Aufführung von "Millenium Domum"

Das Bonner Münster wird zur Bühne

Das Kostüm sitzt: Schauspieler und Springmaus-Leiter Andreas Etienne (l.) und der ehemalige Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch fühlen sich im Innenhof des Bonner Münsters in ihre Rolle ein.

Das Kostüm sitzt: Schauspieler und Springmaus-Leiter Andreas Etienne (l.) und der ehemalige Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch fühlen sich im Innenhof des Bonner Münsters in ihre Rolle ein.

Bonn. Das Benefizstück zeigt den Bau des Bonner Wahrzeichens. In die Rollen von Steinmetzen, Mönchen und Bürgern schlüpfen bekannte Bonner Politiker, Kabarettisten und Schauspieler.

Eine Kostümprobe kann durchaus lustig sein – das zeigten am Samstag einige Darsteller des Stückes „Millenium Domum“ bei der ersten Probe im Bonner Münster, aus der Feder von Alt-Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch. „Ihr müsst die Kette hier durch ziehen“, sagt Kostümbildnerin Marette Oppenberg und hilft Manfred Erwe bei der Anprobe, bevor sie den richtigen Sitz der Kordel um Jürgen Nimptschs Mönchskutte begutachtet. Kleiderständer behangen mit historischen Gewändern stehen am Rand des Kapitelsaals. Lederne Sandalen, hölzerne Bierkrüge und Holzkreuze an langen Ketten liegen auf einem Nebentisch verteilt.

An dem Tag fand die Probe erstmals in Kostümen statt. „Zuerst seid ihr Steinmetze, dann Mönche und zum Schluss Bürger“, erklärt Oppenberg Darsteller Peter Schümmer. „Und hier ziehe ich die Kutte noch drüber?“, fragt dieser irritiert. Es herrscht ungewohnte Betriebsamkeit in dem kleinen Saal, aber auch eine ausgelassene, heitere Stimmung. Amüsiert betrachten sich die Darsteller gegenseitig. Erwe ergreift die Gelegenheit und sinniert im Innenhof des Münsters – so fügt er sich in seine Rolle des Probstes Gerhard von Are ein.

Währenddessen betreten die ersten Darsteller das Münster. Dort wird der Altarraum zur Bühne – trotz der derzeitigen Bauarbeiten. Der Fußboden ist mit Spanplatten geschützt. Dort werden die Zuschauer am 4. und 5. November sitzen, wenn das Stück „Millenium Domum“, was in etwa „Ein Haus für ein Jahrtausend“ bedeutet, aufgeführt wird. Inhaltlich geht es um die Baugeschichte des Bonner Münsters vor rund 1000 Jahren. Was eher ernst klingt, ist ein heiteres Stück über den Probst Gerhard von Are, dem Erbauer der Kirche. In seiner ersten Nacht als Probst hatte dieser eine Vision, als ihm drei keltische Matronen im Traum erscheinen. Es soll endlich eine Verehrung von weiblichen Heiligen geben. Von Are plant den Bau eines großen Gotteshauses, um die Heilige Helena angemessen verehren zu können.

 

Aber warum schlüpfen Erwe, Nimptsch, Etienne und viele andere in diese Schauspielrollen? „Ganz einfach“, sagt Erwe, „weil ich den Probst spielen darf, der auch ein kleines Schlitzohr war und bereits damals im Mittelalter geklüngelt hat. Ganz nach der Devise: Man kennt, man hilft sich. In Ewigkeit Amen.“ Für Nimptsch ist das Münster mit seinem Kreuzgang einer der schönsten Orte in der Stadt, den es zu bewahren gilt. Jeder hat seine eigenen Beweggründe mitzumachen. Auch Norbert Blüm, Bill Mockridge, Konrad Beikircher und Norbert Alich übernehmen eine Rolle in dem Stück. Sie alle seien ihrer Stadt sehr verbunden und wollen dies mit ihrer Teilnahme zeigen.

Die Idee für das Stück entstand vor einem Jahr. Der Erlös der Aufführungen soll die Kirchengemeinde bei der Generalsanierung unterstützen. Risse und Feuchtigkeit hatten eine umfassende Sanierung des Gotteshauses erforderlich gemacht. Kostenpunkt: 20,22 Millionen Euro.

Das Stück „Millenium Domum“ wird am Samstag, 4. November, und Sonntag, 5. November, jeweils ab 15 und 19 Uhr gezeigt. Karten kosten 55 Euro, ermäßigt 41,80 Euro und sind in den Bonnticket-Shops der GA-Zweigstellen und auf bonnticket.de erhältlich.