VHS-Chefin Ingrid Schöll

"Das Haus der Bildung tut der Stadt Bonn gut"

Blick in die Herzkammer des Hauses der Bildung: Ingrid Schöll findet den Sichtkontakt zwischen VHS und Stadtbibliothek immens wichtig.

Blick in die Herzkammer des Hauses der Bildung: Ingrid Schöll findet den Sichtkontakt zwischen VHS und Stadtbibliothek immens wichtig.

Bonn. Die VHS-Chefin Ingrid Schöll zieht nach zwei Jahren im Haus der Bildung eine positive Bilanz – und genießt täglich die Architektur. Ein Rundgang durch das Gebäude.

„Dieses Haus atmet Geschichte“, schwärmt Ingrid Schöll beim Anblick der Fassade des Bonner Hauses der Bildung am Mülheimer Platz, seit zwei Jahren der Arbeitsplatz der Volkshochschul-Chefin. Ein ungewöhnlicher Ausspruch angesichts eines Neubaus, der keine Sekunde daran zweifeln lässt, dass er mit seiner modernen Architektursprache auf der Höhe der Zeit steht.

Wo bleibt die Geschichte? Im Inneren gelingt mit fließender Eleganz die Fusion eines Neubaus mit der Struktur eines Amtsgebäudes, dem „Alten Stadthaus“, ein 20er-Jahre-Bau von German Bestelmeyer. Außen musste sich die Fassade des Berliner Architekten Alexander Koblitz mit zwei sehr unterschiedlichen Bauten auseinandersetzen: Rechter Hand mit dem sich dem Stil eines barocken kurfürstlichen Residenzbaus anlehnenden Bestelmeyer-Bau, links mit einem Gründerzeithaus in der Münsterstraße. Beides Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen.

„Die Harmonie mit dem Altbau finde ich sehr gelungen“, Schöll ist auch ganz begeistert von den riesigen „Stadtfenstern“, die den Neubau zur Altstadt hin öffnen, vom neuen Stadtraum, der im Anschluss an den Bottlerplatz entstanden ist, vom Café, das sich einladend öffnet. Was man zunächst nicht sieht, ist, wie schmal der Grundriss von Koblitz' Haus der Bildung ist. Mit einem Trick schuf er Fläche: Im ersten Geschoss schiebt sich der Bau wie ein Erker, der über die ganze Breite des Hauses geht, gewaltig nach vorne.

Saal ist Herzstück des Neubaus

Anders hätte sich etwa der Veranstaltungssaal gar nicht realisieren lassen. Schöll setzt sich dort dekorativ ins monumentale „Stadtfenster“ und gesteht, dass sie sich zunächst gar nicht vorstellen konnte, was Koblitz genau damit meinte: „Man lernt dazu mit den Architekten.“ Sie hat viel gelernt, war von Angang in die Planungen einbezogen Die promovierte Bildungswissenschaftlerin ist also nicht nur bloße Nutzerin, sondern hat den Bau von den Anfängen an begleitet.

Der 150 Besucher fassende Saal, das Herzstück des Neubaus, strahle mit seiner Holzverkleidung eine gewisse Gemütlichkeit aus. „Für unsere Zwecke ist das gut – hier kommt keine Aggression auf“, sagt Schöll und erinnert an eine Debatte über die Bonner Seilbahn, die in diesem Ambiente ruhig und konstruktiv über die Bühne gegangen sei. „Diskursqualität“, nennt sie das. Ein anderes Stichwort ist „Materialität“. Schöll lobt Koblitz‘ Vorliebe für hochwertige Materialien, die im Haus der Bildung nicht nur für Behaglichkeit sorgen, sondern dem Besucher auch einen gewissen Respekt abverlangen: „Hier würde niemand die Wände vollschmieren“, sagt sie zum edlen Ambiente im Foyer vor dem Vortragssaal.

