Pannen-Baustelle

Dachbau der Beethovenhalle verzögert sich

Bis Weihnachten sollte das Dach wieder mit Kupfer abgedeckt sein. Das wird wohl nicht klappen, sagt Stadtdirektor Fuchs.

Bis Weihnachten sollte das Dach wieder mit Kupfer abgedeckt sein. Das wird wohl nicht klappen, sagt Stadtdirektor Fuchs.

Bonn. Das Dach der Beethovenhalle wird dieses Jahr nicht mehr fertig, weil die Wärmedämmung Mängel hat. Auch die Technikfirmen, die einst beauftragt wurden, sorgen für Probleme: Sie kehren nicht zurück, wie von der Stadt erhofft.

Auf der Baustelle Beethovenhalle sind neue Schwierigkeiten aufgetreten. Die Kupferabdeckung des Daches wird mit Verzögerung installiert, wie Stadtdirektor Wolfgang Fuchs mitteilte. Ursache seien Mängel in der neuen Wärmedämmung, die zunächst behoben werden müssten. „Ich hatte gehofft, dass das Kupferdach vor Weihnachten fertig sein würde“, sagte Fuchs. „Das wird wohl nicht klappen.“ Die Kupferabdeckung sollte im September aufgebracht werden. Das Dach behält vorerst seine Schutzabdeckung.

Beethoven Orchester hat zusätzliche Kosten

Ein anderes, drängendes Problem hat das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB) noch immer nicht lösen können: Keine der Technikfirmen, die vor Monaten ihre Aufträge wegen Zeitverzugs gekündigt haben, ist auf die Baustelle zurückgekehrt. Die ersten beiden der vier Unternehmen mit insgesamt fünf Aufträgen für Sanitär- und Feuerlöschanlagen sowie Klima-, Heiz- und Elektrotechnik hatten sich schon zum Jahreswechsel aus dem Projekt verabschiedet. „Das SGB befindet sich noch in Vertragsverhandlungen mit einer Firma“, erklärte Vize-Stadtsprecher Marc Hoffmann. Eine Firma hatte vor den Sommerferien für zwei Aufträge neue Angebote vorgelegt, die laut Presseamt geprüft werden sollten. Ob diese Prüfung abgeschlossen ist, will die Stadt aber mit Hinweis auf „laufende Verhandlungen“ nicht sagen. Das Problem: Solange die Technik nicht installiert ist, werden folgende Innenausbaugewerke blockiert. Die europaweite Ausschreibung der fünf gekündigten Aufträge dauert nach Veröffentlichung etwa drei Monate. Bisher hat das SGB aber noch keinen einzigen neu ausgeschrieben. Hoffmann: „Es sollen die Ergebnisse der Vertragsverhandlungen abgewartet werden.“

Was das für den Sanierungszeitplan bedeutet, ist unklar. „Aktuell wird mit Hochdruck an einem neuen, abgestimmten Terminplan gearbeitet“, so Hoffmann. „Erst wenn der vorliegt, kann eine Aussage zum Fertigstellungstermin gemacht werden.“ Der letzte Zeitpunkt, den Projektsteuerer Drees & Sommer vor Monaten in internen Papieren genannt hatte, war der Sommer 2022. Die Stadt geht weiter davon aus, dass die Gesamtkosten im schlimmsten Fall bei 166 Millionen Euro liegen werden. Bei Sanierungsstart sollten es 61,5 Millionen Euro sein.

Hohe Kosten für Ausweichorte der Künstler

Laut Stadtdirektor Fuchs ist der Rohbau in der denkmalgeschützten Halle fast abgeschlossen. Im neuen Studio würden gerade die Seitenwände errichtet. Täglich seien 30 bis 60 Personen auf der Baustelle aktiv, unter anderem im Spezialtiefbau, bei Dachabdichtungs- und Metallbauarbeiten. Diese Woche hat das Ingenieurbüro Karl Heinz Schütz & Partner seine Arbeit in der Beethovenhalle aufgenommen. Auf Wunsch der Jamaika-Koalition im Rat soll es drei Monate lang die Baustelle, Planungen und Abläufe analysieren und Verbesserungsvorschläge machen.

Auf Anfrage des Bürger Bunds Bonn (BBB) hat die Stadt mitgeteilt, welche Zusatzkosten dem Beethoven Orchester wegen der überlangen Sanierung entstehen. Seit dem letzten Auftritt in der Halle im Juni 2016 proben und spielen die Musiker zum Beispiel im Brückenforum, dem World Conference Center Bonn (WCCB), der Oper und der Aula der Universität. Für die Beethovenhalle musste das Orchester 2015 einschließlich Personal und Technik knapp 300.000 Euro aufbringen – stadtintern verrechnet. Für die Ausweichorte waren es 2017 rund 635.000 Euro, für 2018 etwa 443.000 Euro. Jetzt soll die Stadt ausrechnen, wie die finanziellen Auswirkungen auf die Oper sind, die wegen der Orchesterkonzerte weniger eigene Vorstellungen spielen kann. Helmut Redeker (SPD): „Wir fordern eine volle Übersicht über all diese Nebenkosten.“