Dialekt in Bonn und der Region

Crashkurs für bönnsche Mundart

Buchautorin Elisabeth Schleier mit ihrem Erstlingswerk.

Buchautorin Elisabeth Schleier mit ihrem Erstlingswerk.

Bonn. Die Stadtführerin Elisabeth Schleier hat einen amüsanten Sprachführer des Bonner Dialekts veröffentlicht.

Elisabeth Schleier ist ehrlich: „Ich habe mir schon ein bisschen Sorgen gemacht, ob ich nicht Kritik auf mich ziehen könnte.“ Die Bonner Mundartsachverständige und Tausendsasserin in Sachen Bonner Geschichte und Geschichten hat ihr erstes Buch herausgebracht. Das macht sie schon ein bisschen stolz. Es heißt „Bönnsch –Wie jeht dat?“ und ist gedacht als Crashkurs für Anfänger der bönnschen Mundart. Aber natürlich ist es auch eine schöne Lektüre für alle, die sich für den Dialekt interessieren. Es hat das Zeug zum Standardwerk, denn es sucht Seinesgleichen.

Für Neubonner – und davon gibt es ja durch Vereinte Nationen, Post und Telekom sehr viele – enthält es zahlreiche hilfreiche Hinweise. Die hat Elisabeth Schleier akribisch gesammelt, notiert und eingeordnet. Dabei kam ihr die Erfahrung ihres Bönnsch-Unterrichts zugute, den sie gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Friedrich regelmäßig in der Mendener Heimatstube gibt.

Überhaupt ist das Ehepaar Schleier in und um Bonn herum einschlägig bekannt durch seine Nachtwächterführungen in der Bonner City, als Protagonisten in den Mundartfilmen von Georg Divossen und als Initiatoren der Hochzeit auf Rheinisch, die lange im Haus der Springmaus zu sehen war. Das Buch ist ein zu Buchstaben geronnener, munterer Kursus über die bönnsche Mottersproch. Es bietet eine kompakte praktische Einführung in den bönnschen Dialekt und erklärt zugleich Herkunft, Entwicklung und Besonderheiten dieser einzigartigen Sprache. Da kommen sogar die Liebhaber der Grammatik auf ihre Kosten.

Bönnsch versus Kölsch

Schleier hat ein Regelwerk destilliert, das die Spezifika des Bönnschen behutsam und mit Liebe zusammenfasst. Denn: „Bönnsch ess e Jeföhl“, sagt Schleier. Und wo es nicht nur Gefühl ist, sondern wohlgeordnet, da gilt Regel 1: Die Bonner kennen kein „G“. Schönstes Beispiel ist der „Fluchzeuschträjer“. Das G erweist sich als sehr wandelbarer Konsonant, der wie ch, sch und j ausgesprochen werden kann. Darüber hinaus kommt er als r (frore) und in wenigen Ausnahmen doch als g (springe) vor.

Was ist sonst noch besonders am Bonner Dialekt, den der Einheimische kurz Bönnsch nennt, und der sich deutlich von der Kölschen Mundart unterscheidet? In Bonn benutzt man gern und oft das „O“. So heißt das Hochdeutsche „laufen“ in Köln „laufe“, aber in Bonn „loofe“. Schleier spürt dem Lieblingsvokal der Bundesstädter nach und kann das offene vom geschlossenen „O“ unterscheiden. Referenz sind das Osten-O und das Ostern-O.

Ebenfalls sehr beliebt ist der Vokal „E“, der gerne einen Konsonanten ersetzt . Das Hochdeutsche „für“ wird im Kölschen zum „för“ und auf Bönnsch zum „füé“. Das ist auch der Grund, weshalb der bönnsche Dialekt wesentlich sanglicher als andere Mundartvarianten. Die Liebe zum Vokal geht sogar so weit, dass das „E“ auch gerne ohne zwingenden Anlass beigegeben wird. So etwa bei der „Wirtschaft“, die dann „Wiétschaff“ heißt – wohlgemerkt mit den beiden aufeinander folgenden Vokalen „i“ und „e“. Im Gegenzug wird gern der letzte Buchstabe weggelassen. Die „Mutter“ heißt dann „Motte“, und das „Hauptpostamt“ (eine wohl im Aussterben begriffene Institution) ist das Haupposamp. Und wo wir schon mal beim Abkürzen sind: Hin und wieder werden Wörter auch synergieeffektiv zusammen gezogen. Dann wird der Satz „Lasst uns gehen“ zu „Lomme jonn“.

Poppeköchekäppesche

Eine besondere Erwähnung findet übrigens die rheinische Verlaufsform. Da wird gewissermaßen mit der Zeitlupe betrachtet, an welcher Stelle eines Vorgangs wir uns befinden. Wenn es heißt „wir denken noch nach“, dann sagt man im Bönnschen: „Me senn noch drahn am övveläje“. In die gleiche Kategorie gehört der ausdrückliche Lieblingssatz von Autorin Elisabeth Schleier: Et hätt aanjefange opzehüére ze rähne. Übersetzt lautet das: Es hat angefangen aufzuhören zu regnen. Da weiß man doch genau, wo man dran ist. Einen ganz besonderen Reiz haben auch die langen bönnschen Komposita, also zusammengesetzte Substantive: Bottemelechsbonnezupp (Buttermilchbohnensuppe), Poussierstängel (Mädchenverführer) und Poppeköchekäppesche (Rosenkohl, auch passend für eine Puppenküche).

Schleiers Lis, also Elisabeth Schleier, ist ganz glücklich, jetzt auch Buchautorin zu sein. Schon als Grundschulkind hatte sie, sobald sie schreiben konnte, in feinster Schönschrift das heimische Märchenbuch abgeschrieben. Um so bedeutender ist für sie jetzt ihr allererstes selbst geschriebenes Werk. Ehrensache, dass sie da keine Fehler machen wollte. Beim Dialekt kommt man in dieser Hinsicht ja schnell auf ganz dünnes Eis. Denn die Mundart ist – wie der Name schon sagt – eine gesprochene Sprache. Und die Unsicherheit startet, wenn man das Gesprochene in Schriftform bringen will. Da gehen die Meinungen schnell weit auseinander. Schleier orientiert sich an den Bonner Kapazitäten Herbert Weffer und Johannes Bücher, aber: „Am Ende entscheide ich selbst, welche Schreibweise mir am passendsten erscheint“, so Schleier. Dieses Selbstbewusstsein resultiert aus ihren ungezählten Vortragsveranstaltungen und der positiven Resonanz von Alt- und Neubürger.

Und so sind wir schnell bei ihrer rheinischen Lebenseinstellung: „Der Rheinländer nimmt die Dinge, aber auch sich selbst, nicht immer so bierernst. Mit Humor geht eben alles besser.“ Und das sollte auch der Bönnsch-Anfänger im Erstkontakt mit dem Dialekt beherzigen. So rät Autorin Elisbeth Schleier: „Mach Dich auf Entdeckungsreise! Trau Dich!“Dann hat auch das Bönnsche eine Zukunft.

Das Buch „Bönnsch – Wie jeht dat? Ein Crash-Kurs in bönnscher Mundart“ ist bei der Edition Lempertz erschienen und iab sofort für 7,99 Euro im Buchhandel zu haben.