 

Originelle Raumlösungen

Koblitz hat etwa im Café und im Vortragssaal schöne Hölzer verwendet, hat Einbaumöbel konzipiert, die Holztüren sind dunkel gebeizt. „Ich finde es klasse, dass diese Material-Qualität jedem Besucher des Hauses der Bildung zur Verfügung steht – hier geht es um Wertschätzung“, sinniert Schöll. Bei den Böden setzte Koblitz auf warme Farben und hochwertiges Material: Solnhofer Platten und Terrazzo. Letzterer schafft zwar wohnliche Atmosphäre, ist aber, wie man sieht, zu empfindlich für hoch frequentierte Passagen im Neubau.

Das Haus der Bildung glänzt mit originellen Raumlösungen, allen voran der riesige überdachte Lese- und Lichthof, der anstelle der beiden Innenhöfe das Nervenzentrum des Ensembles mit Lehrräumen der VHS und Lesebereich der Stadtbibliothek bildet. Attraktion im Lichthof ist das riesige „Lesemöbel“ (Koblitz), ein zweigeschossiger Aufenthaltsort für den Leser – schlicht in der Form und edel im Material. Verbunden werden die Geschosse durch eine markante Freitreppe, die zur oberen Empore führt.

Wie im Theater bieten sich die Fensterplätze des Innenhofs als Logen- und Leseplätze an. Eine schöne Inszenierung, die man aus verschiedensten Perspektiven genießen kann: Von den „Logen“ aus, im Lesesaal selber und durch Fenster auf drei Etagen des VHS-Neubaus, die sich zum Lesehof hin öffnen. „Es war mir wichtig, dass es diese Sichtbeziehungen zwischen Volkshochschule und Stadtbibliothek gibt“, sagt Schöll.

Farbkonzept sorgt für Abwechslung

Wer es gerne etwas intimer hat kann sich im behaglich möblierten „Literarischen Salon“ niederlassen. Braune Wände und Stäbchenparkett sorgen für Atmosphäre. Hier fehlen nur noch das flackernde Kaminfeuer und das Glas Bordeauxwein. Dass Architekt Koblitz es immer wieder mit alter Bausubstanz, mit Aspekten des Denkmal- und Feuerschutzes zu tun hatte merkt man auf Schritt und Tritt.

Die Solnhofer Platten im Altbau wurden erhalten, die alten Türen entweder aufgearbeitet oder originalgetreu in historischer Gestalt nachgebaut. Sprossenfenster erlauben im rückwärtigen Verwaltungstrakt einen geradezu romantischen Blick auf den Florentiusgraben, weniger idyllisch auf die Rückseite von C&A. „Jeder Kollege hat einen anderen Blick auf die Stadt“, freut sich Schöll. Schlichtes Mobiliar, dezente Farbgebung prägen die Büros, Antiquitäten sorgen für Abwechslung.

Überrascht von Farborgie

Aus Brandschutzgründen mussten die Gänge vor den Seminarräumen im Altbau frei bleiben. Schöll nutzte einige Türnischen, um Vitrinen zur Bonner Geschichte einzurichten. Wer hier zu einem Kurs komme, erlebe auch sonst einiges: Der Gang atme eine natürliche Ruhe, überall böten sich Ausblicke, Perspektiven auf die Stadt. Und im Seminarraum weckt ein knallgelber Linoleumboden die Lebensgeister und schafft Konzentration. Woanders sorgte die Farbe Gelb für Debatten. Ganz in Gelb sind die Räume für Yoga, Gymnastik und Autogenes Training gehalten, die Türen dazu in einem tiefen Rot. „Die, die zu den Kursen kommen, finden es wunderbar“, sagt Schöll aber es gebe auch Ablehnung.

Sie selbst wurde von der Farborgie überrascht, erzählt sie. Im Exposé des Architekten habe sie die Passage über das Farbkonzept dieser Räume wohl überlesen, räumt sie ein. Farblich harmonischer in Grau und Rot, gemütlich trotz der gebotenen Funktionalität geht es in der sehr gelungenen Lehrküche mit zwölf Kochplätzen zu. Da möchte man gleich loslegen.

„Wir sind die Nutzer und freuen uns täglich“, lautet Schölls Fazit nach zwei Jahren im Haus der Bildung, „wir sind eine Ergänzung – diese Architektur tut der Stadt gut“.