Innenstadtverkehr

City-Ring in Bonn ab Juni wieder offen

Die Maximilianstraße ist derzeit gesperrt, der City-Ring gekappt. Im Juni können die Autos aller Voraussicht nach wieder durchfahren.

Die Maximilianstraße ist derzeit gesperrt, der City-Ring gekappt. Im Juni können die Autos aller Voraussicht nach wieder durchfahren.

BONN. Die Stadtverwaltung will die Sperrung der Maximilianstraße in Bonn nicht fortsetzen. Eine IHK-Umfrage ergibt deutliche Umsatzeinbußen seit der Kappung des Verkehrsrings.

Die Stadt wird die Sperrung der Maximilianstraße Anfang Juni voraussichtlich aufheben, wenn der entsprechende Teil der Bauarbeiten am Maximilian-Center beendet ist. Das geht aus einer Vorlage der Verwaltung hervor, über die die Bezirksvertretung am 15. Mai beraten wird. Aufrecht erhalten werden soll allerdings der Linksabbieger vom Belderberg auf den Bertha-von-Suttner-Platz. Von ihrer im April veröffentlichten, umstrittenen Idee, die Sperrung für weitere Tests im Straßenverkehr zu verlängern, nimmt die Verwaltung also Abstand.

Sie hatte neben der Sperrung vorgeschlagen, die Busspur vor dem Uni-Hauptgebäude abzuschaffen und zu einem Radweg in umgekehrter Richtung auszuweisen. Die Pläne, dass Linienbusse und Pkw sich eine Spur teilen, war bei Verkehrsverbänden auf positives Echo (siehe „Verkehrsforum und ADFC...), aber beim Einzelhandel auf erheblichen Widerstand gestoßen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg, der Verein City-Marketing und die Eigentümer-Lobby Haus & Grund haben am Mittwoch noch einmal eindringlich gefordert, die alten Verkehrsverbindungen wiederherzustellen und den City-Ring zu öffnen. Einer IHK-Umfrage zufolge haben Händler der Innenstadt im ersten Quartal 2018 deutliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, durchschnittlich um 12,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehen die Geschäftsleute einen Besucherrückgang. Von 47 Unternehmen, die die Fragen der IHK beantworteten, glauben 90 Prozent, dass seit Anfang des Jahres weniger Menschen in die Innenstadt gekommen sind.

94 Prozent halten die Kappung des City-Rings für „nicht sinnvoll“. Die Erreichbarkeit sei schlechter geworden, urteilten knapp 90 Prozent. „Die Situation des Bonner Einzelhandels ist existenzbedrohend“, schlussfolgerte IHK-Geschäftsführer Stephan Wimmers, dem einige Händler in persönlichen Briefen und E-Mails geschrieben hätten. Wimmers sieht einen direkten Bezug zwischen Sperrung und Umsatzrückgang. NRW-weit hätten die Händler schließlich ein Umsatzplus erwirtschaftet. Allerdings erschweren die seit Jahren geschlossene Uni-Tiefgarage und die aufgrund der Bauarbeiten am Hauptbahnhof vorübergehend geschlossene Bahnhofgarage an der Münsterstraße die Suche nach Parkplätzen zusätzlich.

Händler befürworten weitere Testphase für Linksabbieger

Karina Kröber (City-Marketing), Jannis Vassiliou (Einzelhandelsverband Bonn/Rhein-Sieg/Euskirchen) und Helmut Hergarten (Haus & Grund) halten Tests zum jetzigen Zeitpunkt nicht für zielführend. Alternativen Lösungen für den Innenstadtverkehr wollten sie sich grundsätzlich nicht verschließen. Aber um reale Bedingungen zu schaffen, müssten zunächst die Projekte Maximilian-Center und Urban Soul vor dem Hauptbahnhof abgeschlossen sein. Urban Soul hat mit dem Bau seines Parkhauses an der Rabinstraße begonnen. Wenn es voraussichtlich im kommenden Jahr fertig wird, könnten Bahnhofsbesucher über eine Brücke direkt Gleis 1 erreichen. Das wäre Grundlage für Änderungen am City-Ring und den notwendigen Umbau des Zentralen Omnibusbahnhofs (ZOB).

Die Händler befürworten eine weitere Testphase für den Linksabbieger. Die Stadt will die wichtige Kreuzung am Bertha-von-Suttner-Platz weiter beobachten. Hintergrund sind die bis Juli angekündigten Bauarbeiten in der Römerstraße. Sobald die Römerstraße in beide Fahrtrichtungen geöffnet wird, fahren wieder mehr Autos von Norden über die Kreuzung. Ob der Linksabbieger unter diesen realen Bedingungen noch funktioniert, wollen die Verkehrsplaner herausfinden. Die Kaiserstraße müsse als Bypass zur B 9 erhalten bleiben, sagte Wimmers. Mit Blick auf Sanierungen der Reuterstraße in zwei Jahren, dem „Tausendfüßler“ (A 565) sowie der Nord- und Südbrücke dürfe der City-Ring nicht geschlossen werden.

Am Donnerstagabend berät der Stadtrat über einen Antrag der SPD zum City-Ring. Die SPD unterstützt den zurückgezogenen Ansatz der Verwaltung, weiter die Maximilianstraße zu sperren und die Radspur einzurichten. Im Planungsausschuss fand die SPD für ihren Vorschlag keine Mehrheit. Von der Koalition war am Mittwoch mit der Begründung keine Stellungnahme zu bekommen, dass die Planungssprecher am Abend zusammenkämen, um über die Verkehrsführung am City-Ring zu diskutieren.