Wichernhaus in Kessenich

Das 102 Jahre alte Gebäude wird abgerissen

Das Wichernhaus in Kessenich.

Wie ein gieriger Raubdinosaurier greift der Abrissbagger ins Mauerwerk des 102 Jahre alten Wichernhauses. Von dem im Jahr 1913 vom Architekten Julius Rolffs entworfenen Gemeindehaus an der Karl-Barth-Straße in Kessenich steht jetzt schon nicht mehr viel.

"Bis zur Einweihung der Friedenskirche im Jahr 1955, also mehr als 40 Jahre lang, war es das Zentrum der Evangelischen Gemeinde im Bonner Süden", erklärt Heimatforscher Günter Matzke-Hajek. Pfarrer, Küster und Gemeindeschwestern wohnten seinerzeit in dem Gebäude.

"Vermutlich eine vierstellige Zahl von Kindern besuchte im Lauf der Jahrzehnte den Kindergarten, ging später zum Konfirmandenunterricht, traf sich in Gruppen und musizierte dort, pflegte Hobbys und kam im Bücherbasar oder zu Gesprächskreisen zusammen."

Nach einem Bombenschaden im Zweiten Weltkrieg war das Dachgeschoss nach Plänen des Bonner Baumeisters Hans Thon neu gestaltet worden. "Für das städtische Denkmalschutzamt war diese Veränderung dann Grund genug, dem geschichtsträchtigen Haus den Denkmalwert zu versagen", teilt der Heimatforscher nun mit.