Flüchtlingsunterbringung

Containerdorf in Bonn ist seit einem Jahr im Bau

Rein äußerlich ist die Containeranlage im Reuterpark nach einem Jahr bezugsfertig. Aber alle Container sind noch leer.

Rein äußerlich ist die Containeranlage im Reuterpark nach einem Jahr bezugsfertig. Aber alle Container sind noch leer.

Bonn. Die Stadt zahlt vier Millionen für die Anlage im Reuterpark. Die 200 Flüchtlinge können aber bis heute nicht in die Wohnungen. Gründe für die Verzögerung nennt die Verwaltung nicht.

Vor mehr als einem Jahr begannen die Vorarbeiten. Im Januar sollten die ersten Wohncontainer im Reuterpark bis zu 200 Flüchtlingen zur Verfügung stehen. Geschehen ist seither einiges. Nur bezugsfertig ist das Containerdorf bis heute nicht. Wer einen Blick durch die Fenster wirft, sieht nur leere Räume ohne jegliches Mobiliar.

„Die Containerunterkunft ist baulich noch nicht fertiggestellt, daher ist bisher auch noch kein Bezug erfolgt“, erklärt das Bonner Presseamt dazu auf Anfrage. Tatsächlich liegen auf dem Gelände noch Platten zur Wärmedämmung, die aktuell verbaut werden. Das habe aber den Bezug nicht verhindert, erklärt Stefanie Zießnitz aus dem Presseamt, ohne andere Gründe dafür zu benennen. Auch zu den ausführenden Firmen – angeblich wurden die Container aus Rumänien geliefert – macht die Stadt keine näheren Angaben. Sie spricht in ihrer Antwort auf eine GA-Anfrage lediglich von einer „Containerfirma“. Im Nachhinein wird die Firma Zweygart Fachhandelsgruppe GmbH & Co KG als Lieferant genannt. Zweygart betreibt in Bonn einen Fachmarkt für Industrie- und Handwerkerbedarf. Container gehören nicht zum üblichen Sortiment.

Land trägt Teil der Kosten

Für das Unternehmen war das Bonner Ausweichquartier vermutlich ein gutes Geschäft. Kosten in Höhe von vier Millionen Euro veranschlagt die Stadtverwaltung für die Erschließung des Geländes, das Aufstellen der Container und die Baunebenkosten. Nur einen Teil der Kosten trägt das Land über das Flüchtlingsaufnahmegesetz. Mängel des Lieferanten seien von der vertraglich vereinbarten Summe abgezogen worden. Warum die Aufstellung der Container nach über einem Jahr nicht abgeschlossen ist, lässt die Stadt offen.

Eine wirkliche Verwendung für die Anlage gibt es nach dem Abebben der Flüchtlingszahlen offenbar nicht mehr. Zeitweise sei überlegt worden, Polizeieinheiten während der Weltklimakonferenz in den Containern einzuquartieren, bestätigt die Stadt: „Es gab eine Anfrage, allerdings besteht aktuell seitens der Polizei kein Bedarf zur Unterbringung vor Ort.“

Lange können die Container ohnehin nicht im Reuterpark bleiben. Die Baugenehmigung ist auf drei Jahre beschränkt. Die Bauverwaltung lege eine Sonderregelung im Baugesetzbuch so aus, dass die Betriebsdauer mit Inbetriebnahme beginnt, so das Presseamt. Ob die Bauverwaltung die temporäre Genehmigung im Anschluss einfach verlängern könnte, ist ungewiss. Nach der Schenkungsurkunde von 1911 hatte der Vorbesitzer die Fläche der Stadt Bonn ausschließlich für eine Sport- und Erholungsnutzung überlassen. Davon ist tatsächlich bis auf den Aschenplatz und die Randbepflanzung derzeit nichts mehr übrig.