Robert-Wetzlar-Berufskolleg

Caritas Bonn hilft beim Start in die Ausbildung

Norbert Blüm probiert die Schnittchen der Jugendwerkstattschüler und ihres Lehrers Thomas Restovic. Omar Omar (links) hat inzwischen einen Ausbildungsplatz gefunden.

Norbert Blüm probiert die Schnittchen der Jugendwerkstattschüler und ihres Lehrers Thomas Restovic. Omar Omar (links) hat inzwischen einen Ausbildungsplatz gefunden.

Bonn. Die Caritas Bonn begleitet junge Menschen ohne Schulabschluss beim Wechsel ins Berufsleben. Sie hilft jedes Jahr 30 Jugendlichen in den Bereichen Gastronomie, Friseurwesen und Fahrradmechanik auf die Sprünge.

Schnittchen kennt Norbert Blüm aus seiner aktiven Zeit in der Bundespolitik nur zu gut. Was der Ex-Arbeitsminister am Mittwoch in den Räumen des Robert-Wetzlar-Berufskollegs probieren darf, ist aber dennoch etwas Besonderes. Lehrer Thomas Restovic hat mit seinen Schülern kleine Kunstwerke geschaffen. Dabei, so glauben einige, hätten ihre eigenen Lehrer den jungen Leuten vor einem Jahr kaum ein Butterbrot zugetraut.

Die Jugendwerkstatt der Caritas in den Räumen des Berufskollegs hilft jedes Jahr 30 Jugendlichen in den Bereichen Gastronomie, Friseurwesen und Fahrradmechanik auf die Sprünge, die keinen regulären Schulabschluss geschafft haben. In gut neun Monaten werden sie auf eine Ausbildung vorbereitet und können den Hauptschulabschluss erwerben. So konnten in den vergangenen 30 Jahren 67 Prozent der Teilnehmer in eine Ausbildung vermittelt werden.

„Wir hätten mit mehr Ressourcen noch mehr schaffen können“, glaubt Werkstattleiter Markus Schneider. Mit dem neuen Förderprojekt „Jump“ will die Caritas deshalb den Sprung ins kalte Wasser nach der Werkstattschule abfedern. Sozialpädagogen sollen die ersten Monate im Ausbildungsbetrieb als Gesprächspartner begleiten, um so die Abbrecherquote zu verringern. Unternehmen wie Eaton Industries oder der Vendel Getränkeservice haben sich bereit erklärt, mit Praktikumsplätzen oder Projekttagen zu helfen.

Staat braucht Unterstützung

Blüm hat die Schirmherrschaft für „Jump“ übernommen und wirbt für weitere Paten. Zwar sei von den Berufseinsteigern viel Eigeninitiative und Durchhaltewille gefragt, sagt er, aber die Gesellschaft müsse auch das Handwerkszeug an die Hand geben. Der Staat könne nicht für jeden Betroffenen eine Lösung bereit halten. Mehr „unkonventionelle Zuträger“ seien gefragt. Für eine Patenschaft werden 1000 Euro für 40 Begleitungsstunden veranschlagt.

Omar Omar hat mit der Jugendwerkstatt seine persönliche Krise überwunden. 2013 war der heute 20-Jährige mit einem Cousin allein aus Syrien nach Bonn gekommen. Fehlende Deutsch-Kenntnisse und seine Fluchterfahrung vereitelten den Schulabschluss. „In der Werkstatt haben die Mitarbeiter mich immer wieder aufgebaut“, sagt er. Inzwischen hat Omar die Probezeit auf der Godesburg bestanden und nach der Ausbildung und vielleicht einem Trainee-Jahr in Österreich die Perspektive einer späteren Festanstellung. Und selbst die deutsche Küche findet er inzwischen „sehr lecker“.

„Uns liegen die Teilnehmer sehr am Herzen“, berichtet Omars ehemalige Betreuerin Olga Gutsch. Zu einigen habe sie noch nach Jahren Kontakt. Die Werkstatt übernimmt dabei fast eine Familienfunktion. Allerdings reichten die zeitlichen Kapazitäten bislang nicht aus, in allen Krisen zu helfen und auch die gemeinsamen Erfolge zu feiern.

Projekte wie „Jump“ zeigten, wie auch Jugendliche in schwierigen Lagen ins Berufsleben integriert werden können, findet Caritas-Chef Jean-Pierre Schneider. Allerdings dürfe der Staat sich angesichts der Größe der Aufgabe nicht aus der Verantwortung ziehen. Einer von 20 Jugendlichen in Bonn schafft keinen Abschluss.