Bonner Künstler gestorben

Carsten Carstens letzter Wunsch: Bestattung auf Altem Friedhof

Meister der Farben: So wie auf diesem Foto von 2010 bleibt Carsten Carstens den meisten Bonnern in Erinnerung. Zuletzt hatte er, von Krankheit gezeichnet, einen schneeweißen Vollbart.

BONN. Groß, schulterlange, hellblonde Haare und blaue Augen: Wenn Carsten Carstens durch die Innenstadt ging oder mit seinem weißen Hollandrad durch die Friedrichstraße fuhr, war der Bonner Maler, Grafiker und Galerist eine auffällige, elegante Erscheinung.

Zumal er immer wie aus dem Ei gepellt daherkam, oft mit Nadelstreifen-Anzug und weißen Schuhen.

Der lebensfrohe Grandseigneur, der seit 1962 in Bonn lebte und seine Galerie über Jahrzehnte in der Bonngasse hatte, ist mit seiner immerwährenden Präsenz irgendwann selbst zu einem Bonner Original geworden. Zuletzt sah man ihn nur noch selten.

Er, der früher gerne im grünen Jaguar um die Häuser fuhr, der so viel Wert auf Eleganz und Stil legte, so gerne den blauen Himmel und optimistische Wolken malte, musste krankheitsbedingt plötzlich viel kürzer treten, als ihm lieb war. Carstens benötigte zuletzt einen Rollstuhl, magerte stark ab und ließ sich einen weißen Vollbart stehen, so dass ihn auf der Straße viele Leute erst auf den zweiten Blick erkannten. Ausgerechnet er, dieser überaus positive Mensch, dessen Lieblingsspruch war, "Lieber von Carstens gemalt als vom Schicksal gezeichnet", ging am Ende selbst einen schicksalshaften Weg, seit Anfang 2012 bei ihm die seltene Erkrankung des Nerven- und Muskelsystems, ALS, diagnostiziert wurde. Und das in einer besonders aggressiven Form.

Doch Carstens schloss sich nicht ein, er ging weiter unter die Leute. Krank war er, ja, doch bis zuletzt blieb er ein höflicher Charmeur alter Schule, so wie er sich zeitlebens gezeigt hatte. Sein letzter öffentlicher Auftritt liegt erst gut einen Monat zurück, als Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch ihm für die Aktion "21 NRW-Städte zeigen Herz für Unicef" die Aufgabe übertrug, das Bonner Herz künstlerisch zu gestalten. Da war er noch einmal voller Stolz.

Carstens hat ein umfangreiches Vermächtnis hinterlassen, in Form von 150 großformatigen Bildern, aber auch zahllosen Hausfassaden, die von ihm im Auftrag der Eigentümer künstlerisch gestaltet wurden. So gesehen ist er eigentlich der erste Graffitikünstler, den die Stadt Bonn hervorgebracht hatte. Alles legal. Natürlich auch die Bühnenbilder für viele Bundespressebälle, die er gestaltete.

2007 gab er seine Firma, die Bonner Reclamewerkstätten auf dem Kurfürsten-Gelände auf, um sich ganz der Kunst widmen zu können. Dem gebürtigen Flensburger, den es als Soldat ins Rheinland verschlug, hatten es seine Lieblingsfarben Rot und Schwarz angetan. Die nutzte er, um oft Bilder von attraktiven Frauen zu malen, häufig nur mit Stilettos bekleidet. Den Pinsel konnte er zuletzt nicht mehr schwingen, selbst das Heben eines Armes fiel ihm schwer. Am Mittwoch voriger Woche verstarb Carsten Carstens friedlich im Alter von 71 Jahren. Den größten Wunsch konnten ihm Freunde posthum erfüllen: eine Beisetzung auf dem Alten Friedhof.

Die Trauerfeier ist für Mittwoch, 24. Juli, um 11 Uhr in der Kreuzkirche am Kaiserplatz geplant, anschließend findet die Beisetzung auf dem Alten Friedhof statt.