Sebastian "Özi" Jenal

Comics des Künstlers werben bei Kindern für mehr Umweltbewusstsein

BONN. Erwachsene zu mehr Klimaschutz zu überreden, hält Sebastian Jenal für schwierig. "Viele haben ihre gefestigte Meinung, ihren Lebenswandel verinnerlicht, wollen das Thema auch einfach nicht mehr hören", sagt er.

Deshalb sind Jenals Zielgruppe Kinder: Als "Özi" zeichnet er die Comics von Bonni und Bo, mit der Lehrerin Elke Buttgereit und der Bürgerstiftung hat er vor drei Jahren den Bonner Klimaführerschein herausgebracht. Fast 3000 Drittklässler haben ihn mittlerweile absolviert, es gibt sogar Interessenten aus dem Ausland.

"Die meisten verwechseln das Klima mit dem Wetter, es hängt ja auch zusammen", sagt Özi. Der Klimaführerschein erklärt deshalb genau, wie das Wetter entsteht und was das Erdklima beeinflusst. Bei Rätseln müssen die Kinder herausfinden, wie man weniger Treibhausgase verursacht.

Sie sollen im Supermarkt nach dem Obst suchen, dass die meisten Kilometer zurückgelegt hat. Oder nach Stromfressern im eigenen Haushalt stöbern und beobachten, wie schnell sich das Rädchen des Stromzählers dreht. "Das alles braucht man nicht mit erhobenem Zeigefinger erklären, die Schüler merken von ganz alleine, was richtig und was falsch ist", sagt der 37-Jährige. Und wiesen ganz automatisch ihre Eltern darauf hin. In jedem Heft gibt es Aufkleber mit Sprüchen wie "sparsam spülen".

Kindgerecht wird der Klimaführerschein aber erst durch Bonni und Bo, den unbekümmerten Löwen und den Eisbär, der wegen der schmelzenden Polkappen durch den Rhein nach Bonn geschwommen kommt. "Wie im echten Leben hat Bonni keine schlechten Absichten, wenn er etwas Klimaschädliches im Alltag macht", erklärt Özi.

Bo spielt dann den "Klugscheißer", wie Özi sagt, und spricht Bonni auf seine Fehler an, weshalb der Löwe dann Stück für Stück seinen Lebenswandel ändert. Seine Comics sind dabei auch drastisch. Zum Beispiel, wenn sie in düsteren Bildern erklären, was Beifang ist. "Das ist nun mal die Realität, die man den Kindern nicht schönreden sollte", sagt er.

Wegen einer Illustration über Papier und das Abholzen des Regenwaldes gab es sogar Gegenwind aus der Industrie. Die genannten Zahlen seien zu dramatisch gewesen. "Dabei hatten wir sie nur von Greenpeace übernommen, letztendlich korrigierten wir sie dann doch, um einen Rechtsstreit zu vermeiden." Deshalb prüft jetzt die Stadt Bonn die Veröffentlichungen im Klimaführerschein.

Die Ideen und Themen für Bonni und Bo holt sich Özi aus dem Alltag, er ist selbst Umweltaktivist und engagiert sich für die Menschenrechte. Für Überlebensexperte Rüdiger Nehberg zeichnete er etwa ehrenamtlich selbsterklärende Bilder, die die Gefahren der weiblichen Genitalverstümmelung zeigen. Für die in Bonn sitzende Umweltorganisation Oro Verde malt er bunte Illustrationen in Broschüren und auf Plakaten.

Mittlerweile kann er als Künstler von seinen Zeichnungen leben. "In den vergangenen 14 Jahren gab es aber auch einige finanzielle Engpässe", sagt Özi. Sitzt er am Zeichentisch in seinem Beueler Studio, kann er durch das Fenster direkt auf den Konrad-Adenauer-Platz schauen. Da fallen ihm dann die Jugendlichen auf, die ihren Müll auf die Straße schmeißen, selbst wenn der Papierkorb nur wenige Schritte entfernt ist. "Vielleicht ist das in der kommenden Generation nicht mehr so, weil Bonni und Bo für ein Umdenken gesorgt haben."