26,4 Millionen Euro-Projekt eingeweiht

Das Haus der Bildung ist eröffnet

BONN. Die Bücherregale sind gut gefüllt. Die Leseecken laden zum schmökern ein und die Klassenräume warten auf die Schüler: Das neue Haus der Bildung ist fertig. Es vereint unter seinem Dach die Zentralbibliothek, die Volkshochschule und das Literaturhaus.

Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, NRW-Bauminister Michael Groschek, Bezirksbürgermeister Helmut Kollig und Uni-Rektor Michael Hoch weihten am Freitag den Neubau und das sich nahtlos anschließende sanierte Alte Stadthaus am Bottlerplatz mit vielen geladenen Gästen ein - darunter auch Stadtdechant Wilfried Schumacher, die Bundestagsabgeordnete Claudia Lücking-Michel (CDU) und die beiden Landtagsabgeordneten Rolf Beu (Grüne) und Bernhard von Grünberg (SPD).

Während die VHS bereits am Montag ihren Betrieb am neuen Standort aufnimmt, müssen sich die Leseratten noch etwas gedulden: Die Bibliothek öffnet am Mittwoch, 9. September, für den Publikumsverkehr. Es müssen noch einige Restarbeiten ausgeführt werden.

Eröffnung um ein Jahr verschoben

"Diese Projekt liegt vielen Menschen am Herzen", sagte Nimptsch. Beinahe überschwänglich lobte er die Vorzüge des Hauses, das für Bonn sehr wichtig sei. Es sei ein öffentlicher Ort der Bildung, Weiterbildung und Kultur, wodurch die Innenstadt kulturell und bürgerschaftlich eine Aufwertung erfahre. Die um mehr als ein Jahr verschobene Eröffnung und die Kostensteigerung von rund 20 Millionen Euro auf zurzeit 26,4 Millionen Euro führte Nimptsch nicht zuletzt auf den Umstand zurück, dass das denkmalgeschützte Alte Stadthaus während der Sanierung mit der einen oder anderen negativen Überraschung aufwartete. "Das mit dem Geld sehen wir an dieser Stelle etwas gelassener", sagte er. Alle Entscheidungsträger hätten begriffen, dass es auf Dauer teurer sei, keine Bildung zu haben als Bildung zu finanzieren.

Mit keinem Wort ging Nimptsch auf die Kehrseite der Medaille ein: Die Rechnung für das Haus der Bildung zahlen die Stadtteilbibliotheken mit. Das machten Mitglieder der Fördervereine aus Dottendorf und Endenich deutlich, die draußen gegen die drohende Schließung ihrer Ortsbüchereien demonstrierten. Von der SPD erfuhren sie, dass angeblich einen Tag nach der OB-Wahl beide Einrichtungen definitiv geschlossen werden sollen. Davon wusste Kulturdezernent Martin Schumacher nichts. "Ich habe noch Gespräche mit den Fördervereinen Anfang September terminiert", sagte er dem GA. Dabei solle über eine ehrenamtliche Fortführung der Stadtteilbibliotheken mit städtischer Hilfe gesprochen werden.

Groschek, dessen Ministerium das Haus der Bildung mit rund neun Millionen Euro fördert, sagte, er habe den Endenicher Förderverein ins Ministerium eingeladen. "Wir haben auch eine Verantwortung für eine vernünftige Quartiersentwicklung", sagte er. Auf GA-Nachfrage meinte er, "ich kann natürlich nicht versprechen, dass ich die Büchereien retten werde". Die SPD-Landtagsabgeordnete Renate Hendricks lobte in einer Presseerklärung am Freitag das Haus der Bildung als "Magnet für alle Bürger", warnte aber davor, die Angebote in den Stadtteilen auszuhöhlen.

Tag der offenen Tür

Zum Tag der offenen Tür lädt die Stadt Bonn ins das neue Haus der Bildung ein. Neben der Volkshochschule und der Stadtbibliothek ist auch das Literaturhaus in die neuen Räume am Bottlerplatz gezogen. Interessierte können zwischen 12.30 und 16.30 Uhr einen Blick in die neuen Räume werfen. Sie erwartet zudem ein abwechslungsreiches Familienprogramm: Unter anderem gibt es im Literarischen Salon Lesungen aus "Pippi Langstrumpf". Die Figur aus dem Kinderbuch von Astrid Lindgren feiert 70. Geburtstag. Ab 14.30 Uhr kann zudem jeder Krimiliebhaber zusammen mit Autorin Juith Merchant einen Kriminalroman schreiben. Jeder, der sich kreativ betätigen möchte, ist dazu eingeladen.

Das komplette Programm gibt es im Internet unter www.bonn.de.