr, es lief vor einigen Jahren aus. Vom aktuellen Rummel profitiert sie finanziell nicht.

Wie sollte sie auch von dem Kuchen was abkriegen, der zum Beispiel in Frankreich längst auf der Straße verteilt wird? Entgegen dem deutschen (Noch-) Notstand gibt es die Fidget Spinner an vielen Straßenecken – in Montmartre oder am Trocadero: Praktisch jeder Händler, der kleine goldene Nippes-Eiffeltürme verkauft, hat auch die Drehscheiben im Angebot. Bonner Austauschschüler schafften es vor wenigen Tagen sogar zu handeln: Statt einen bekamen sie am Ende sogar zwei Spinner für fünf Euro. Da nimmt man dann auch gern mal einen für den Bruder oder die Schwester zu Hause mit. Ist sowieso nicht ein reines Jungs-Ding.

Nicht nur was für Schüler

Selbst in manchen Büros wird schon gedreht: während Konferenzen oder zwischendurch beim Kaffee. Die Modelle kommen bisweilen aus 3D-Druckern. Teure Luxusvarianten bestehen aus Metall. Ihre Qualität wird auch daran gemessen, wie laut sie sind und wie lange sie kreisen.

Es ist zu vermuten, dass auch in Bonn die Regale nicht mehr lange leer bleiben. Händler sprechen vom „Trendspielzeug des Sommers“. Spätestens wenn das in den Ein-Euro-Läden rumliegt, ist der Hype wohl bald vorbei. Nach dem Ausverkauf müssen halt alle wieder an ihren Nägeln kauen oder mit dem Geknipse am Kugelschreiber andere nerven. (mit Material von dpa)