Gründerin der Andheri-Hilfe ausgezeichnet

Clara-Ehrenpreis für Rosi Gollmann

BONN. Zahlreiche Preise hat Rosi Gollmann schon erhalten. Gestern kam noch einer dazu: Die Gründerin der Andheri-Hilfe wurde mit dem Ehrenpreis Clara des Internationalen Frauenzentrums (IFZ) ausgezeichnet.

Die hat sie vor 48 Jahren ins Leben gerufen, und in dieser Zeit erfuhr sie damit internationale Anerkennung. Der Name Clara, lateinisch "die Herausgehobene", steht beim IFZ für Frauen mit klarem Kopf und Weitsicht, erklärte die stellvertretende Vorsitzende Tatjana Pugatscheva. Gollmann fand diese Bedeutung sehr passend für ihre Arbeit: "Ich glaube, das geht nicht ohne einen klaren Blick." Sie kämpft nicht nur gegen schlechte Lebensbedingungen, sondern vor allem für die Rechte der Frauen in Indien. "Armut ist leichter zu ertragen als Würdelosigkeit."

Auch der Bonner Bürgermeister Reinhard Limbach dankte Gollmann, "deren Leben große und gute Veränderung bewirkt hat". Aus einer privaten Initiative sei eine professionelle Hilfsorganisation geworden, das sei eine großartige Lebensleistung. Jutta Lutz-Kadereit vom Komitee, das Gollmann als Preisträgerin ausgewählt hat, dankte ihr "für Ihren grenzenlosen jahrelangen Einsatz für die Menschen". Sie stellte auch Stationen aus Gollmanns Leben vor. Die 88-Jährige wurde in Bonn geboren und studierte nach dem Krieg hier auch katholische Theologie.

Über einen Artikel, der sich mit dem Waisenhaus St. Catherine's Home in Andheri nahe Bombay befasste, wurde sie 1959 auf die Situation der Kinder dort aufmerksam und beschloss zu helfen. Ihre erste Reise nach Indien unternahm sie 1962, fünf Jahre später rief sie die Andheri-Hilfe Bonn ins Leben. Sie kam damals zur Erkenntnis: "Wir sollten nicht Waisenhäuser fördern, sondern Familie und Frauen."

Der Verein finanziert außerdem Augenoperationen gegen Grauen Star, setzt sich gegen die Tötung von neugeborenen Mädchen in Indien ein, kämpft gegen Kinderarbeit und für die Rechte der Frauen und vieles mehr. Die Finanzierung erfolgt durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und die Einnahmen aus den jährlichen Andheri-Basaren zur Adventszeit. Gollmann ist auch im hohen Alter immer noch mittendrin.